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Autobauer dringen in Motorradbranche vor

Auto Autobauer dringen in Motorradbranche vor

Was für vier Räder funktioniert, könnte sich auch für zwei lohnen: Das Motorradgeschäft wird für Autobauer zunehmend interessant - etwa wenn es um Mobilität in Städten oder neue Technologien geht.

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Autobauer Daimler entwickelt nun auch schwere Zweiräder.

Quelle: Bernd Weißbrod

Stuttgart. Mehr Hubraum, mehr Leistung und mehr Drehmoment: So beschreibt der italienische Motorradbauer MV Agusta sein Modell mit dem vielsagenden Namen "Brutale". Mit den Limousinen des Autobauers Daimler würde die schweren Maschinen auf den ersten Blick wohl niemand in Verbindung bringen. Das dürfte sich künftig ändern: Die Autobranche entdeckt derzeit das Geschäft mit Zweirädern für sich - zuletzt gab Daimler den Einstieg bei MV Agusta über seine Tuning-Tochter AMG bekannt.

"Die Tatsache, dass Daimler nun in den Motorradmarkt einsteigt, liegt sicherlich auch daran, dass viele andere Automobilhersteller auch auf diesem Markt aktiv sind", erklärt Alexander Brenner, der bei der Strategieberatung Roland Berger für die Auto- und Motorradbranche zuständig ist. "Das ist ein sehr spannender Markt. Die Entwicklung, die wir bei Pkw hatten, findet jetzt auch bei Motorrädern statt. Assistenzsysteme und Vernetzung mit dem Internet werden künftig auch auf Zweiräder übertragen."

Auch Daimlers Erzrivalen Audi und BMW sind im Motorradgeschäft aktiv: Die VW-Tochter verleibte sich 2012 die italienische Motorradschmiede Ducati ein, mit der Daimler zuvor zusammengearbeitet hatte. BMW hat längst eine eigene Sparte.

Mit Bosch gab kürzlich einer der weltweit größten Autozulieferer bekannt, stärker auf das Motorradgeschäft zu setzen. "Wir steigen mit unseren neuen Motorrad-Antriebssystemen in einen potenziellen Milliardenmarkt ein", erklärt Rolf Bulander, Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH. Mit einer elektronischen Steuerung der Einspritzung will der Zulieferer unter anderem die Digitalisierung auch ins Zweirad bringen. Nach Einschätzung von Brenner kann Bosch sein Know-How aus dem Autobereich vergleichsweise einfach auf Motorräder übertragen und damit zusätzliche Umsätze machen.

Das Interesse am Motorradgeschäft überrascht Fachleute nicht: "Das Thema E-Mobilität ist auch bei Motorrädern wichtig", sagt Autoexperte Stefan Bratzel von der Hochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach.

Hauptgeschäftsführer Reiner Brendicke vom Industrie-Verband Motorrad (IVM) führt noch einen anderen Grund an: "Das Motorrad ist emotional positiv besetzt", sagt er. "Da wird es für einen Automobilhersteller spannend. Ich glaube, dass es durchaus um eine Image-Aufladung geht."

Auch Daimler hat angedeutet, durch seinen Einstieg bei MV Agusta weitere Kunden gewinnen zu wollen. Die Tuning-Tochter AMG, über die der Deal läuft, will damit auch ihr eigenes Profil als Sportmarke schärfen. Umgekehrt kann MV Agusta von Daimlers weit verzweigtem Vertriebsnetz profitieren und stärker in einzelne Märkte vordringen.

Aber galten Motorräder nicht lange eher als Hobby für reiche Rentner? Tatsächlich war der durchschnittliche Motorradfahrer hierzulande zuletzt um die 50 Jahre alt, wie aus einer Studie des Instituts für Demoskopie und der Motor Presse Stuttgart hervorgeht.

Aber: "Das Motorrad ist für junge Leute im Verhältnis zum Pkw immer noch günstiger und extrem flexibel", erklärt Experte Brenner. Interessante Zielgruppe seien etwa Zweiradfahrer in Ballungsräumen wie China und Indien, wo der Bedarf nach kleinen, wendigen Verkehrsmitteln vergleichsweise hoch sei. Bosch hat beispielsweise sowohl Komponenten für günstigere Zweiräder in Asien als auch für schwere Maschinen in Europa und Nordamerika entwickelt.

Und auch in Deutschland boomte der Markt zuletzt wieder - neuen Führerscheinklassen und überholten PS-Regelungen sei Dank. Nach Angaben des Industrie-Verbands Motorrad stiegen die Neuzulassungen von Januar bis September im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 9 Prozent auf 88 636 Krafträder. Einsteiger dürfen nach einer Neuregelung etwa 48 PS statt 34 PS fahren. Für einen Boom sorgte zudem die Aufhebung der Tempo-80-Beschränkung für die 125er-Klasse.

2013 habe es bei Führerscheinen für sogenannte Leichtkrafträder einen Zuwachs um fast ein Drittel gegeben, sagt IVM-Geschäftsführer Brendicke. Das spreche für ein "deutlich wachsendes Interesse bei jungen Menschen". Generell sei es mit den Motorrad-Erlösen aber ähnlich wie in der Pkw-Branche, schränkt Experte Brenner ein: Kleine Fahrzeuge bedeuteten auch kleinere Gewinne.

dpa

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