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„Wir wollten das Kind, egal, was andere sagen“

Frühförderung Peine „Wir wollten das Kind, egal, was andere sagen“

Als der Arzt die Diagnose Down-Syndrom stellte, standen Iris Gartung-Gorray und ihr Mann Thorsten aus Sophiental vor einer schweren Entscheidung: Sollten sie das Kind bekommen oder abtreiben lassen? Sie entschieden sich für ihren Sohn Lars Peter. Er starb nur wenige Tage nach der Geburt. Die Frühförderung Peine stand ihnen in der schweren Zeit zur Seite.

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Der kleine Lars Peter war nur sieben Tage auf der Welt.

Quelle: privat

Wendeburg-Sophiental . „Bis zur zwölften Schwangerschaftswoche sah es ziemlich gut aus“, erzählt Iris Gartung-Gorray aus Sophiental. „Dann plötzlich waren die Blutwerte schlecht.“ Nackenfaltenmessung und Fruchtwasserentnahme bestätigten die Vermutung: Das ungeborene Kind hat Trisomie 21, das Down-Syndrom. „Die Aufregung war groß, weil ich nicht wusste, was es bedeutet, ein Kind mit Behinderung zu haben“, erinnert sich die Mutter.

Von der Sprechstundenhilfe eines Arztes bekam sie den Tipp, sich an die Leiterin der Frühberatung und Frühförderung Peine, Birgit Graumann, zu wenden.

„Man steckt in einem großen Zwiespalt“, beschreibt die mehrfache Mutter ihre Gefühlslage. Zur Hilflosigkeit angesichts der schwerwiegenden Entscheidung kommt die Angst vor den Reaktionen der Umwelt. „Man kann das ja abtreiben, ist der Satz, den man häufig von den Ärzten hört“, sagt sie. „Ich finde es nicht richtig, dass Menschen heutzutage immer nur perfekt sein müssen“, sagt die Mutter.

In dieser Situation wandte sich die Familie an Birgit Graumann. Ein Gesprächstermin wurde vereinbart. Als es im September 2007 zum ersten Treffen kam, war die gesamte Familie, einschließlich der beiden 14 und zwölf Jahre alten Töchter, dabei.

Graumann und eine Hebamme beantworteten alle Fragen der Familie. Wie selbstständig können Kinder mit Trisomie 21 werden? Können sie laufen und sprechen lernen? „Ohne irgendeine Richtung vorzugeben, habe ich den Eltern eine andere Sichtweise aufgezeigt“, sagt Graumann.

Dann stellte der Arzt beim Baby einen Herzfehler fest. Doch beim Anschlussgespräch im Oktober war nach Abwägen der Für und Wider die Entscheidung bereits gefallen: „Wir wussten, dass es nicht einfach wird, aber wir wollten ihn für unser Leben gern behalten. Wir wollten dieses Kind, egal, was die anderen sagen.“
Es den künftigen Großeltern zu sagen, fiel dem Paar trotzdem nicht leicht. „Mein Mann und ich, wir konnten es seinen Eltern nicht mitteilen. Wir haben ihnen gesagt, dass wir schwanger sind und einen Jungen bekommen, verschwiegen aber, dass er behindert ist.“

Birgit Graumann vereinbarte einen Gesprächstermin mit den zukünftigen Großeltern und dem Onkel, um über die Behinderung zu sprechen. Nach dem anfänglichen Schock entwickelten sich die Gespräche positiv, die ganze Familie freute sich auf das Kind. Auch Freunde hielten zu ihnen. Als Lars Peter am 20. März 2008 das Licht der Welt erblickte, war das Glück perfekt. Doch es hielt nur wenige Tage.

„Lars Peter hatte einen Darmverschluss und musste notoperiert werden“, erzählt Iris Gartung-Gorray. Das Kind überstand die Operation gut, bekam jedoch eine Blutvergiftung. Nierenprobleme folgten.
„Es gab dann ein Gespräch mit mehreren Ärzten“, erinnert sich die Sophientalerin. Auch Birgit Graumann, die Lars Peter gerade zum ersten Mal gesehen hatte, war dabei.

„Ich erinnere mich an viele Sachen nicht“, sagt Iris Gartung-Gorray. „Ich bin jede Nacht zur Säuglingsstation gelaufen; ich war überfordert. Das Einzige, was mir zu 100 Prozent klar war, war ihn sterben zu lassen.“
Gemeinsam hatten die Eltern entschieden, das Leben ihres Sohnes nicht künstlich zu verlängern. „Wir haben immer gemeinsam entschieden, es gab nie ein Hüh und Hott.“ Birgit Graumann hat das sehr beeindruckt: „Es war stark, wie die Eltern gemeinsam handelten und Lars Peter ins Leben und wieder hinaus begleitet haben.“ Obwohl sie seit 28 Jahren bei der Frühförderung arbeitet, ist es das erste Mal, dass sie eine solche Begleitung gemacht hat. „Normalerweise kommen die Eltern erst nach der Geburt zu uns.“ Für Iris Gartung-Gorray und ihren Mann Thorsten war Birgit Graumann eine große Hilfe.

Lars Peter starb am 27. März 2008. Er war nur sieben Tage auf der Welt. Seine Familie verabschiedete sich von ihm mit den Worten: „Wir mussten unseren kleinen Stern gehen lassen, aber wir werden ihn für immer lieben und in unseren Herzen tragen.“

Mirja Weber

STICHWORT

Frühförderung
Die Frühberatung und Frühförderung Peine ist Teil der Behindertenhilfe Berkhöpen-Burgdorf. Das Team aus Pädagoginnen, Heil- und Sozialpädagoginnen und Psychologinnen bietet Förderung im Elternhaus sowie in den Räumen der Frühförderung, einen Spielkreis, Gespräche, Begleitung und Beratung der Eltern sowie Fachberatung für integrative Kindergartengruppen. Dazu gehören Spielanbahnung- und Förderung, Entwicklungsbegleitung, die Stimulation aller Sinne, sozialrechtliche Beratung, Elternabende, Feste und Freizeiten.

Das Angebot steht Eltern offen, die sich um die Entwicklung ihrer Kinder sorgen, oder deren Kinder eine Behinderung haben oder davon bedroht sind. Dazu zählen Kinder mit Entwicklungsverzögerungen in der Motorik, Sprache, Wahrnehmung sowie im Spiel- und Sozialverhalten.

Die Frühförderungen arbeitet mit Eltern und Angehörigen, Ärzten und sozialpädiatrischen Zentren, Ämtern, Therapeuten, Psychologen und Sozialarbeitern sowie Kindergärten und anderen pädagogischen Institutionen zusammen. Die Kosten trägt der Landkreis Peine.

Die Frühberatung und -förderung hat ihren Sitz in der Kunzendorfer Straße 1a, in Essinghausen, Telefon 05171/ 58700, Fax 05171/ 587015, E-Mail birgit.graumann@bbbweb.de.

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