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Zerstörtes Paradies: Was Terrorangst mit Urlaubern macht

Tourismus Zerstörtes Paradies: Was Terrorangst mit Urlaubern macht

Terror, Anschläge, Tote. Das sind Reizworte, die Urlauber in Alarmstimmung versetzen. Nach Paris und Brüssel ist die Angst groß. Das ist nachvollziehbar - aber muss das so sein?

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Jürgen Kagelmann aus München ist Diplom-Psychologe, Tourismusexperte und Buchautor.

Quelle: Mike Kreiten

München. Erst Paris, dann Istanbul und jetzt Brüssel. Der Terror erschüttert Europa - und auch Urlauber. Viele fragen sich: Wo ist man eigentlich noch sicher? Das ist verständlich. Und doch eine etwas verzerrte Wahrnehmung.

Wie sie entsteht, erklärt der Tourismuspsychologe und Buchautor Jürgen Kagelmann aus München im Interview mit dpa-Themendienst.

Ist es verständlich, als Urlauber Angst vor Terror zu haben?

Dass viele Menschen momentan Angst haben, kann man verstehen. Die mediale Berichterstattung ist so groß, dass man dem Thema nicht mehr entkommt. Aber es wird gegenwärtig zu Recht betont, dass die Gefahr, Opfer eines Terroranschlags zu werden, immer noch sehr gering ist. Es ist viel wahrscheinlicher, auf Reisen mit einem Bus tödlich zu verunglücken, als Opfer eines Anschlags zu werden.

Warum ist die Angst vor Terror dann trotzdem so groß?

Der Urlaub wird ganz bewusst als eine Auszeit weit weg von zu Hause wahrgenommen, quasi als paradiesischer Zustand. Diese Idee vom sorglosen Urlaub wird durch Anschläge zerstört. Das verstört die Menschen, sie werden unsicher und halten sich mit dem Buchen zurück. Alltagsrisiken wie den Verkehr nimmt man dagegen nicht so ernst, weil man denkt, dass die zum Leben dazugehören. Und es gibt die Illusion, dass man gegen solche Risiken selbst etwas tun kann. Bei Terror ist das anders. Da fühlt man sich ohnmächtig.

Spielt dabei eine Rolle, dass man sich gegen Anschläge praktisch überhaupt nicht wehren kann?

Ja, das ist die Heimtücke des Terrors. Der Verlust der Kontrolle über Dinge führt zu Angst. Eigentlich fühlt man sich vor allem hilflos. In der Psychologie nennen wir das gelernte Hilflosigkeit: Man lernt, dass man nichts tun kann. Das führt bei vielen dazu, sich eher zurückzuziehen und zu Hause zu bleiben. Oder jedenfalls die Reiseentscheidung länger aufzuschieben.

Die Reiseveranstalter argumentieren interessanterweise genau andersherum: Nirgendwo sei man mehr sicher - also was soll's?

Das ist ein sehr schwaches, banales Argument. Und es ist auch falsch. Die Konsequenz wäre ja, dass man komplett zu Hause bleiben müsste. Dabei kommt es auf die Wahrscheinlichkeiten an. Es gibt viele Reiseziele, wo die Terrorgefahr sehr gering ist. Denn in der Logik der Terroristen sind Ziele mit vielen Menschenmassen oder Symbolwirkung besonders attraktiv. Wenn man sich von denen fernhält, sinkt auch das Risiko, in einen Terroranschlag zu geraten.

Was kann man Urlaubern denn nun raten?

Der IS will den Tourismus und damit die Wirtschaft schwächen, vor allem in Ländern wie Tunesien und Ägypten. Deshalb müsste es jetzt heißen: Mehr reisen, nicht weniger reisen! Aber das ist natürlich leicht gesagt. Ich kann jeden verstehen, der Angst hat und lieber woanders hinreist.

dpa

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