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Nie wieder auf 180 sein: Konflikte im Job gelassen lösen

Arbeit Nie wieder auf 180 sein: Konflikte im Job gelassen lösen

Die anstrengendsten Tage bei der Arbeit? Das sind für viele jene mit Konflikten. Keine To-do-Liste der Welt macht einen so fertig wie Streit mit Kollegen. Der erste Fehler ist, gleich auf 180 zu sein. Gelassen Konflikte zu lösen, setzt aber Selbstkenntnis voraus.

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Wenn unterschiedliche Charaktere im Büro unter Zeitdruck aufeinandertreffen, bleiben Konflikte nicht aus. Um Ärger zu vermeiden, ist es wichtig, die eigenen Empfindlichkeiten zu kennen. Foto: Monique Wüstenhagen

Münster. Erst fangen die Backen an zu zittern. Dann rutscht man auf dem Stuhl hin und her. Und schließlich fängt man an, zu schimpfen: "Das kann doch nicht wahr sein!". Es ist passiert: Man ist auf 180.

So oder so ähnlich spielen sich tausendfach Szenen am Arbeitsplatz ab. Wo gearbeitet wird, gibt es immer auch Konflikte. Doch kann man lernen, Konflikte souverän auszutragen, ohne sich dabei aufzuregen?

"Soziale Konflikte sind der größte Stressfaktor für Menschen überhaupt", sagt Coach Günter Hudasch, der bei Konflikten im Büro berät. Außerdem ist er Vorstand vom MBSR-MBCT-Verband, dem Zusammenschluss der Achtsamkeitslehrer in Deutschland.

Vermeiden lassen sich die Differenzen am Arbeitsplatz aber kaum. Es geht dabei nicht nur um Sachfragen. Ganz unterschiedliche Typen, Arbeitsweisen, Charaktere und Werte treffen aufeinander - und das oft unter Stress und Zeitdruck. Kollidieren Interessen und Werte, ist der Konflikt da.

Regen sich Menschen am Arbeitsplatz selten auf, kennen sie sich häufig sehr gut selbst, sagt Susanne Klein, Coach zum Thema. Jeder Mensch hat bestimmte Werte, bei deren Verletzung er an die Decke geht. Zu erkennen, was einen stört, ist der erste Schritt, um den Konflikt souverän zu lösen, erklärt Klein.

Ein Beispiel: Kollege X braucht von Kollege Y jede Woche bis Mittwoch bestimmte Unterlagen, damit er seine Arbeit machen kann. Kollege Y schickt die Unterlagen in vielen Fällen jedoch zu spät - statt am Mittwochabend am Donnerstagmittag. Kollege X regt sich darüber maßlos auf und vor allem ärgert ihn die Respektlosigkeit von Y. "Der muss doch kapieren, dass er die Unterlagen pünktlich abgeben muss", denkt er jede Woche aufs Neue. Viele verharren in dieser Situation.

Sie reagieren reaktiv, erklärt Hudasch. Die Unterlagen fehlen am Mittwochabend, und schon ist der Groll da. "Das ist ein völlig unbewusstes, direktes Reagieren auf Verletzungen von anderen", sagt Hudasch. Wer gut im Konfliktelösen ist, steigt hier aus, analysiert die Situation, und gibt Kollege Y dann eine neue Deadline.

Sind Menschen besonders souverän im Umgang mit Konflikten am Arbeitsplatz, haben sie außerdem häufig ein gutes Selbstbewusstsein. Sie ziehen sich bestimmte Schuhe erst gar nicht an, sagt Mareike große Darrelmann, Business Coach aus Düsseldorf. Wer sehr souverän Konflikte löst, ist außerdem häufig sehr gut darin, sich selbst und sein Verhalten zu reflektieren. Er stellt sich überhaupt erst einmal die Frage: Warum gerate ich am Arbeitsplatz immer wieder in die Situation, dass ich mich aufrege?

Regen Menschen sich im Büro selten auf, gelingt es ihnen außerdem, die Kollegen für ihre Art und Weise zu achten, sagt Coach große Darrelmann. Sie wissen, wo die roten Linien ihrer Kollegen sind und übertreten diese nicht.

Wer im Team immer wieder mit anderen aneinandergerät, sollte einmal abends für sich versuchen herauszufinden, was die roten Linien der anderen sind. Und er sollte sich fragen, ob er selbst weiß, wo seine roten Linien sind. Denn geht es wieder los, und man regt sich auf, kann man dem anderen auch leichter kommunizieren, was einen überhaupt stört.

dpa

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