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DRV-Präsident Fiebig: Zu starke Fixierung auf Reisepreis

Tourismus DRV-Präsident Fiebig: Zu starke Fixierung auf Reisepreis

Verändert sich der Urlaub durch das Internet? Wie müssen Veranstalter reagieren? Und warum boomen Luxusreisen? Antworten gibt DRV-Präsident Norbert Fiebig im Interview.

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Der Preis ist heiß: DRV-Präsident Fiebig fordert, dass die Veranstalter stärker mit Qualität, Sicherheit und Komfort werben, als sich nur auf einen Preis fixieren zu lassen.

Quelle: Markus Scholz

Abu Dhabi. Reisen wird individueller. Gerade jüngere Urlauber informieren sich im Internet und buchen online. Auf der Jahrestagung des Deutschen Reiseverbands (DRV) in Abu Dhabi spricht Präsident Norbert Fiebig über digitale Herausforderungen für die Branche und die unerschütterliche Reiselust der Deutschen:

 

Haben die Krisen in der Welt die Reiselust getrübt?

 

Fiebig: Nein. Die Krisen führen nur zu einer Verlagerung der Urlaubsziele. Sie führen in den wenigsten Fällen dazu, dass Urlauber auf die schönsten Wochen des Jahres verzichten. Wir hatten zum Beispiel in Ägypten starke Rückgänge, im Gegenzug dazu hatten die Kanarischen Inseln enorme Zuwächse.

 

Tui hat das Motto "Die Masse wird individuell" ausgerufen. Sehen Sie das auch so?

 

Fiebig: Wenn wir uns die Reisemotive anschauen, dann sind die nicht so wahnsinnig individuell. Die meisten Urlauber wollen Sonne, schönes Wetter, oft einen Strand, Ruhe und einen Tapetenwechsel. Individualisierung betrifft eher die Zusammenstellung der Reise: Die Vielfalt an Reiseangeboten hat sich enorm erweitert und wird damit spezielleren Wünschen gerecht.

 

Wie müssen die Veranstalter reagieren?

 

Fiebig: Auch Reiseveranstalter kombinieren Bausteine, die vielleicht nicht dem Standard entsprechen. Es gibt aber eine "Falle", aus der wir nicht herauskommen: die hohe Preissensibilität der Kunden. Sich eine Reise im Internet selbst zusammenzustellen, ist von dem Wunsch getrieben, möglichst günstig das zu bekommen, was man haben möchte. Das führt zu einem großen Wettbewerbsdruck. Die Veranstalter müssen sehr viel stärker mit der Qualität, der Sicherheit, dem Komfort werben, als sich nur auf einen Preis fixieren zu lassen.

 

Versuchen die Veranstalter, sich ständig zu unterbieten?

 

Fiebig: Das haben wir ganz stark. Heute fällt eine Entscheidung für eine Reise wegen 10 Euro Preisunterschied. Diese 10 Euro hat der Urlauber am ersten Abend dreimal in der Kneipe ausgegeben. Solche kleinen Preisunterschiede werden überbewertet.

 

Wofür braucht der Kunde heute noch den Veranstalter?

 

Fiebig: Der Urlauber hat mit dem Veranstalter einen Partner, der auch im Krisenfall entsprechend reagieren kann, der bei Schwierigkeiten vor Ort mit eigenem Personal zur Verfügung steht. Das ist das Argument für die Pauschalreise, das wir noch stärker in den Köpfen der Kunden verankern müssen. Und die Qualität der persönlichen Beratung findet man im Internet nicht.

 

Bei Tripadvisor machen sich Urlauber durch die Menge an Laienbewertungen ein Bild. Ist das eine Alternative?

 

Fiebig: Wenn besonders viele Kommentare abgebildet werden, ist das eine einigermaßen verlässliche Orientierung. Die Meinung anderer wird die Kaufentscheidung in Zukunft stärker beeinflussen. Ich persönlich nutze solche Kanäle auch, aber ich schaue mir nur die negativen Kommentare an und frage mich dann: Würde mich das stören?

 

Der Trend zu teuren Reisen hat sich verstärkt.Gibt es in diesem Segment bald eine Sättigung?

 

Fiebig: Nicht unbedingt. Die geburtenstarken Jahrgänge rutschen ins Rentenalter und haben Zeit und Geld, das sie ausgeben können. Vielleicht sind viele auch nicht so ermuntert zu sparen wegen der allgemeinen Unsicherheit oder weil sie nur ein Prozent Zinsen kriegen. Viele nehmen sich da vielleicht lieber ein Hotel, das einen Stern mehr hat, oder bleiben zwei Tage länger.

 

Auf der anderen Seite nimmt die Jobunsicherheit gerade bei jungen Menschen zu. Haben Sie Sorgen, dass sich das langfristig auf die Reiselust auswirken könnte?

 

Fiebig: Im Moment habe ich da wenig Sorge. Was die Arbeitsmarktdaten angeht, stehen wir so gut da wie selten zuvor. Aber man muss sich fragen, wie lange Deutschland diese Inselposition behält. Wenn unsere Kunden Angst haben, ihren Job zu verlieren, könnte das zu Buchungszurückhaltung führen. Aber das Beispiel der Wirtschaftskrise 2009 zeigt: Trotz Ängsten vor Arbeitslosigkeit verreisten die Deutschen - allerdings mehr in Europa und Deutschland als zu exotischen Zielen.

 

Was wird in zehn Jahren an einer Reise komplett anders sein als heute?

 

Fiebig: Ich glaube, nichts Wesentliches. Aber die Anforderungen an die Reisebüros werden steigen. In zehn Jahren werden mittelmäßige Berater sicher weniger Akzeptanz finden als heute. Die Lücke zwischen dem Wissen, das der Kunde selbst mitbringt, und dem Wissen des Reisebüros wird kleiner. Die Reisebüros werden einen Mehrwert bieten müssen. Was sich nicht verändern wird, sind die liebsten Reiseziele und Urlaubsmotive. Die werden auch in 20 Jahren nicht anders sein.

dpa

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