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Hamburgs Barkassen-Reeder legen los

Tourismus Hamburgs Barkassen-Reeder legen los

Was dem Venezianer seine Gondel, ist dem Hamburger seine Barkasse: einfach nicht wegzudenken aus dem Hafen. Für die Touristen rüsten die traditionsreichen Reedereien auf.

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Die Fahrt mit einer Barkasse ist für viele Besucher Hamburgs eine Attraktion.

Quelle: Marcus Brandt

Hamburg. Noch liegen etliche Barkassen vertäut und dicht gedrängt an den Hamburger Landungsbrücken. Sie harren auf die Hochsaison. Dann werden tagtäglich wieder hunderte Touristen nebst Einheimischen auf Ausflugs- oder Partyfahrt durch Hafen und Speicherstadt sein.

Winterschlaf gibt es für die Reedereien jedoch schon längst nicht mehr. Marktführer

Rainer Abicht fieberte dem Frühjahr entgegen, wenn zwei neue Barkassen vom Stapel laufen sollen. Sie werden derzeit auf der

Feltz-Werft in Finkenwerder gebaut.

Rund 1,3 Millionen Passagiere nahm der Traditionsbetrieb mit bislang 25 Fahrgastschiffen, darunter 15 Barkassen, 2016 an Bord. Wegen stetig gestiegener Nachfrage hat Geschäftsführer Nico Berg (42) zwei weitere Barkassen im Auftragsvolumen von je rund 1,3 Millionen Euro bestellt. Ihr Clou: Sie werden die Abwärme des Diesel-Verbrennungsmotors (190 KW) nutzen, um den Innenraum mit Platz für 100 Gäste während der Fahrt zu beheizen. "Das schont die Umwelt, kostet weniger Energie und senkt den Treibstoffverbrauch um bis zu 13 Prozent", sagte der technische Werft-Betriebsleiter Dragan Botic. Zu diesem Zweck werde auch die Schiffsform der 70-Tonner ständig weiterentwickelt.

Eifrig schweißt die Feltz-Mannschaft an "Til" und "Hanna", die Flex lässt die Funken fliegen. Schließlich sollen die beiden Schiffe beim Highlight der Saison, dem Hafengeburtstag im Mai, eingesetzt werden. "Wir bauen zukunftsorientiert und sind bereit für Pilotprojekte", konstatierte Berg. Seitenhiebe in Richtung Behörden verkneift er sich nicht. Schließlich ist ein umwelt- und kostensparender Gas-Antrieb (LNG) für ihn die Zukunft. "Das bekommen wir aber nicht alleine hin." Die Infrastruktur mit Tankstellen fehlt.

Von solchen Branchenproblemen bekommen Fahrgäste an Bord gemeinhin nichts zu spüren. Geöffnete Cabrio-Dächer bei Sonnenwetter versprühen Sommerfeeling, zugezogen schützen sie an trüben Tagen vor Regen- und Spritzwasser. "Den besten Blick auf Hamburg gibt es vom Wasser aus", daran lässt der Abicht-Manager keinen Zweifel. Der Kapitän leitet heute den Familienbetrieb, der 1926 mit seiner ersten Barkasse in Dienst ging. Für nächstes Jahr soll ein weiteres Schiff in Planung gehen.

Stillstand gibt's hier nicht. Und auch nicht beim Wettbewerber Barkassen-Meyer. Dessen "Gerda 2" wartet bei der Feltz-Werft auf ihre Modernisierung. Sie soll verlängert werden, "um mehr Kapazität zu haben", wie Eigentümer Hubert Neubacher der Deutschen Presse-Agentur berichtete. Wie viele Touristen bei ihm an Bord gehen, nein, diesen Zählaufwand treibt er nicht. "Ich bin froh, wenn es läuft." Die Geschäfte in den vergangenen beiden Jahren waren nach seinen Angaben "relativ gut", konkrete Umsatzzahlen verrät auch er nicht.

Setzte Firmengründer Bernhard Meyer seine erste Barkasse namens "Pudel" 1919 noch für Hafentransporte und Schlepparbeiten ein, nehmen auch die Meyer-Schiffe heute ausnahmslos Touristen mit. Und weil immer mehr aus dem Ausland nach Hamburg kommen, liegt Neubacher sein Sprachangebot an Bord am Herzen. "Wir haben zwar Englisch im Programm, aber wir müssen das stärker live hinbekommen." Derweil soll englischsprachigen Touristen eine GPS-gesteuerte App entlang der Hafenkante weiterhelfen.

Bei den unzähligen Elbtouren lief in vergangenen Jahrzehnten nicht immer alles glatt, Chroniken verzeichnen auch Unfälle. Das schwerste ereignete sich 1984, als 19 Menschen im Hafen ertranken. Ein Schleppzug rammte und überfuhr die für eine Geburtstagsfeier gecharterte Barkasse. Danach mussten die Reedereien in die Sicherheit und Stabilität ihrer Schiffe investieren, wie Berg erzählte. Weitaus glimpflicher ging die Kollision der Barkasse "Irma 2" mit 36 Rentnern aus Flensburg an Bord mit dem Schlepper "Jörn" im Juni 2016 aus. 25 Ausflügler wurden verletzt. Beiden Schiffsführern drohen noch Strafbefehle über Geldstrafen - wegen Gefährdung des Schiffsverkehrs und fahrlässiger Körperverletzung (AZ: 218 Cs 21/16).

Dem Publikumsmagneten Ausflugsfahrt haben solche Fälle über die Jahrzehnte wenig anhaben können. Mehr als zwei Dutzend Anbieter werben um Mitfahrer für ihre mindestens 100 Boote. Für dieses Jahr sind die großen Betreiber nicht bange: Zuwächse im Stadttourismus sind prognostiziert, und das endlich fertige Wahrzeichen an der Wasserkante, die Elbphilharmonie, wollen viele sehen. So dürfte es 2017 wieder tausende Touristen an die Landungsbrücken ziehen, wo es oft schon von weitem schallt: "Hafenrundfahrt! Hier Fahrkarten für die Hafenrundfahrt!"

dpa

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