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Mehr Stoff am Strand: Comeback des Badeanzugs?

Mode Mehr Stoff am Strand: Comeback des Badeanzugs?

Gut, FKK-Liebhaber mal ausgenommen. Aber für viele Frauen beginnt der Sommer oft mit der leicht unangenehmen Frage: Passt das noch? Oder sollte was Neues her? In diesem Jahr erwartet mancher Blogger die Rückkehr des Badeanzugs.

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Diese Badeanzüge waren einmal: Heute kommen die «Schwimmanzüge» moderner und einfallsreicher daher.

Quelle: Stefan Sauer

Berlin. Damen im Einteiler könnten sich also wieder öfter an Pools und Stränden räkeln.

Bisher erinnert der Badeanzug eher an den Schwimmunterricht (das Seepferdchen war bald geschafft) oder schneidige Modelle bei Sportwettkämpfen. "Aber als ich mich durch die Online-Shops wühlte, habe ich mich wieder in den Badeanzug-Look verliebt", schreibt nun zum Beispiel eine Bloggerin der Fashion-Seite "

LesMads".

 

Schwarz und schulterfrei sieht man öfter in den Läden, aber auch bunte Blockmuster oder farbige Drucke. Viele Modelle haben Ausschnitte zum Beispiel an Bauch, Rücken oder Seiten. Eingearbeitet sind Reißverschlüsse, Schleifen, Rüschen. Beim Badeanzug geht plötzlich mehr als gedacht, hat man den Eindruck.

Eine Gemeinsamkeit hatte der Einteiler bislang mit dem Unterhemd: Er wird von kleinen Mädchen getragen und von Frauen ab einem gewissen Alter (der Badeanzug "verhüllt einiges gnädig", heißt es in einem Forum für 60plus). Jetzt soll er wieder für alle en vogue sein, doch bei der Wahl des Modells kann man einiges falsch machen. Große Ausschnitte in der Taille? Oder durchsichtige Netzeinsätze?

Dafür hätte man 1907 gewaltigen Ärger bekommen. Die australische Schwimmerin Annette Kellermann trug damals einen eng anliegenden Badeanzug - vor Publikum! Und wurde schon dafür in den USA wegen "Erregung öffentlichen Ärgernisses" festgenommen.

Lange Zeit mussten Damen nämlich bedeckt ins Wasser - früher im richtigen Badekleid mit Korsett, Unterwäsche und Strümpfen. "Teilweise mit Gewichten, damit auch ja nichts nach oben schwimmt", sagt Kulturwissenschaftlerin Hannah Waldorf von den Römerthermen Zülpich, einem Museum für Badekultur in Nordrhein-Westfalen.

Bademode sagt viel über die Gesellschaft und ihre Zeit. Als in den 1930ern Schwimmtrikots immer knapper wurden, griff die Politik in der Weimarer Republik durch. Der sogenannte

Zwickelerlass regelte, wie tief ein Badeanzug ausgeschnitten sein durfte. Übrigens: Regeln gab es auch für Männer.

 

Heute sind wir von staatlichen Vorgaben weit entfernt. Jeder kann hierzulande selbst entscheiden zwischen knappem Bikini oder verhüllendem Burkini für streng gläubige Musliminnen. Der Badeanzug liegt - zumindest gemessen an der Menge des verwendeten Stoffs - irgendwo dazwischen.

Den Trend zum Einteiler loben Modeliebhaber immer mal wieder aus. Frau kann langsam wieder mehr Stoff tragen, heißt es dann. Jetzt trägt auch Sängerin Beyoncé in ihrem neuen Video einen in Rot. Aber ob das schon einen Trend macht? Verschwunden war der Badeanzug nie wirklich, wie Kulturwissenschaftlerin Waldorf erklärt.

Jede zweite Frau wollte sich laut einer Studie vor einigen Jahren für einen Badeanzug entscheiden. Auch die Leiterin des Museums in Zülpich, Iris Hofmann-Kastner, gibt bei der Trenddiskussion zu bedenken: Wenn man die alternde Bevölkerung betrachte, werde in Zukunft wohl noch häufiger zum Badeanzug gegriffen.

Die großen Stars vergangener Jahrzehnte haben schon gezeigt, was in dem Einteiler stecken kann. Marilyn Monroe posiert im engen Modell, Elizabeth Taylor auch. In den 1960er ist schulterfrei beliebt - damit man auch im Abendkleid gebräunt aussieht, wie Waldorf sagt. In den 1970ern kommen dann Muster. Und es wird gehäkelt. Auch Badekleidung.

Insgesamt sind die Jahrzehnte ein Siegeszug für den Bikini. Möglichst klein und aufreizend soll er sein, im Freibad ist oft nicht mehr viel Stoff zu sehen. In den 1990ern erlebt dann auch der Badeanzug ein kleines Comeback: mit einem hohen Beinausschnitt, wie man ihn von Pamela Anderson aus der Fernsehserie "Baywatch" kennt. Den Retro-Look sieht man aber auch heute manchmal wieder.

Es ist ein Auf und Ab mit dem Einteiler. Das gilt nicht nur für Frauen, sondern auch für Herren. Auch die gingen ursprünglich im Badetrikot schwimmen. Und wer heute eine moderne, wenn auch fragwürdige Variante sehen will, googelt den Begriff "Mankini". Da kann man auch gleich nackt baden gehen.

dpa

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