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Guadeloupe: Würgefeige und afro-karibische Seele

Tourismus Guadeloupe: Würgefeige und afro-karibische Seele

Kaffeeplantagen und Rum: Guadeloupe in der Karibik gehört zu Frankreichs schönsten Inseln. Doch noch heute spiegeln Landschaft und Kultur die Geschichte tausender Sklavenschicksale wider.

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Die Insel Gouadeloupe bietet für Naturtouristen viele spannende Erlebnisse. Das Eiland gehört zu Frankreich.

Quelle: dpa-infografik

Pointe-à-Pitre. Abgetretene Steinstufen führen hinauf zu einem Platz, auf dem heute die weiß getünchte Kirche von Petit-Canal thront. Hier wurden früher Sklaven für die Arbeit auf den Zuckerrohr- und Kaffeefeldern der weißen Plantagebesitzer verkauft.

Les marches des esclaves, die Stufen der Sklaven, wird die Treppe genannt. Man sagt, die Leibeigenen hätten die 49 Stufen erbaut. "Das beruht auf einer Legende, denn die Geschichte der Sklaverei basiert auf mündliche Überlieferungen der Abkömmlinge", erklärt Marie Moutou.

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Das Fort Delgrès wurde von den Franzosen sternenförmig angelegt - es wurde zur Verteidigung gegen die Engländer genutzt. Benannt ist die Festung nach dem Freiheitskämpfer Louis Delgrès.

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Marie ist Reiseführerin und wohnt in Petit-Canal, einer Kleinstadt im Norden von Grande-Terre, einer der beiden Hauptinseln von Guadeloupe. Sie bildet den östlichen Flügel des französischen Überseedepartements mitten in der Karibik, das zusammen mit Basse-Terre, dem westlichen Flügel, die Umrisse eines Schmetterlings darstellt. Beide werden nicht nur durch die Brücke Pont de la Gabarre verbunden, sondern auch durch die Sklavenroute Route de l'esclave.

Der Handel mit Sklaven aus Afrika erreichte vor allem unter den Franzosen, die 1635 Guadeloupe kolonialisierten, seinen Höhepunkt. "Ab 1640 führten die Franzosen für ihre Plantagenwirtschaft massiv Sklaven ein", erzählt Marie. Guadeloupe zählt gut 400 000 Einwohner, 90 Prozent sind Schwarze und Mulatten.

Von der Kirche aus schweift der Blick geradeaus auf einen kleinen Hafen. Fischerboote schaukeln an den Stegen. Inmitten dieser Idylle aus Mangobäumen, roten Bougainvillea und dem glitzernden Meer fällt es schwer, sich vorzustellen, dass hier einer der bedeutendsten Umschlageplätze für Sklaven war.

Am Fuß der Marches des esclaves erhebt sich auf einem Steinsockel eine riesige "Ka", eine Handtrommel, auf der die Ewige Flamme für den unbekannten Sklaven brennt. Das Denkmal wurde 1994 anlässlich der 200. Jahresfeier zur Abschaffung der Sklaverei in den französischen Kolonien am 4. Februar 1794 errichtet. Die "Ka" ist afrikanischen Ursprungs und hat sich auf Guadeloupe bis heute erhalten. "Die Klänge und Rhythmen der Handtrommeln waren lange verrucht", sagt Marie. Heute sei die Musik die Seele Guadeloupes, erzählt Marie.

In Petit-Canal ist die Geschichte des Menschenhandels allgegenwärtig - auch wenn allmählich die Natur von ihr Besitz ergreift. Die nur wenige Meter weiter liegende Ruine ist das Überbleibsel eines Sklavengefängnisses. Die Gemäuer, um die sich die kräftigen Wurzeln einer uralten Würgefeige legen, stehen seit 1991 unter Denkmalschutz.

Die Route de l'esclave führt auf der Nationalstraße N1 weiter nach Basse-Terre und über den nur 50 Meter breiten Meeresarm Rivière Salée. Das Ziel: Fort Louis Delgrès. Es erhebt sich auf einem Felsvorsprung an der Südspitze von Basse-Terre. Errichtet wurde das massive Bauwerk aus dem 17. Jahrhundert zur Verteidigung der Franzosen gegen die Engländer. Delgrès ist der Nationalheld der Insel. Überall stehen Büsten des Widerstandskämpfers, der gegen die Wiedereinführung der Sklaverei kämpfte.

An das Schicksal der rund 300 000 Sklaven, die bis Mai 1848 nach Guadeloupe gebracht wurden, erinnert in der Hauptstadt Pointe-à-Pitre das neue "MémorialACTe". Das im Juli 2015 eröffnete Museum wurde auf dem Gelände errichtet, auf dem einst die größte Zuckerrohrfabrik der Insel stand - und einer der größten Sklavenbetriebe.

dpa

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