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„Prostituierte sagten Papa zu ihm“

Menschen vor Gericht „Prostituierte sagten Papa zu ihm“

Wegen Menschenhandels müssen sich zwei Männer seit vergangener Woche vor dem Landgericht Osnabrück verantworten. Sie führten vorher einen „Sex-Partytreff“ in Lengede.

Osnabrück . Sex, Drogen, Waffen: Wegen mehrerer Vergehen stehen zwei Männer aus dem Rotlicht-Milieu vor dem Landesgericht Osnabrück. Ihnen wird Menschenhandel vorgeworfen, und bei einer Polizei-Durchsuchung eines „Sex-Partytreffs“ in Osnabrück waren Kokain und eine Pistole gefunden worden. Die beiden Männer sollen laut Neuer Osnabrücker Zeitung vorher auch einen „Partytreff“ in Lengede geleitet haben.

Das Ziel der Verteidigung lautet weiter Freispruch. Von Menschenhandel könne nicht die Rede sein, und nun werde man auch ein weiteres „Gespenst entzaubern“, kündigt der Rechtsanwalt die Aussage seines Mandanten an. 69,7 Gramm Kokain sind seinerzeit bei ihm sichergestellt worden, was der Angeklagte mit einer „Dumm gelaufen“-Geschichte zu entkräften versucht: Die Drogen hätten einem Bekannten gehört, der ihn lediglich gebeten habe, das Zeug zu trocknen, weil es versehentlich nass geworden sei. Das habe er mithilfe eines Küchen-Mixers versucht. Bei der Durchsuchung sei das fremde Kokain dann prompt gefunden worden. Und was die Pistole betreffe: Er wolle zwar zurzeit nicht sagen, wem sie gehöre. Er selbst sei aber auf keinen Fall der Eigentümer – seit seiner Bundeswehrzeit habe er eine Abneigung gegen Schusswaffen.

Gut fünf Stunden umfasst der Verhandlungstag, allerdings gibt es etliche Unterbrechungen. Der erste geladene Zeuge soll „Mädels“ für den „Partytreff“ in Osnabrück sowie für die anderen Etablissements der Angeklagten in Münster und Lengede beschafft haben. Er erscheint nicht vor Gericht. Die zweite Zeugin soll als Prostituierte gearbeitet haben – gleiches Ergebnis. Beiden drohen nun Zwangsvorführung und ein Ordnungsgeld.

Wenigstens die dritte Zeugin folgt der Vorladung. Sie war hinter der Theke im „Partytreff“ tätig. Um ihre Aussage entbrennt schnell ein Kleinkrieg zwischen Verteidigung und Nebenklage-Vertretung: Die Rechtmäßigkeit von Fragen wird abgestritten oder eingeworfen, dass man die Antworten längst kenne.

Knapp zusammengefasst: Die Tür des Bordells wurde der Aussage der 37-Jährigen zufolge lediglich abgeschlossen, damit man einen Überblick über die Kunden behalten konnte. Die Einnahmen seien, abgesehen von kleineren Ausnahmen, zu gleichen Teilen auf Betreiber und Prostituierte umgelegt worden. Auch die Pässe seien den Frauen nicht abgenommen worden. Genau das steht allerdings in der Aussage einer ehemaligen Mitarbeiterin, die vom Gericht verlesen wird. Von einer Zwangslage der Frauen könne aber keinesfalls die Rede sein, bekräftigt die Frau auf Nachfrage ihres ehemaligen Arbeitgebers: Die Prostituierten hätten den Angeklagten sogar „Papa“ genannt. Das Verfahren geht weiter.

Rainer Lahmann-Lammert

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