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Lengede/Vechelde/Wendeburg „Erwin seine unanständige Lust“
Kreis Peine Lengede/Vechelde/Wendeburg „Erwin seine unanständige Lust“
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23:07 28.05.2009
Erfrischend böse und entlarvend: Philipp Börner und Gisa Flake. Quelle: cb
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Wendeburg-Meerdorf. Sechs Monate das Gehirnschmalz anstrengen, Proben am Telefon. Denn die Akteure wohnen quer über die Republik verteilt: Uwe Flake, seine Tochter Gisa Flake, Philipp Börner und Uschi Syring-Dargies am Klavier präsentierten im Meerdorfer teatr dach mit ihrem Nummernprogramm „Als das Kabarett laufen lernte“ einen schäumend choreografierten Par-force-Ritt durch die Anfänge des deutschen Kabaretts bis zum Beginn der Nazi-Diktatur.

Ein halbes Jahr hat Uwe Flake an dem Stück geschrieben, geprobt wurde am Telefon, weil das Quartett in München, Berlin und Braunschweig wohnt. Im schwarzen Frack steht Flake an diesem Abend als Theaterdirektor auf der Meerdorfer Kleinkunstbühne und führt die gut 60 Zuschauer mit augenzwinkernden Erklärungen durch die vorgetragenen Chansons.

Schauspiel-Student Philipp Börner gibt Wedekinds: „Ich habe meine Tante geschlachtet“ oder – auf dem Klavierdeckel liegend – das übergeschnappt-nekrophile „Seemannstreue“ von Joachim Ringelnatz, der bevorzugt für Schnaps auftrat. Großartig auch Erich Mühsams „Der Revoluzzer“-Ausschnitt: „War einmal ein Revoluzzer, im Zivilstand Lampenputzer; Schiebermütze übers Ohr, kam er sich höchst gefährlich vor.“

Zentrale Figur der Chansons ist Schauspielschülerin Gisa Flake: burschikos, die Hände in die Hüften gestemmt, lispelnd-naiv oder zuckerzart, lolitaplinkernd „mit’m Zopp“ steht sie da; trällert, schmettert, frotzelt und berlinert mitreißend lebensprall die Songs und Couplets von Annemarie Hase oder Margo Lion und verdreht dabei die Augen, grimassiert, zieht Schnuten, Schippen, Schandmäuler und lacht. Lacht ein ironisch-freigeistiges „Dennoch“ über Todesgrunde, den die Nazis bringen.

Uschi Syring-Dargies begleitet am Piano, singt auch selbst: Und zwar von „dem Erwin seiner unanständigen Lust“, der sein Frau zur Schönheitsoperation schicken will – die wurden nämlich schon seit 1929 in der Berliner Charité durchgeführt.

Nach drei Auftritten war das wohl leider das letzte Mal, wie Uwe Flake im PAZ Gespräch sagte. Es soll aber einen zweiten Teil geben:Kabarett von 1945 bis heute.

Verdienter anhaltender Applaus und Forderung nach Zugabe – beim Kabarett!

Björn Wulfes

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