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„Tiere saufen dort elendig ab“

Wildschweine in Kanal gefallen „Tiere saufen dort elendig ab“

Es ist eine schreckliche Szene: Wildschweine, die im Stichkanal Salzgitter treiben und sich aus eigener Kraft nicht retten können. So geschehen in der vergangenen Woche zwischen Wedtlenstedt und Bortfeld.

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Kreisjägermeister Hans-Werner Hauer an einem Tor im Wildzaun, der die Tiere davor schützen soll, in den Kanal zu gelangen.
 

Quelle: Thomas Freiberg

Wedtlenstedt. Mitten auf dem Acker erhielt Hansjörg Jäger den Anruf der Polizei: Vier Wildschweine würden seit anderthalb Stunden auf dem Stichkanal treiben. Als Revierinhaber in Wedtlenstedt machte er sich sofort auf den Weg. Mit seinen Mitarbeitern vor Ort konnte er zunächst keine Wildschweine ausmachen. Doch dann entdeckten sie zwischen viel Laub zwei an der Wasseroberfläche treibende tote Frischlinge.

An dieser Stelle ist der Stichkanal mit Spundwänden gesäumt, die über die Wasseroberfläche ragen. „Wer im Kanal ist, hat verloren“, sagt Jäger. Doch auch, wenn er die Wildschweine lebend vorgefunden hätte, hätte er vor einem Problem gestanden: „Ich kann nicht hinschwimmen, und auf dem Wasser schießen darf ich nicht“, erklärt der Denstorfer.

Der Wildschwein-Fall sei bezeichnend, meint Kreisjägermeister Hans-Werner Hauer. Immer wieder fielen Tiere in den Kanal und ertränken qualvoll. Zwar gebe es einen Zaun zum angrenzenden Wald, doch Spaziergänger und Radfahrer ließen häufig die Wildtore offen, sodass Tiere in den Kanal gelangten. „Ob Hase, Igel, Reh oder Wildschwein – alle saufen dort elendig ab.“

Einen Ausstieg für Tiere aus dem Kanal gebe es an dieser Stelle nicht. „Es ist eine von Menschenhand gebaute Falle“, bringt es der Kreisjägermeister auf den Punkt.

Zusätzlich erschwerend sind bei solchen Rettungsaktionen die unterschiedlichen Befugnisse. Auf dem Kanal ist das Wasser- und Schifffahrtsamt Braunschweig zuständig. „Doch die brauchen lange, bis sie da sind. Und dann ist es meistens zu spät“, sagt Hauer.

Um solche Unglücke zu verhindern, seien Spundwände, die unterhalb der Wasserlinie enden, wünschenswert. Wichtig sei es aber auch, die Wildtore immer verschlossen zu halten, denn ist ein Tier erst einmal in den Kanal gefallen, stehen die Chancen schlecht. „Es ist furchtbar. Man kann nichts machen, man kann den Tieren nicht helfen.“

Appell an Spaziergänger: Wildzäune immer schließen

Zur Kritik an der Situation am Kanal äußert sich der Sprecher des Landkreises Peine, Henrik Kühn, wie folgt: „Grundsätzlich dürfte zum Schutz des Wildes vor vermeidbaren Schmerzen eine so genannte Teleinjektion auch auf dem Gewässer möglich sein, selbst wenn natürlich die Jagdausübung auf dem Kanal verboten ist. Die Möglichkeit einer Betäubung durch ein Narkosegewehr ist jedoch auch nach Meinung unserer Tierärztinnen bei einem unter Wasser befindlichen Tierkörper fraglich.

In der Praxis wird zur Rettung von Tieren im Kanal daher üblicherweise die Feuerwehr um Hilfe gebeten, die in solchen Fällen in der Regel ein Boot zur Verfügung stellt. Es wird dann versucht, die Tiere zu einer in der Nähe befindlichen Wild-Ausstiegshilfe zu treiben oder ihnen eine Schlinge umzulegen, um sie dann an eine Stelle zu ziehen, an der sie aus dem Wasser gezogen und so aus ihrer Seenot gerettet werden können. Dazu ist keine Betäubung erforderlich.

Wildschweine sind gute Schwimmer und finden, wenn sie ungestört sind, meist selbst eine geeignete Ausstiegsstelle. Um die Gefahr einzudämmen, dass Wildtiere in die Kanalgewässer gelangen können, wurden die erwähnten Ausstiegshilfen eingerichtet sowie Wildschutzzäune- und Gitter installiert. Festgestellt werden muss aber auch immer wieder, dass diese Zäune mutwillig zerstört oder beseitigt werden und Spaziergänger die Gitter nicht wieder richtig verschließen.

Hier appellieren wir an die Vernunft und Sorgfalt der Bevölkerung, um den Wildtieren einen größtmöglichen Schutz vor einem qualvollen Verenden durch Ertrinken zukommen zu lassen.“

Von Mirja Polreich

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