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„Umgerungen von Vorschriften“

Lengede „Umgerungen von Vorschriften“

In eisig-kristallenen Böhen stürmen Schneewolken um das Lengeder Hotel Staats: Tief Daisy macht einen guten Job. Einen noch besseren machte ein kleiner Franzose mit ausgebeulter brauner Hose und pell-enger orange-blauer Sportjacke drinnen auf der Bühne: Alfons, der Wahl-Hamburger, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Deutschen sich selbst zu erklären.

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Alfons machte sich in seinen scharfsinnigen Bemerkungen über Deutsche und Franzosen lustig.

Quelle: rb

Lengede . Die Mühe der Anfahrt hat sich gelohnt: Durch grimmige Kälte und über schneeverwehte Landstraßen kämpften sich etwa 200 Gäste am Wochenende nach Lengede ins Staats-Hotel durch. In unaufdringlich-gediegener und behaglicher Atmosphäre geht Alfons, der Exilfranzose, in einer kalauer-krachigen und subtil-ironischen Revue der Frage nach: Was ist des Deutschen Sinn und Herz.

„Mein Deutschland“ heißt das aktuelle Programm und schon die Doppeldeutigkeit des Titels reklamiert die Lizenz zu heiter-entgrenzter Subjektivität. Eine Leinwand für seine Umfrage-Filmchen und ein Tischchen – mehr brauchte Alfons nicht. Und natürlich das kolossale Puschelmikrofon, das aussieht, als hätte man einen flatterigen Dackel-Torso mit einer riesigen Bratengabel harpuniert.

Entspannt und locker, eine Hand in der Hosentasche, amüsiert und wundert sich der Entertainer über das, was einen Deutschen so ausmacht: Zum Beispiel die Mitgliedschaft in einem Schrebergarten. Dort findet sich der Germane, ganz wie er es liebt, „umgerungen von Vorschriften“, wie Alfons glucksend konstatiert. Und: Noch besser! „Die Deutschen haben sogar ein Bundeskleingartengesetz! Wir Franzosen haben noch nicht einmal eine Straßenverkehrsordnung.“

Rote Fußgänger-Ampeln sind Alfons auch so eine rätselhafte Sache. Dienen sie in Frankreich höchstens zur Dekoration, verharrt der Deutsche Piétons nibelungentreu bis das grüne Männchen erscheint. „Wozu“, sinniert er konsequent weiter, „haben die die Mauer um die DDR gebaut – ein paar rote Ampeln hätten’s auch getan.„

Die Gäste schlagen sich vor Lachen auf die Schenkel – Deutsche lachen über sich selbst. Toll! Das gelingt, weil dieser sympathische und unbeschreiblich unterlegene Franzose seine zynischen Spitzen und Verrisse stets durch Vergleiche mit Frankreich abfedert. Das Lachen bleibt den Gästen weder im Halse stecken, noch sind die Pointen boshaft oder diskreditierend. Die Witze gelingen nicht auf Kosten anderer, sondern mit Hilfe aller.

Freundlich und kumpelhaft geht das so weiter. Die Gäste nippen an Wein und Bier und lachen über die alberne Deutschtümelei des möchtegern-kosmopoliten Guido Westerwelle – „In Deutschland spricht man Deutsch!“ – und die nervöse Inszenierungswut des französischen Staatspräsidenten, der sich auf Zehenspitzen stellen muss, um Angela Merkel einen Handkuss zu geben. Großartig – langer Applaus.

Zum Schluss sagt Alfons: „Uns Künstler geht der Applaus des Publikums direkt ins Herz. Ich werde heute Nacht schlafen mit ihren Ap-Läusen im Herz!“.

Björn Wulfes

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