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Sonnenhut statt Wintermantel - Wetter mischt Modebranche auf

Mode Sonnenhut statt Wintermantel - Wetter mischt Modebranche auf

Sonnenbrillen laufen der Winterbekleidung Anfang November den Rang ab, die Einzelhändler bleiben auf wärmenden Waren sitzen. In den Bilanzen hinterlässt das Wetter erste Spuren.

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Noch bleiben die Modeunternehmen auf ihrer Winterkleidung sitzen. Sie hoffen auf kalte Temperaturen und das Weihnachtsgeschäft.

Quelle: Andreas Gebert

Frankfurt/Metzingen. Sonne und Temperaturen von bis zu 20 Grad Anfang November mögen die Bundesbürger freuen - der Modebranche treiben diese Wetterkapriolen den Schweiß auf die Stirn. In den Regalen stapeln sich dicke Pullover und Mäntel, doch die Kunden bleiben aus. Die Händler hoffen nun auf den baldigen Wintereinbruch - oder zumindest auf das Weihnachtsgeschäft.

Der Bundesverband des Deutschen Textilhandels (BTE) zeigt sich allerdings skeptisch, dass die Vorjahresumsätze 2014 übertroffen werden können. "Der September lief schon nicht toll, und der Oktober war eine reine Katastrophe", sagt BTE-Sprecher Axel Augustin. Nach ersten Berechnungen des Verbandes beläuft sich das Umsatzminus für die ersten zehn Monate des Jahres auf zwei Prozent. "Das werden wir wohl nicht mehr aufholen können." Augustin schließt nicht aus, dass die ersten Händler bereits im November und damit früher als sonst die Preise senken könnten.

Das freut die Verbraucher. Bei den großen Modeunternehmen, die derzeit ihre Bilanzen offenlegen, zeigen sich jedoch die ersten Spuren. Mit Hugo Boss und Gerry Weber kappen gleich zwei MDax-Konzerne ihre Jahresprognosen. Gerry Weber berichtet von einer rückläufigen Kundenfrequenz in den Innenstädten und geht nun von weniger Umsatz und Gewinn in seinem Geschäftsjahr aus. Und auch der Metzinger Edelschneider Hugo Boss meldet, dass die Wachstumsdynamik in allen Regionen in den vergangenen Wochen nachgelassen hat - insbesondere im eigenen Einzelhandel. Der global agierende Konzern, dem natürlich auch Konjunktursorgen in Europa oder die Unsicherheiten in Asien zu schaffen machen, schätzt seine Gewinnaussichten für das laufende Jahr nun pessimistischer ein.

Die Menschen seien derzeit nicht unbedingt in Kauflaune, sagt eine Unternehmenssprecherin. Das habe mit Faktoren wie beispielsweise dem Konflikt zwischen Russland und der Ukraine zu tun - im deutschen Einzelhandel aber auch mit dem warmen Wetter. Diesem Einfluss könne sich auch Hugo Boss nicht entziehen, das wie viele Modeunternehmen Produzent und Händler ist. Ende September betrieben die Schwaben weltweit rund 1000 eigene Läden und beschäftigten etwa 12 600 Mitarbeiter.

Bei den Modeketten Esprit und Tom Tailor wurden ebenfalls weniger Herbst- und Winterartikel als erwartet verkauft. "Esprit war wie die gesamte Textilbranche von den witterungsbedingt schlechten Umsätzen betroffen", berichtet ein Sprecher. In Deutschland, dem wichtigsten Markt des chinesischen Unternehmens mit Zentralen in Ratingen und Hongkong, sei diese Entwicklung besonders deutlich gewesen. Besondere Rabatt-Aktionen habe es bis September dennoch keine gegeben.

Auch Tom Tailor berichtete bereits Mitte Oktober von schwierigen Monaten, in denen sich das Unternehmen aber noch "vergleichsweise gut geschlagen" habe. "Wichtig ist für uns jetzt der weitere Verlauf des vierten Quartals", sagt Tom-Tailor-Chef Dieter Holzer. Der Hamburger Bekleidungskonzern hat nach eigenen Angaben weltweit 6500 Mitarbeiter, 4200 davon in Deutschland.

Aber nicht nur beim Kauf von Mänteln und Co. zeigen sich die Kunden in diesem Jahr zurückhaltend. "Der Schuheinzelhandel spürt den Einfluss des Wetters sehr wohl", sagt der Geschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Schuheinzelhandels, Siegfried Jacobs. Betroffen seien alle Betriebsformen - auch der Online-Handel. Frühe Rabatte als Lockmittel soll es aber keine geben, denn: "Der Winter kommt bestimmt", sagt Jacobs.

Schnee und Kälte dürften damit bei den Händlern ausnahmsweise mit auf der Wunschliste stehen - wie auch die Hoffnung auf ein gutes Weihnachtsgeschäft. Denn auch wenn die Budgets für Geschenke der Wirtschaftsberatung Deloitte zufolge im Vergleich zum Vorjahr geringer ausfallen, wünschen sich vor allem Frauen neben Büchern, Wellness-Produkten und Schmuck auch Kleidung zum Fest.

dpa

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