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Ungewisser Aufstieg: Der lange Schatten des Everest-Unglücks

Tourismus Ungewisser Aufstieg: Der lange Schatten des Everest-Unglücks

Es war das schlimmste Unglück in der Geschichte des Bergsteigens am Mount Everest: Vor fast einem Jahr löste sich eine riesige Eislawine im Khumbu-Gletscher und tötete 16 Nepalesen.

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Nach dem Lawinenunglück 2014 hat die nepalesische Regierung den Mount Everest für Bergsteiger noch nicht wieder freigegeben. Der nächste Saisonstart ist nicht absehbar. Foto: Barbara Walton

Kathmandu. Die Saison wurde daraufhin abgeblasen. Nun würden viele der 333 ausländischen Bergsteiger, die damals umkehrten, gerne einen erneuten Versuch wagen. Doch es ist unsicher, ob sie das dürfen.

Die Regierung Nepals verschleppt die Entscheidung darüber, ob die 10 000 Dollar teuren Genehmigungen aus dem vergangenen Jahr nun noch einmal gelten sollen. Eigentlich hatte sie das zugesagt. Doch einen Monat vor dem Beginn der Hauptsaison am höchsten Berg der Welt ist noch alles offen.

Dabei trainieren Bergsteiger über Monate oder sogar Jahre für den 8848 Meter hohen Gipfel und müssen sich dann für die Expedition zwei Monate lang Urlaub nehmen. Organisatoren sind lange im Voraus damit beschäftigt, Zelte, Kochutensilien und Essen vorzubereiten sowie Träger und Bergführer anzuheuern. Die Unklarheit hat offenbar einige abgeschreckt: nach offiziellen Angaben haben sich dieses Jahr nur 20 Teams in Nepal angekündigt, im vergangenen Jahr waren es 32 Teams.

Sie bräuchten jetzt sehr bald eine Zusage, damit sie loslegen könnten, meint Russell Brice vom britischen Organisator Himalayan Experience. Auch Gordon Janow vom US-geführten Alpine Ascents International sagt etwas ungeduldig: "Wir warten darauf, dass die notwendigen Treffen stattfinden." Guy Cotter, Chef des neuseeländischen Adventure Consultants, will gehört haben, dass die Entscheidung jetzt ans Parlament weitergereicht wurde.

Das Parlament, das eigentlich nur eine verfassungsgebende Versammlung ist, hat aber andere Sorgen. Seit 2008 versuchen die Politiker, dem Land eine Verfassung zu geben. Doch die Lager sind hoffnungslos zerstritten; eine selbst gesetzte Frist nach der anderen verstreicht. Im Januar kam es zu frustrierten Stühlewürfen im Parlament, und Sicherheitskräfte mussten im Saal Menschenketten bilden, um die Streithähne auseinander zu halten.

"Wir sind es gewohnt, mit den schwerfälligen politischen Entscheidungsprozessen umzugehen", meint Cotter. Doch allerspätestens Anfang April, wenn die Karavanen an Bergsteigern aus Kathmandu gen Osten starten, müssten die Genehmigungen vorliegen. Gyanendra Kumar Shrestha vom Tourismusministerium will dafür kein Garantie abgeben. Derzeit liege alles beim Justizministerium, dann gehe es ins Kabinett.

Dafür stellt Shrestha schon einmal eine andere Forderung. Alle Bergsteiger müssten ihren Müll wieder vom Berg mit runterbringen - auch Fäkalien. Es sei mittlerweile ein Umweltproblem, dass so viel Urin und Kot am Berg zurückbleibe. Im Basislager und im Camp Zwei gebe es noch Toilettenzelte, doch darüber kümmere sich keiner mehr um die Hinterlassenschaften.

Und noch etwas ist in diesem Jahr anders. Der tödliche Abbruch ereignete sich im vergangenen Jahr im linken Teil des Khumu-Eisfalls. Deswegen soll es diesmal eine Route weiter in der Mitte geben - schwerer, aber etwas sicherer. Alpine Ascents schulte in diesem Jahr bereits einige Sherpas in Klettertechniken.

"Die letztjährige Saison war die traurigste jemals für uns", sagt der Bergführer Lhakpa Sherpa, der schon viermal auf dem Mount Everest war. Mitte März ziehe er trotzdem wieder los zum Giganten der Bergwelt. "Wir müssen die Arbeit wieder aufnehmen, denn das ist das, womit wir eben unseren Lebensunterhalt verdienen."

dpa

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