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Sie hat ein Herz aus Samt und Seide

Handarbeit aus Wendeburg Sie hat ein Herz aus Samt und Seide

„Sie war immer die Hübscheste“, sagt Heinz-Dietrich Mencke und lächelt. Sein Stolz gilt seiner Frau Waltraud, die seit 1949 ausgefallene Kleider näht – in ihrem Haus in Meerdorf.

Meerdorf. Akkurat in Kisten verpackt, in diversen Schränken, im Keller, auf dem Dachboden – etwa 300 Stücke umfasst der Fundus der 81-Jährigen. Alle selbst genäht.

Seit 1947, als die gebürtige Hamburgerin eine Ausbildung zur Schneiderin anfing, näht Mencke ihre Kleidung selbst. „Auf Schule hatte ich damals nicht so große Lust“, gibt Mencke schmunzelnd zu. „Da habe ich von der Schneider-Ausbildung gehört.“

Schon als kleines Mädchen hatte Mencke ihren Puppen Kleider genäht. „Im Krieg hatten wir ja nichts“, erzählt sie. Doch bereits damals sei ihrer Mutter der außergewöhnliche Stil aufgefallen. Denn die Kleider, Mäntel oder Hosen, die Waltraud Mencke näht, haben stets besondere Schnitte und liebevolle Details.

Schräg verlaufene Knopfleisten, versetzbare Schleifen oder asymmetrische Nähte – Mencke fiel in ihren Kleidern stets auf, auch ihrem Mann Heinz-Dietrich. „Du hattest eine leuchtend-blaue Sonnenbrille auf“, erinnert sich der frühere Forstbeamte noch an seine erste Begegnung mit der hübschen Hamburgerin 1949. „Das war auf einem Fest der Feuerwehr“, sagt er. „Sie fiel mir sofort auf.“ Ein Jahr später wurde geheiratet – natürlich in einem selbst geschneiderten Hochzeitskleid.

Von französischen Magazinen und Kinofilmen ließ sich Waltraud Mencke inspirieren. „Vieles, was ich schneiderte, war später überall zu sehen“, erzählt sie nicht ohne Stolz. „Und selbst heute sind viele Schnitte wieder modern.“

So etwa die asymmetrisch drapierten Abendkleider oder die luftig fallenden Tellerröcke mit schmaler Taille. „Damals konnte ich solche Kleider auch noch tragen“, sagt Mencke etwas wehmütig. Und ihrem Mann gefiel es. „Sie war immer schön anzusehen“, sagt der 85-Jährige. „Das hat mich sehr stolz gemacht.“

Hauptberuflich hat Waltraud Mencke nach der Gesellenprüfung 1949 allerdings nie wieder als Schneiderin gearbeitet. Doch bei Verwandten und Bekannten ist ihr Talent bis heute beliebt. Von kurzen Cocktailkleidern über Ballroben bis zu „Schlampern“, wie Mencke schlichte Tageskleider gern nennt, hat sie alles geschneidert – für jeden Anlass ein neues Kleid. „Das waren in einer Saison bis zu 13 Bälle“, erinnert sich Heinz-Dietrich Mencke. „Aber ein Kleid trug sie möglichst niemals zweimal.“ Deshalb notierte sich seine Frau jedes Kleid mit Stoff, Farbe und Jahreszahl ganz genau.

Die Stoffe – am liebsten reine Seide, Samt oder Lurex – kaufte Mencke in der ganzen Welt: grünen Crêpe Georgette auf den Champs-Élysées in Paris, Seide in Wien oder schwarzen Samt in Venedig. „Mein Mann musste berufsbedingt sehr viel reisen“, sagt sie. „Und ich habe ihn begleitet.“ Doch auch alte Uniform-Stoffe oder Erbstücke verarbeitete sie fantasievoll weiter – unterstützt von ihrem Mann. Auch heute noch ändert Mencke jede Bluse, Hose oder Jacke raffiniert ab. „Aus nichts mache ich viel…“

ju

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