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Mutige Visionen in historischen Mauern

Rittergut Gadenstedt Mutige Visionen in historischen Mauern

Altes Adels-Flair und neue Ideen: Hoferbe Glenn Hinze-Tully will aus dem Rittergut Gadenstedt einen Bio-Hof und Ort der seelischen Erholung für die Mitbürger im Ort schaffen.

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Tierfreund Glenn Hinze-Tully mit seinen Hunden vor dem 1833 erbauten Gutshaus.

Quelle: cb

Lahstedt-Gadenstedt. Still ist es in dem geräumigen Kaminzimmer des Rittergutes Gadenstedt. Der dunkle Parkettboden ist bedeckt mit schweren Perserteppichen, die jeden Schritt dämpfen. Sie sind ausgeblichen, scheinen uralt. Verschnörkelte, goldbraun glänzende Tapeten bedecken die hohen Wände. Das Zimmer strahlt den Schick vergangener Tage aus.

In einem kleinen Ensemble von barock wirkenden Polstermöbeln sitzt Glenn Hinze-Tully in Jeans und Schlabber-Shirt. Dieser junge Mann ist der Besitzer des Rittergutes Gadenstedt, er hat es von seiner 2002 verstorbenen Adoptiv-Mutter Charlotte Hinze geerbt. Für ihn kam die Erbschaft damals überraschend, er studierte Humanmedizin und war gerade zu einem Forschungsaufenthalt in Italien. Erst vor zwei Jahren zog er nach Gadenstedt. Gemeinsam mit seinem Freund Bart Coenen will er das Gut nun zu einem Ort der seelischen und physischen Gesundung für seine Mitbürger in Gadenstedt machen.

Nachdenklich ist Hinze-Tully, wenn er von seiner Idee spricht. Er lässt sich Zeit bevor er antwortet. „Ich habe ein großes Interesse an der Frage nach der Gesundheit“, beginnt er. „Aber was bezeichnet man als krank, was als gesund?“ Krankheiten betreffen immer den gesamten Menschen in seiner Umgebung, findet der Gadenstedter, sie werden ausgelöst durch Konflikte: „In unserer Zeit leben die meisten Menschen in einem schlecht zu übersehenden Chaos, nicht nur durch die vielen Konflikte wie Arbeitslosigkeit, soziale Ungleichheit. Auch das Innenleben ist oft von Konflikten geprägt, so dass wir gar nicht mehr richtig denken können.“ Dieses Gedankenwirrwarr verursache Stress, der wiederum zu körperlichen Krankheiten führe. „Eine der zentralen Aufgaben, die wir uns hier auf dem Rittergut zuwenden wollen, ist zu lernen, wie man mit diesen Konflikten konstruktiv umgeht und sie löst. Dazu zählen, sich viel in der Natur aufzuhalten, sein eigenes Biogemüse anzubauen und viele Kontakte zueinander zu pflegen. Hinzu kommen das Beobachten und die Meditation.“

Das Gut will er den Gadenstedtern als Plattform für diese Zwecke anbieten: „Wir wollen mit den Gadenstedtern gemeinsam ökologischen Landbau auf den Feldern betreiben.“ In Gemeinschaft und in Harmonie mit der Natur arbeiten und das Erntegut tauschen und teilen, ist ein Ziel. „Das Gut verfügt über viel Land und das schafft Möglichkeiten.“ Auf einem Hektar baue er mit seinem Freund bereits Gemüse in Mischkultur an – daraus könne leicht mehr werden: Fehlendes Arbeitsgerät und Fachwissen könnten die landwirtschaftlich geprägten Gadenstedter für das Gemeinschaftsprojekt sicher zur Verfügung stellen.

Es gebe bereits begeisterte Mitbürger, die mit einsteigen wollen, sagt Hinze-Tully. „Aber selbst wenn es am Ende nur ein Schulungsgarten für Grundschüler wird, bin ich glücklich.“ Aus der Luft gegriffen sind die Ideen des Guts-Erben nicht: Der alte Pferdestall wurde bereits in einer Gemeinschaftsaktion ausgebaut – er steht jetzt den Gadenstedtern für Feiern zur Verfügung und wurde schon mehrmals genutzt.Zuletzt feierte er mit Mitbürgern die Erntedankveranstaltung auf dem Gut.

Auch mit umweltfreundlicher Energieversorgung will er sich künftig befassen. „Wir haben einen Gadenstedter kennengelernt, der sich jahrelang damit beschäftigt hat sowie einen weiteren Gadenstedter, der eine Biogasanlage errichtet hat. Mit beiden wollen wir eng zusammenarbeiten und hoffen, dass wir uns zu diesem Thema nützlich einbringen können.“

Schon jetzt versuchen Hinze-Tully und Coenen ihren Teil zu einer gesunden Natur beizutragen: Auf dem Hof halten sich die Gadenstedter bedrohte Tierrassen, wie Berg-Schafe und Thüringische Waldziegen, auch Gänse und Hühner sind auf dem Hof zuhause. Um aus all dem einen ansehnlichen Bio-Hof zu machen ist noch viel Arbeit nötig: „Zurzeit beschäftigen wir uns mit gestalterischen Fragen – es ist die Zeit der Strukturgebung.“

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