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Kleine Dörfer und großer Klang - Orgeln in Ostfriesland

Tourismus Kleine Dörfer und großer Klang - Orgeln in Ostfriesland

"Am besten nehmen Sie auf einer Bank in der Kirchenmitte Platz", rät Organistin Jutta Tammeus den Besuchern der Rysumer Dorfkirche. Dort sei das Hörerlebnis am besten.

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Organist Ludolf Heikens bedient im Organeum in Weener die Kabinett-Orgel aus Emden aus dem Jahr 1790.

Quelle: Bernd Meier

Rysum. Über enge, knarrende Stiegen steigt die Musikerin zur Orgel hinauf und bringt das mehr als 550 Jahre alte Musikinstrument zum Erklingen. "Mit unserer Orgel hüten wir einen Schatz." Die Rysumer Orgel ist die älteste unter den mehr als 300 Orgeln in

Ostfriesland und der benachbarten niederländischen Provinz Groningen. "Mit ihren sieben Registern ist sie auch heute noch voll bespielbar und damit sogar eine der ältesten Orgeln weltweit", erklärt die Musikerin.

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Zu sehen sind einige der 33 Register der Orgel in der Dorfkirche von Midwolda bei Groningen.

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Um das Jahr 1442 wurde die Orgel mit ihrem gotischen Pfeifenwerk in einer Groninger Werkstatt gebaut, das genaue Baujahr liegt heute im Dunkeln. Belegt ist nur die Bezahlung des Instrumentes: mit "vette Beeste", also wohlgenährten Rindern. Die wohlhabenden Rysumer Marschenbauern verschifften ihre Tiere zum Markt nach Groningen und konnten sich mit dem Verkaufserlös ihre Orgel leisten.

Rysum ist keine Ausnahme im fruchtbaren Marschenland hinter der ostfriesischen Küste: Vom 15. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts zeigten die Bewohner ihren Wohlstand in der prunkvollen Ausstattung ihrer Dorfkirchen. "Ostfriesland gilt als reichste Orgellandschaft der Welt. Bei uns ist die historische Orgel in einer Kirche der Normalfall", sagt Winfried Dahlke, Direktor der Orgelakademie Organeum in Weener.

Musiker aus aller Welt kommen zur Fortbildung ins Organeum. Gruppen von Orgelfreunden starten von hier aus zu musikalischen Exkursionen in die viele Jahrhunderte alten, trutzigen Dorfkirchen. "England, Frankreich und Italien liegen bei uns ganz nah beieinander - orgelhistorisch betrachtet. Zwischen Rhede und Jemgum sind wir auf der kleinen europäischen Orgelstraße unterwegs", erzählt Heikens.

Da steht in der Georgskirche von Weener die Orgel aus der Werkstatt des berühmten norddeutschen Orgelbauers Arp Schnitger von 1710. In der Kreuzkirche des Nachbardorfes Stapelmoor erklingt eine französische Orgel, die nach dem Vorbild des Orgelbauers Louis-Alexandre Clicquot von 1734 erbaut wurde. Im Dorf Jemgum ertönt eine englische Orgel von 1844, sie gehörte einst dem Bürgermeister von London. Und nur ein paar Autominuten südlich, schon im Emsland, lauschen Orgelfans in der Alten Rheder Kirche den feinen Klängen einer italienischen Orgel aus dem 18. Jahrhundert, die wohl von dem sizilianischen Orgelbauer Fabrizio Cimino stammt.

Zahlreiche Orgelkonzerte finden in den Dorfkirchen zwischen Ostern und Oktober statt. Ein Höhepunkt in der Region ist der

Krummhörner Orgelfrühling. Das Festival vom 2. bis 7. Juni unterstreicht die Bedeutung der einzigartigen Orgellandschaft.

dpa

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