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„Freude, die niemand mitempfinden kann“

Gadenstedt „Freude, die niemand mitempfinden kann“

Als Autist sieht Dr. Peter Schmidt aus Gadenstedt die Welt mit anderen Augen als die meisten seiner Mitmenschen. Seit seiner Kindheit malt, zeichnet und fotografiert er Straßen. Jetzt sind seine Bilder in der Kasseler documenta-Halle ausgestellt.

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Der junge Peter Schmidt inmitten der Straßenwelten aus Kreide auf den Hofplatten mit Matchbox-Autos zeigt in den 80er-Jahren.

Quelle: privat

Gadenstedt . „Bereits als Kind habe ich mit Kreide die Straße und den Hof vor meinem Elternhaus mit einem Straßennetz vollgemalt und darin mit meinen Matchbox-Autos herumgefahren“, Dr. Peter Schmidt aus Gadenstedt. Während später die anderen lieber in die Disco gingen, entstanden immer wieder papierne Flächen mit ganzen Straßenwelten.

Sein größter so geschaffener Papierteppich, ein zwei mal drei Meter großes Werk, ist nun in der Kasseler documenta-Halle ausgestellt. Beim Zeichnen seiner Straßenwelten entspannte sich Schmidt. „Das Wachstum der Straßenlandschaften bereitete mir eine Freude, die niemand mitempfinden konnte“, erklärt der Gadenstedter.

Die ersten Psychologen, die diese Zeichnungen mehr als zwanzig Jahre später zu sehen bekamen, werteten sie als Ausdruck ganz klassisch autistischen Erlebens der Welt.
Insgesamt sind die Werke von 188 Künstlern ausgestellt. Nach Jurymeinung haben 65 von ihnen „herausragende Arbeiten“ eingereicht, die raumgreifend in „Kunsträumen“ dargestellt werden – darunter die Straßenwelten des Gadenstedters Schmidt.

Zu sehen sind sein papierner Straßenteppich aus dem Jahre 1982. Außerdem werden einige seiner Fotografien zum Thema Straßenfluchten in einer aus sechs digitalen Bilderrahmen bestehenden Videoshow dargestellt. Hinzu kommen zwei Schulbücher, die voller Straßenlandschaften sind.

„Der langweiligste Unterricht war für mich Deutsch und Geschichte“, erinnert sich Schmidt. In seiner eigenen Welt versunken malte er damals während des Unterrichts seine Schulbücher voller Straßenlandschaften. Dass er es selber erleben darf, dass seine mit Autobahnen vollgezeichneten Schulbücher aus den Achtzigern nun hinter Glasvitrinen in einer Kunstausstellung zu sehen sind, ist für ihn unfassbar.

„Kunst ist für mich ein intensives Erleben und Entspannung“, sagt der Gadenstedter. „Das hat für mich eine Art Blitzableiterfunktion.“ Kunste helfe, Stress abzubauen, der durch den Umgang mit den unverstandenen menschlichen Regeln entstehe.

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Die Werke sind noch bis zum 20. Juni in der Ausstellung „Ich sehe was, was du nicht siehst“, einer Werkschau von Künstler mit Autismus, zu sehen. Die Ausstellung wurde organisiert von akku, einer Initiative des Bundesverbandes „Autismus Deutschland“.Mehr Informationen gibt es im Internet unter www.initiative-akku.org und www.ichsehewas.de.

Stichwort

Autismus

Als Autismus wird die angeborene, unheilbare Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsstörung des Gehirns bezeichnet. Diese führt vor allem zu Schwächen in den Bereichen der sozialen Interaktion und der Kommunikation. So können Autisten zwar eigene Gefühle empfinden, Gefühle anderer jedoch nicht mitempfinden.

Als Resultat wirkt das Kontakt- und Kommunikationsverhalten vor allem von Asperger-Autisten oft „merkwürdig“ oder ungeschickt. Weitere Kennzeichen des Asperger-Syndroms, einer bestimmten Form des Autismus, sind motorische und sensorische Auffälligkeiten und stereotype Verhaltensweisen

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