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Lengede/Vechelde/Wendeburg Eine bi-nationale Ehe lokal coloriert
Kreis Peine Lengede/Vechelde/Wendeburg Eine bi-nationale Ehe lokal coloriert
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23:07 24.08.2009
Eine sich anbahnende bi-nationale Ehe lokal coloriert: „Hochzeit à la Griechisch“. Das Szenenfoto zeigt (von links) Paul Luttmann, Ulrike Kammler und Albrecht Schultze als Kostas. Quelle: im

Wendeburg-Meerdorf. Es hapert sowohl an Ehe- als auch Kindersegen: Toula, 35-jährige Tochter des Gifhorner Exil-Griechen und Gastronomen Kostas und seiner Gemahlin Maria fehlt das private Glück. Ihre biologische Uhr schlägt demnächst 13 und sie möchte nicht als Servicekraft des elterlichen Restaurants in Rente gehen.

Eltern und Tradition gestatten jedoch ausschließlich einen Ehepartner griechischen Geblüts. Und dann kreuzt ausgerechnet der deutsche Pädagoge Jan Müller ihren Lebensweg – und Amor nimmt beide unter Dauerbeschuss.

„Teatr dach“-Intendant und Regisseur Albrecht Schultze hat für sein Ensemble den Spielfilm „ My big fat Greek Wedding“ („Meine große dicke griechische Hochzeit“) für seine Dachboden-Bühne inszeniert und die mehr oder weniger tiefen Schlaglöcher einer sich anbahnenden bi-nationalen Ehe lokal coloriert. Stark überzeichnet, versteht sich, denn sonst wäre das ja ein Stück zum Weinen. Wie in der Filmvorlage setzt der Regisseur auf Humor – erfolgreich, das Publikum geht gerne mit.

Die“ teatr-dach“-Truppe balanciert trotz faustischer Länge traumwandlerisch sicher zwischen Klamauk und Theaterspaß mit Stil. Dabei ist in bester Spiellaune Anja Papendorf als Tochter Toula.

Ihr nicht-griechischer Auserwählter muss erfahren, dass seine Freundin nicht leicht zu haben ist. Allmählich werden aber die Abschiedsküsse im Auto länger und heißer und enden später selbst auf einer Couch nicht.

Moralisch ist die Darstellung dieser filmreifen Zärtlichkeiten nicht zu beanstanden, denn Papendorfs feuriger Schmusekater ist in Wirklichkeit ihr Ehemann Nikolas.

Anja Papendorfs darstellerische Qualitäten übersteigen allerdings weit diesen Teilbereich. Klasse ihre Mimik, besonders sicher das schwierige Spiel ohne Text, bewundernswert ihr Temperament und so impulsiv wie ansprechend die mehrstündige Bühnenpräsenz. Respekt!

Toulas Bühneneltern Kostas (Albrecht Schultze) und Maria (Bärbel Anton) sind ebenfalls nicht nur auf der Bühne Eheleute. Und so wirkt auch der griechische Ehe- und Familienalltag wie überall auf der Welt: Papa denkt und Mama lenkt. Überzeugend!

Das Publikum scheint amüsiert, wenn ihm seine deutsche Mentalität klischeehaft vorgespielt wird. Übertrieben steif und sparsam mit Gefühl und Zuwendung glänzen Gerd Korte und Ulrike Kammler als deutsche Eltern.

In gleich sieben (!) Rollen muss Lars Möller singend und tanzend um die Gunst der inzwischen schönen Toula werben und erledigt diese Aufgabe zwar mimisch souverän, aber natürlich erfolglos.

So mag es sich auch trefflich spielen lassen in der gelungenen Lichtdramaturgie, den detailverliebten Requisiten und dem glänzend durchdachten Bühnenbild, das mit wenigen Handgriffen eine völlig veränderte Umgebung suggeriert. Bravo!

Hintergründig geht es um Toleranz, Tradition – trotz Amüsement. Aber alles wird gut. Besonders das Hochzeitsmahl für das Publikum.

Ulrich Jaschek

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