Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -8 ° wolkig

Navigation:
Kräftige Renten-Erhöhung um vier bis fünf Prozent absehbar

Rente Kräftige Renten-Erhöhung um vier bis fünf Prozent absehbar

Das hat es lange nicht gegeben - eine Rentenerhöhung um vier Prozent oder mehr. Sicher ist noch nichts, doch viel weniger wäre eine Überraschung. Meint es jemand besonders gut mit den Ruheständlern?

Voriger Artikel
Die neuen Azubis - Berufsausbildung wählen und starten
Nächster Artikel
Party oder Karriere? Diese Studenten gibt es an jeder Uni

Für den ein oder anderen heißt die Rentenerhöhung 2016: Erstmal entspannt zurücklehnen.

Quelle: Stephan Scheuer

Berlin (dpa) - Renten vor Rekordplus - um 4 Prozent könnten die Bezüge Mitte kommenden Jahres steigen. Es dürfte nach heutigem Stand sogar eher mehr als weniger werden. Damit überholen die Rentner die Arbeitnehmer bei ihren Löhnen locker. Wie ist das nach vergleichsweise mageren Jahren zu erklären?

"Wenn es zu einer deutlichen Rentenanpassung kommt, mag das für manche überraschend sein", sagt Alexander Gunkel, der die Arbeitgeber im Bundesvorstand der Rentenversicherung vertritt. Doch er stellt klar, dass hier niemand aus Kalkül ein Füllhorn ausschüttet: "Die Rentenerhöhung erfolgt aber nicht nach willkürlichen Festlegungen, sondern entsprechend der gesetzlichen Rentenformel." Diese komplizierte, aber feste Formel vermeide den Eindruck von Willkür.

Die Rentner profitieren vor allem von der guten Wirtschaftslage mit Rekordbeschäftigung, niedrigster Arbeitslosigkeit seit Jahrzehnten und Lohnplus. Oft blieben die Renten in den vergangenen Jahren hinter den Löhnen zurück. Beispiel Nachhaltigkeitsfaktor. Er beschreibt das Verhältnis von Rentenbeziehern zu Beitragszahlern - und wirkte oft dämpfend. Doch bei steigender Zahl der Einzahler kann die Stellschraube die Renten auch steigen lassen.

Zentral ist die Lohnentwicklung. Abschließende Daten gibt es erst im Frühjahr. Doch klar ist: Sie zeigt nach oben. Laut Statistischem Bundesamt führte etwa die niedrige Inflation im zweiten Quartal zu einem Plus von 2,7 Prozent bei den Reallöhnen.

Auch der Beitragssatz spielt eine Rolle - bei steigenden Belastungen der Einzahler wird auch die Rentensteigerung gedämpft. Doch der Beitragssatz sank Anfang des Jahres um 0,2 Punkte auf 18,7 Prozent - das gibt ein Plus von knapp 0,3 Prozent bei der Rente.

Und es schlägt dieses Mal ein einmaliger Effekt mit einem Plus von gut 1 Prozent zu Buche. Denn aufgrund von EU-Vorgaben fiel die Berechnung des Lohnniveaus - zentral für die Rentenerhöhung - zuletzt niedriger aus. Statistisch gingen mehr Beschäftigte mit geringeren Löhnen in die Rechnung ein. Das wird nun wieder ausgeglichen.

Die Vertreterin der Versicherten im Vorstand der Rentenversicherung, DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach, will möglichen Neideffekten vorbeugen. "Die Rentnerinnen und Rentner genehmigen sich 2016 keinen übermäßigen Schluck aus der Pulle zulasten der Beitragszahler", sagt sie, "sondern sie bekommen das ausbezahlt, was ihnen nach Recht und Gesetz zusteht." Die Rentenausgaben spiegelten schlicht die wirtschaftlichen Entwicklung.

Wer 1000 Euro Rente bekommt, dürfte also am 1. Juli kommenden Jahres gut 40 Euro mehr erhalten. Bei 1400 Euro wären es gut 56, bei 1600 Euro gut 64 Euro mehr. Doch mehr Klarheit gibt es erst Ende Oktober. Dann haben sich die Rechenexperten von Bundessozialministerium, Rentenversicherung und Bundesversicherungsamt zusammengesetzt - und eine offizielle Schätzung vorgelegt. Und erst im Frühjahr wird die Erhöhung aufgrund von Daten zur Lohnentwicklung festgelegt.

Es dürfte ein Ausreißer nach oben bleiben. Auf dem Arbeitsmarkt ist ein Ende des Booms absehbar. Noch hat die Rentenkasse eine Reserve von knapp 32 Milliarden Euro. Am Beitragssatz dürfte sich kommendes Jahr kaum etwas ändern. Ausgerechnet am Tag der frohen Botschaft über steigende Renten warnten Deutschlands führende Ökonomen am Donnerstag aber vor Belastungen durch die Mütterrente, die Rente mit 63 - und das Älterwerden der Gesellschaft. Roland Döhrn vom Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung sprach bei der Vorstellung ihres Herbstgutachtens von einer "dramatischen Perspektive".

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Aktuelles