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Notübernachtung in Berlin: Ein Bett für ausgeraubte Touris

Tourismus Notübernachtung in Berlin: Ein Bett für ausgeraubte Touris

Touristen, die bei Jürgen Mark landen, haben mitunter die unschönen Seiten Berlins zu spüren bekommen. Der 53-Jährige leitet die Notübernachtung für Menschen, die in der Hauptstadt stranden, aber kein Dach über dem Kopf haben.

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Jürgen Mark kann viele Gesichten von gestrandeten Touristen erzählen. Wer gar keinen Cent in der Tasche, darf bei ihm auch kostenlos übernachten.

Quelle: Lukas Schulze

Berlin. Wenn Touristen ausgeraubt wurden oder ihre Koffer in der Bahn stehen gelassen haben, hilft Mark mit einem warmen Bett. In seinem Haus fand schon so manche Berlin-Reise ein jähes Ende.

Noch ist es ruhig in dem Backsteinhaus. Jürgen Mark sitzt in seinem kleinen Büro und erledigt Papierkram. Der Hausmeister wirbelt im Flur herum. In wenigen Stunden öffnet die Notunterkunft. Abends ab 18.00 Uhr bis in die Morgenstunden steht das Haus offen. 73 Betten gibt es. An manchen Tagen seien es einfach zu wenig, sagt Mark. "Zum Beispiel über Ostern mussten wir viele Leute auf die Parkbank schicken." Ende März schlossen in Berlin die Einrichtungen, die Menschen in der kalten Jahreszeit einen warmen Schlafplatz bieten. Marks Haus ist das ganze Jahr geöffnet.

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Rund 50 Urlauber klingeln jedes Jahr in der Franklinstraße.

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24 380 Übernachtungen zählte der Leiter im vergangenen Jahr. "Pro Jahr haben wir etwa 50 Touristen", berichtet er. Zu Jürgen Mark kommt, wer gar kein Geld mehr hat. Die Bahnhofsmission hält zwar ebenfalls Betten für Gestrandete bereit, allerdings nicht kostenlos. 13 Euro kostet die erste Nacht - die zweite nur noch 10 Euro. "Doch wenn mittellose Menschen zu uns kommen, haben wir kein Problem damit, diese bei uns kostenlos nächtigen zu lassen", erzählt Dieter Puhl, Leiter der Berliner Bahnhofsmission. Er habe insgesamt neun Betten und etwa 15 Übernachtungen pro Woche.

Überhaupt keinen Cent besaß ein junger Isländer, der erst kürzlich Unterschlupf in der Notunterkunft in der Franklinstraße fand. Er habe gesagt, dass er überfallen wurde, erzählt Mark. Zwei Waffen und einen Baseballschläger hätten die Räuber bei sich gehabt. Neben dem Portemonnaie waren auch Flugticket und der Pass verschwunden. "Wir haben uns daraufhin mit der Botschaft in Verbindung gesetzt, um einen Identitätsnachweis zu bekommen." Ohne diesen hätte er nicht nach Hause fliegen können, begründet der Heimleiter.

Viele Botschaften in Berlin kennen mittlerweile Jürgen Mark. Menschen aus 96 Ländern klopften bereits an seine Tür. "Das ist fast die Hälfte aller Staaten, die es auf der Welt gibt", betont Mark und kommt im gleichen Atemzug auf einen Neuseeländer zu sprechen, der über drei Monate Dauergast bei ihm war. "Der junge Mann kam mit vier Kumpels nach Europa. Sie wollten mit ihrer Rockband Konzerte geben." Daraus wurde nichts: "Sie zerstritten sich im Suff, und dem jungen Mann kam alles abhanden", erinnert sich Mark. Die neuseeländische Botschaft stellte ihm einen Reisepass aus, das zuständige Bezirksamt bezahlte schließlich das Flugticket zurück in die Heimat.

"Die Touristen, die zu uns kommen, sind tendenziell jünger, umtriebig und erlebnishungrig", meint Mark. Doch nicht immer: Er erinnert sich an einen mehrfach behinderten jungen Mann aus Sachsen-Anhalt, der auf eigene Faust die Hauptstadt erkunden wollte. "Problem: Er saß in einem Elektrorollstuhl. Für ihn endete die Fahrt mit dem Zug bei der Berliner Bahnhofsmission." Weil keine Bahn an dem Abend mehr in Richtung Magdeburg fuhr, kam der Mann zu Jürgen Mark und seinem Team.

Die Einrichtung wird von der katholischen und evangelischen Kirche im Auftrag des Berliner Senats getragen. Aufgenommen werden dort auch Flüchtlinge, die abends die Hauptstadt erreichen, wenn Behörden bereits im Feierabend sind. Viele Nachahmer findet ein solches Angebot offenbar nicht in Deutschland. Auf Nachfrage hieß es in Hamburg, Köln und München, solche Möglichkeiten gebe es nicht. Die Deutsche Bahn stellt "Schlafzüge" für gestrandete Reisende nur in Ausnahmefällen bereit - etwa bei Unwetter oder wenn gestreikt wird.

dpa

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