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Zeig mir dein Kostüm und ich sag dir, wer du bist!

Mode Zeig mir dein Kostüm und ich sag dir, wer du bist!

An Karneval in sexy Polizei-Uniform, im Alltag ein Spießer: Wer bislang im Narrenkostüm seine Identität vertuschen wollte, hat Pech gehabt. Ein Psychologe erklärt, was das Kostüm über den Träger sagt.

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Als was gehst du? Nach Ansicht von Psychologe Ralf Schmiel spiegeln Kostüme den Charakter ihres Trägers.

Quelle: Federico Gambarini

Essen. Kleider machen Leute - das gilt auch an Karneval. Wer bislang als prunkvolle Prinzessin protzte oder als fromme Nonne durch die Straßen zog, verrät seine geheimen Sehnsüchte, sagt Psychologe und Motivationsexperte Ralf Schmiel aus Essen. In einer Studie hat er vor einigen Jahren einen Blick hinter die Maske geworfen. Ob klassisch, modern oder gewagt: Das Kostüm sieht er als Spiegel des Charakters.

 

Der Klassiker : Alle Jahre wieder gehen sie über die Ladentheken der Kaufhäuser wie frische Brötchen. "Jeder schreit nach Piraten und Co", sagt Jürgen Wirtz, Abteilungsleiter der Spiel- und Karnevalsabteilung der Galeria Kaufhof in Köln. Cowboy und Indianer gehen immer. Die Klassiker, wie sie Schmiel nennt, landen vor allem in den Einkaufstüten der Konservativen. Experimentierfreudig? Eher Fehlanzeige. "Die Träger wollen kein Risiko eingehen und haben ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis", sagt der Psychologe.

 

 

Der Moderne : Karnevalisten, bei denen im Alltag das Smartphone hinter dem Ohr klemmt oder der Laptop in der Tasche steckt, verspüren bei Säbel und Colt wohl eher gähnende Langeweile. Stattdessen verkleiden sie sich im digitalen Zeitalter lieber als Handy, oder tragen blinkende Apps auf der Brust - passend dazu lautet das Motto der diesjährigen Karnevalsaison in Köln "social jeck - kunterbunt vernetzt". Aus Sicht des Psychologen signalisieren solche Narren vor allem "Ich bin up to date". Trendsetter seien sie allerdings weniger. "Sie schwimmen nur auf der Welle mit", sagt Schmiel. "Wer sich dafür entscheidet, sieht in der Regel eine Herausforderung oder sogar Überforderung mit den neuen Medien."

 

 

Der Gewagte: Überfordert sind bei diesem Trend wohl eher die anderen: Wer mit üppigem Busen prahlt oder seinen nackten Oberkörper zur Schau stellt, hat Schmiel zufolge exhibitionistische Tendenzen. Hoch im Kurs stehen kurze Röcke und tiefe Ausschnitte trotzdem. "Egal ob sexy Polizist oder sexy Bienchen, sowas kommt immer gut an", sagt Uta David vom Kostüm-Ausstatter Schlaudt in Koblenz. Auch Wirtz sagt: "Je kürzer, desto besser." Hinter der Maske stecken aber nicht nur offenherzige Menschen, sondern vor allem die Verklemmten. "Gerade diejenigen trauen sich dann ausnahmsweise, zu Karneval diese Facette zu leben", sagt Schmiel.

 

 

Der Historiker: Früher war alles besser! Wer an Karneval, Fasching oder Fastnacht als Knecht, Magd oder Baron durch die Straßen zieht, sehnt sich nach einer "glorifizierten Scheinwelt mit dem schönen Happy End", sagt Schmiel. Besonders Träumer flüchten dem Psychologen zufolge im historischen Kostüm in die "gute alte Zeit". Je belastender der Alltag, desto intensiver werde dann gefeiert.

 

 

Der Politische: Träumen ist für den politischen Kostümierten der Nacht vorbehalten. Mit seinem Kostüm setzt er sich mit dem aktuellen Weltgeschehen auseinander und versteckt sein Gesicht hinter Merkel- und Obama-Masken. "Diese Menschen wollen eine Botschaft senden und ihr politisches Mitteilungsbedürfnis ausdrücken", sagt Schmiel. Aber auch hier gebe es zwei Typen: die Lauten, die immer ihre Meinung sagen - und die Schüchternen, die sich nur im Kostüm trauen, den Mund aufzumachen.

 

 

Der Individualist: Der Hut aus der Bastelabteilung, das T-Shirt vom Nachbarn und die Piratenklappe aus der Vorsaison: Der "Do-it-Yourself"-Trend ist auch unter Karnevalisten immer beliebter, sagt David. Narren, die selbst Hand anlegen, haben in den Augen von Schmiel Mut und eine starke Persönlichkeit. Sie seien außerdem kreative Menschen, die sich gerne auf Spielsituationen und andere Welten einlassen. "Dafür wollen sie dann aber auch Anerkennung", sagt der Psychologe.

 

 

Der Schöne: "Wer zu Karneval geht, will immer schön sein", sagt Wirtz. Glitzer und Glamour seien beliebt - besonders unter schönen und prunkvollen Narren. Die würden für ihr Kostüm auch gerne mal tiefer in die Tasche greifen. Wer sich mit venezianischen Masken, opulenten Kleidern und glitzernden Juwelen schmückt, will um Anerkennung und Aufmerksamkeit buhlen, sagt Schmiel: "Das sind oft Menschen mit einem narzisstischen Persönlichkeitsstil. Sie wollen zeigen, dass sie viel Geld ausgeben und ihren sozialen Status nach außen tragen."

dpa

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