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Opel GT: Der Traum vom Fliegen geht weiter

Verkehr Opel GT: Der Traum vom Fliegen geht weiter

"Nur fliegen ist schöner" - mit diesem Werbeslogan hat sich der Opel GT ins kollektive Gedächtnis der 60er und 70er Jahre gebrannt. Fast genau 50 Jahre nach dem Debüt der ersten Studie, nähren die Hessen jetzt mit einem neuen Schaustück die Hoffnungen auf ein Comeback.

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Hebelwirkung mit Erleuchtung: Mit diesem Hebel kann der GT-Pilot die Scheinwerfer in Position bringen. Foto: Thomas Geiger

Rüsselsheim. Für Erhard Schnell war es fast so etwas wie ein Deja-vu-Erlebnis: Als der 88-jährige Designer vor ein paar Wochen über den Genfer Salon gebummelt ist, dürfte ihm die Situation jedenfalls vertraut vorgekommen sein.

So wie sich diesmal die kleine Sportwagenstudie Opel GT Concept gegen den 1103 kW/1500 PS starken Bugatti Chiron behaupten konnte, so hat vor fast genau 50 Jahren auf der IAA im September 1965 in Frankfurt schon einmal ein Opel der versammelten PS-Elite die Schau gestohlen - und zwar einer aus Schnells Feder. "Nachdem wir jahrelang nur Brot- und Butter-Autos zeichnen sollten, durften wir jetzt plötzlich einen waschechten Sportwagen auf die Räder stellen", erinnert sich der PS-Pensionär.

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Cockpit mit Sportwagenflair: Getunnelte Rundinstrumente und tief geschüsseltes Lenkrad. Foto: Thomas Geiger

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Während vom neuen GT bislang nur ein einziges Exemplar existiert, hat Opel die Schnell-Studie Experimental GT von 1965 nach Angaben von Classic-Sprecher Uwe Mertin bis 1968 zur Serienreife entwickelt und danach zu vergleichsweise günstigen Preisen ab 10 767 DM in überraschend großer Auflage gebaut. "Die Summe entsprach damals damit etwa zehn durchschnittlichen Brutto-Monatsgehältern eines Angestellten", haben die Historiker bei Opel ausgerechnet. Nicht zuletzt weil die Amerikaner ganz heiß waren auf die Corvette des kleinen Mannes, liefen laut Mertin in Bochum bis 1973 exakt 103 463 GT vom Band, die nicht umsonst mit dem längst legendären Slogan "Nur Fliegen ist schöner" beworben wurden.

Natürlich bietet mittlerweile der Kleinwagen Opel Adam mehr Leistung als die 66 kW/90 PS des 1,9-Liter-Motors, den sich der GT aus dem Opel Kadett geliehen hatte. Aber bei einem Leergewicht von nur rund 900 Kilogramm, dem Heckantrieb, einer knackigen Schaltung, einer überraschend direkten Lenkung und vor allem ohne besserwisserische Elektronik kommt damit auch heute noch glühende Fahrfreude auf.

Dann kann man erahnen, wie es sich damals angefühlt haben muss, wenn ein Opel in 10,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h gesprintet ist und eine Höchstgeschwindigkeit von 185 km/h erreicht hat. Für einen Opel Rekord aus dieser Zeit war schließlich schon bei 160 Sachen Schluss. Der Mercedes 280 SE 3,5 mit seinem 147 kW/200 PS starken Achtzylinder hatte gerade erst die Schallmauer von 200 km/h durchbrochen.

Wie die Corvette von einer Cola-Flasche inspiriert ist, hatte das Original fast schon laszive Formen und wirkte mit der endlos langen Haube, den weit ausgestellten Hüften und dem wollüstig ausgestellten Kotflügeln fast so wie ein Pin-up-Girl. Der absolute Clou: die glubschäugigen Klappscheinwerfer. Und selbst heute braucht man kein Hanteltraining mehr, wenn man ein paar Mal an dem riesigen Hebel auf dem Mitteltunnel gezogen hat, mit dem man die Seilzüge spannt und die Augen in Längsrichtung aus ihren Höhlen kullern lässt.

Weil die Amerikaner die Sicherheitsanforderungen hochgeschraubt hatten und ein wichtiger Produktionspartner von Opel an Renault verkauft wurde, hatten die Hessen den GT nach fünf Jahren 1973 schweren Herzens gestoppt und sich auf Manta & Co verlegt. Zwar hat Opel schon zweimal versucht, an die Erfolge des GT anzuknüpfen und dabei in den 2000er Jahren mit dem Speedster und dann in den 2010ern mit dem GT Roadster ziemlichen Schiffbruch erlitten. Doch waren das keine eigenen, originären Opel-Entwicklungen, sondern vom Marketing gesteuerte Kooperations- und Konzernprodukte ohne Seele. Schließlich basierte der Speedster auf dem Lotus Elise, und der erste GT war eigentlich ein Saturn aus der amerikanischen GM-Flotte.

Im dritten Anlauf allerdings stehen die Zeichen deutlich besser. Nicht nur weil der Wagen diesmal tatsächlich in Rüsselsheim und vor allem aus eigener Initiative heraus entstanden ist. Sondern auch weil er eine ganz ähnliche Genese hatte wie das Original. Schließlich war das damals auch nur als reines Schauobjekt gedacht, das die Möglichkeiten des neuen Designstudios und die Kreativität der Mannschaft illustrieren sollte, erinnert sich Designer Schnell. "Und dann wurde das Auto auf der IAA so umjubelt, dass wir kaum umhin kamen, es auch in Serie zu bauen." Kein Wunder also, dass Opel jetzt wieder ganz genau hinhört, wie das Publikum auf die Genfer Premiere reagiert und nach Informationen aus Unternehmenskreisen schon eifrig kalkuliert und konstruiert, ob man eine passende Heckantriebsplattform für so einen Sportwagen darstellen könnte.

dpa

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