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Mallorca: Valldemossa kämpft mit Ansturm

Tourismus Mallorca: Valldemossa kämpft mit Ansturm

Ins 2000-Einwohner-Bergdorf Valldemossa auf Mallorca, wo einst Frédéric Chopin überwinterte, kommen jedes Jahr 1,2 Millionen Touristen. Nun wird ein Rekordsommer erwartet. Doch wie viele Besucher kann der kleine Ort eigentlich verkraften?

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Das Karthäuserkloster ist einer der Hauptanziehungspunkte für Touristen in Valldemossa. Foto: Stephanie Schuster

Palma de Mallorca. Die Büste von Frédéric Chopin steht jetzt in den Gärten von Joan Carles I., geschützt hinter einer Hecke und stacheligen Rosensträuchern. Früher zierte das Antlitz noch prominent den Platz vor dem

Kartäuserkloster.

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Das Karthäuserkloster ist einer der Hauptanziehungspunkte für Touristen in Valldemossa. Foto: Stephanie Schuster

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Dort hatten der Komponist Chopin und die Schriftstellerin George Sand 1838 überwintert. Doch auf dem Platz hätten einfach zu viele an die bronzene Nase gefasst. "Das soll offenbar Glück bringen, aber die Stelle ist inzwischen völlig abgewetzt, deshalb mussten wir sie in Sicherheit bringen", erzählt Jaume Salvà, im Gemeinderat von Valldemossa für Tourismus zuständig.

Kein anderes Dorf auf Mallorca ist ein derartiger Touristenmagnet wie Valldemossa im Nordwesten der spanischen Insel. Nicht nur weil es als zeitweilige Wirkungsstätte von Chopin vermarktet wird, sondern auch wegen seiner traumhaften Lage in der Serra de Tramuntana.

Inzwischen kommen pro Jahr 1,2 Millionen Besucher in das 2000-Seelen-Dorf, schätzt Gemeinderat Salvà. An einem Junitag um die Mittagszeit parken sieben Reisebusse am Ortsausgang, vor der Klosterkirche drängt sich eine französische Reisegruppe. Am Anfang der Fußgängerzone versammelt eine Touristenführerin lautstark schnatternde Russen um sich.

Wer als Geschäfts- oder Restaurantinhaber an den Urlaubern gutes Geld verdient, blickt frohgemut auf die bevorstehende Rekordsaison. Manch ganz gewöhnlicher Bewohner hingegen würde die Touristenhorden mit ihren Kameras und Sonnenhüten manchmal am liebsten verfluchen - vor allem sonntags, wenn auf dem großen Parkplatz Markt ist - dann fallen 200 Stellplätze weg.

Oft bekommt Gemeinderat Salvà zudem die Klage zu hören, dass der Ort mittlerweile einem Museum und die Fußgängerzone einem großen Souvenirshop gleiche. "Wir haben allein fünf Perlen-Geschäfte, da ist es nicht zu leugnen, dass die nicht für die Leute aus dem Dorf gedacht sind." Allerdings beschere der Tourismus auch dem Rathaus wichtige Einnahmen - etwa durch Parkgebühren oder die Abgaben der Geschäftsleute - und komme somit indirekt dem ganzen Ort zu gute.

"Wir müssen die Interessen von Einheimischen und Besuchern besser in Einklang bringen", fordert Salvà. Das Zauberwort, mit dem das gelingen soll, lautet auch in Valldemossa Qualitätssteigerung. Statt der immergleichen Andenken- und Postkartenläden sei etwas mehr Abwechslung wünschenswert - auch in gastronomischer Hinsicht. In den Bars und Cafés der Fußgängerzone findet man wenig mehr als Sandwiches, lieblose Tapas und das Vorzeige-Backerzeugnis des Ortes, ein fluffig-süßes Brötchen namens Coca de patata.

Bisher allerdings ist im typischen Valldemossa-Programm kaum Zeit für ausgiebiges Bummeln oder Mittagessen: Die organisierten Ausflüge, beliebt auch bei Kreuzfahrttouristen, sind straff durchgetaktet. Und auch wer auf eigene Faust kommt, bleibt meist keine zwei Stunden. "Die durchschnittliche Parkdauer beträgt nur 104 Minuten", weiß Jaume Salvà, der die Zahl anhand der Tickets ermittelt hat. Sein Ziel: die durchschnittliche Verweildauer auf drei Stunden erhöhen.

Sarah und Jan, die gerade in ihrem Leihwagen angekommen sind, wäre das vermutlich zu lang. "Ist ganz schön überlaufen hier", finden die beiden Urlauber aus Köln und Berlin. "Wir essen vielleicht ein Eis und fahren dann weiter."

dpa

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