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Kaputte Bremsen und Co.: Neuer Rekord bei Auto-Rückrufen

Auto Kaputte Bremsen und Co.: Neuer Rekord bei Auto-Rückrufen

Zuletzt hakte es vor allem bei den Airbags. Wegen Sicherheitsmängeln mussten Autobauer laut einer Studie 2014 so viele Fahrzeuge zurück in die Werkstätten holen wie noch nie.

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Rekordjahr bei den Rückrufen: Rund 63 Millionen Autos mussten wegen technischer Mängel in die Werkstatt.

Quelle: Sebastian Kahnert

Stuttgart. Das hat Gründe.

Für Autofahrer ist es ein Alptraum, wenn die Bremsen plötzlich versagen oder sich der Airbag bei einem Unfall nicht öffnet. Wegen solcher und anderer Sicherheitsmängel mussten die Autobauer 2014 einer Studie zufolge so viele Fahrzeuge zurückrufen wie noch nie. Fragen und Antworten:

 

Warum gab es im vergangenen Jahr so viele Rückrufaktionen?

 

Die Statistik nach oben getrieben hat vor allem der amerikanische Hersteller General Motors (GM). Er hatte wegen defekter Zündschlösser mit Massenrückrufen zu kämpfen, nachdem mehrere Autofahrer gestorben waren. Laut der Studie des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach erhöhten auch Probleme des japanischen Zulieferers Takata die Zahlen: Wegen fehlerhafter Airbags des Lieferanten mussten gleich mehrere Autobauer ihre Wagen zurück in die Werkstatt beordern.

 

In welchen Bereichen gab es zuletzt die größten Sicherheitsrisiken?

 

Fast die Hälfte der Mängel lag beim Schutz der Insassen - überwiegend machten dabei die besagten Airbags Probleme. Ein Drittel tauchte zudem bei der Elektrik und Elektronik auf - darunter fallen auch die Zündschlösser von GM. Mehr als jeder zehnte Rückruf lag an Mängeln bei den Bremsen. In etwa sieben Prozent der Fälle war der Motor betroffen.

 

Warum sind bei solchen Problemen gleich massenhaft Autos unsicher?

 

Um Kosten zu sparen und schneller Autos bauen zu können, setzen die Hersteller zunehmend auf gleiche Teile für mehrere Modelle, wie Studienautor Stefan Bratzel erklärt. Das sogenannte Baukastenprinzip hat viele Vorteile - so lange nichts kaputt geht. Macht ein einziges Teil Probleme, trifft es nämlich oft gleich massenweise Autos.

 

Warum gab es zuletzt so viele Probleme bei der Sicherheit?

 

Es klingt paradox: Ein Grund ist Bratzel zufolge der Fortschritt. Die Fahrzeuge seien in den vergangenen 10 bis 15 Jahren technisch immer komplexer geworden. Das führte aber auch dazu, dass sie anfälliger sind. Sicherheitssysteme wie Airbags, die die Insassen ja eigentlich schützen, können so Probleme bereiten, die es ohne sie gar nicht gab.

 

Gibt es noch weitere Gründe?

 

Als Mitursache der steigenden Rückrufquoten gilt auch der zum Teil harte Sparkurs in der Branche. Um Kosten zu drücken, lassen Autobauer sich mittlerweile verstärkt von externen Anbietern beliefern, statt die einzelnen Teile selbst zu fertigen. Die gehäuften Rückrufe sind Bratzel zufolge auch Folge des zunehmenden Drucks auf die Zulieferer: Diese sollen ihre Teile oft schneller und billiger anbieten.

 

Wie stehen die Autobauer bei den Rückrufen im Einzelnen da?

 

Ganz unterschiedlich. Für die CAM-Studie wurden die USA als Referenzmarkt analysiert, weil die Bedingungen für Rückrufe dort besonders streng sind und das Klagerisiko höher ist. Am schlechtesten schnitt demnach GM ab, gefolgt von Chrysler und Honda. Gradmesser dabei ist die Rückrufquote, die die Zahl der Rückrufe ins Verhältnis zu den Neuzulassungen setzt. Sie kann über 100 Prozent liegen, weil häufig auch ältere Modelle betroffen sind. Im Schnitt betrug sie 2014 der Studie zufolge 379 Prozent - ein neuer Höchststand. Besonders gut lief es für den schwedischen Hersteller Volvo, der ganz ohne Rückrufe auskam. Bei GM dagegen belief sich die Quote auf 912 Prozent.

 

Und wie schneiden die deutschen Hersteller ab?

 

Sie kommen in der Gesamtschau vergleichsweise gut weg. Die Rückrufquote von BMW blieb mit 227 Prozent nahezu unverändert, Volkswagen kam auf 161 Prozent. Daimler zählte mit einer Quote von 76 Prozent zu den qualitätsstärksten Herstellern. Konkrete Zahlen über Rückrufe in Deutschland liegen dem Kraftfahrtbundesamt (KBA) für 2014 nach eigenen Angaben zwar noch nicht vor. Bereits im Vorjahr war die Zahl hierzulande aber leicht gestiegen.

dpa

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