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Sicherheit gibt’s nur auf dem Papier

Strahlen-Müll Sicherheit gibt’s nur auf dem Papier

Schöne neue Welt – da auf der Leinwand, die vor der Bühne im Lengeder Bürgersaal aufgehängt ist: Radioaktiver Müll wird in Beton und Stahl verpackt und dann in 1000 Metern Tiefe endgelagert. Und zwar im Schacht Konrad. Alles sicher, verspricht die Politik. Alles Annahme, meinen Kritiker.

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Ein Tunnel im Schacht Konrad: Hier sollen die radioaktiven Abfälle eingelagert werden.

Quelle: Jörg Arndt

Lengede. „Ab 2013 werden pro Woche zehn Lastkraftwagen mit je einem und ein Zug mit 40 Containern mit radioaktivem Müll im Schacht Konrad vorfahren“, erklärt Arthur Junkert, Sprecher des Bundesamts für Strahlenschutz. Die 60 Zuhörer im Lengeder Bürgersaal staunen: 50 gelbe Stahl-Container jede Woche. Der Lengeder Handels- und Gewerbeverein hatte zu einer Podiumsdiskussion zur Atom-Endlagerstätte im Schacht Konrad eingeladen.

Das erste Einlagerungsfeld umfasst 120 000 Kubikmeter. Bis 2040 sollen 270 000 Kubikmeter in Schacht Konrad eingelagert sein, referiert Junkert. Eine Dorfturnhalle hat 1500 Kubikmeter. In 1000 Metern Tiefe stehen dann quasi 180 Turnhallen mit Strahlen-Müll.
Professor Rolf Bertram, emeritierter Physik-Professor an der Universität Braunschweig und Atomkraft-Kritiker, hält das Endlager keineswegs für sicher: „Asse war auf 10 000 Jahre ausgelegt und fiel nach 40 zusammen.“ Man könne bei der Menge an Transporten doch unmöglich glauben, dass niemals etwas passiert, sagt er. Junkert räumte ein, dass von Seiten des Bundesamtes keinerlei Katastrophenpläne vorbereitet seien.

Peter Dickel von der Schacht Konrad AG kritisiert, dass man am Ende nicht sicher sein könne, was da unten wirklich eingelagert wird. „Radioaktive Tierkadaver“, tönt es aus dem Publikum. Allem Anschein nach wurden im Lager Asse auch verseuchte Tierkörper gelagert. „Der ganze Strahlenmüll aus Asse wird da hinkommen“, so Dickel weiter: „Konrad ist die einzige genehmigte Endlagerstätte. Es gibt überhaupt keine Alternative. Aber der Schacht ist für diese Menge an Uran und Arsen überhaupt nicht ausgelegt“, kritisierte er. Bertram nickte: „Man wird Gesetze schaffen, die die Einlagerung möglich machen werden.“ Dagegen sagte Junkert, dass niemand die Absicht habe, den Asse-Müll nach Konrad zu schaffen.

„Eine 100-prozentig sichere Anlage gibt es nicht. Auch wenn die Strahlung gering sei – fünf Milli-Siewert, wenn man auf dem Container hockt. Wenn radioaktive Teilchen in den Körper gelangen, bestrahlen sie das umliegende Zellgewebe dauerhaft und intensivst“, betonte Bertram. Es gäbe keine Aktion ohne Reaktion und Asse zeige die Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit: „In den letzten 50 Jahren wurden die Grenzwerte radioaktiver Belastung drei Mal um den Faktor zehn herunterkorrigiert, weil man die Gefahren erkannte. Es ist vermessen zu behaupten, die jetzigen Grenzwerte sind endgültig.“

Björn Wulfes

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