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Riesenbohrer gräbt unter Vechelde

Bodenstedt Riesenbohrer gräbt unter Vechelde

Die Stahlkonstruktion in dem Graben sieht ein bisschen so aus wie eine umgekippte Raketenabschuss-Rampe. Auf einem Schlitten ist innerhalb eines Vorpressrohres ein Bohrgestänge montiert. Das wühlt sich gerade mit tiefem Grollen horizontal unterhalb einer Straßenkreuzung durch das Erdreich.

Vechelde-Bodenstedt . Die Technik nennt sich Vorpressverfahren. In einer Tiefe von 1,20 Meter wird nach Abschluss der Arbeiten eine insgesamt 27 Kilometer lange Sauerstoffzuleitung von Salzgitter über Vechelde bis ins Peiner Stahlwerk reichen.

In das horizontale Bohrloch werden dann 15 Meter lange Rohre geschoben und von den Arbeitern verschweißt. „Mit Ausheben, Aufbauen, Ausrichten, Bohren, Verlegen und Verschweißen schaffen wir zwei Meter pro Stunde“, erläutert der Leiter des Technischen Dienstes, Maik Render, im PAZ-Gespräch. Gleichzeitig in Bodenstedt und Liedingen gräbt die Salzgitter-AG.

Das plastikummantelte Stahlrohr hat in etwa den Durchmesser eines handelsüblichen Haushalts-Wischeimers – 30 Zentimeter.
Der Sauerstoff aus Salzgitter wird in Peine für die Stahlgewinnung benötigt. Mit dem eingeblasenen Sauerstoff werden qualitätsmindernde Stoffe aus der Stahlschmelze entfernt.

„Die Luftzerlegungsanlage in Peine stammt aus den 60er Jahren und ist energetisch nicht mehr wirtschaftlich“, sagt Olaf Reinecke von der Konzernkommunikation der Salzgitter AG. Zwar sei es teurer sich durch 27 Kilometer Erde zu graben, langfristig sind die Betriebskosten aber geringer, weil es günstiger ist, nur die Luftzerlegungsanlagen in Salzgitter zu betreiben. Der Sauerstoff wird später mit einem Druck von 30 Bar durch die Leitung eingespeist. Insgesamt werde der Bau 13 Millionen Euro kosten, erklärt er.

„Die größten Herausforderungen bei der Planung der Trassenführung waren die Unterquerung der Bundesautobahn 39, der Bahntrasse zwischen Hannover und Braunschweig und schließlich des Mittellandkanals“, sagt Render. „Der Bogen unterhalb des Kanals ist 400 Meter lang und ist an seiner tiefsten Stelle 20 Meter unter der Wasseroberfläche.“ Insgesamt wird das so genannte Durchpressverfahren an mehr als 50 Abschnitten angewandt.

„Gesundheitsgefährdend ist Sauerstoff nicht. Aber brandfördernd. Um Beschädigungen zu verhindern wird die Sauerstoffzuleitung 40 Zentimeter tiefer als vorgeschrieben verlegt und in steinigen Bodenabschnitten in eine Sand-Bettung eingelegt.“ Render ergänzt: „Außen am Rohr ist ein Überwachungs- und Leckortungssystem installiert. Gegen Durchrosten wird das Zehn-Millimeter-Stahlrohr unter eine minimale Spannung gesetzt. Dadurch richten sich die Stahl-Moleküle in eine Richtung aus. Das verhindert Korrosionsschäden.“ Man sei voll im Zeitplan und Ende des Jahres soll die Sauerstoff-Zuleitung in Dienst genommen werden.

Björn Wulfes

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