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Ilsede „Wir tun das, damit die Kinder leben“
Kreis Peine Ilsede „Wir tun das, damit die Kinder leben“
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23:00 23.12.2015
Die Syrer Heve und ihr Mann Shahyat fanden vor einem Jahr ihre „Herberge“ in Ilsede, wo der kleine Sari zur Welt kam: Er hat sich prächtig entwickelt. Die anderen beiden Kinder sollten auf Wunsch der Eltern nicht fotografiert werden. Quelle: uj
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Geschossen würde nicht, das Dach über dem Kopf sei dicht, genug zu essen sei da und zu frieren brauche man auch nicht: Heve (32), ihr Mann Shahyat (37) und ihre drei Kinder. Sari, der Jüngste kam drei Tage vor dem heiligen Abend des vergangenen Jahres im Peiner Klinikum zur Welt.

Kurz zuvor hatte sich die kurdische Familie nach monatelanger entbehrungsreicher und qualvoller Flucht aus ihrer zerstörten Heimatstadt Qamischli im Nordosten Syriens nach Ilsede gerettet (PAZ berichtete).

Eigentlich also sollten sie die Kriegs- und Todesangst überwunden haben und glücklich sein in ihrer Wohnung. Eigentlich.

Aus dem Säugling ist der stattliche Sari geworden, der auf Mamas Arm nachdrücklich Aufmerksamkeit fordert. Bruder Mohamed (4) besucht inzwischen ebenso einen Kindergarten wie seine große Schwester Ronaz (5). Letztere glänzt übrigens bereits jetzt mit beinahe akzentfreiem Deutsch und wird inzwischen speziell und offenbar sehr erfolgreich sprachlich auf den Schulunterricht im kommenden Jahr vorbereitet. Ihrem Papa indessen fällt sein Sprach-Kursus für Erwachsene längst nicht so leicht.

Die daheim wegen Mutterpflichten unabkömmliche und deswegen vom Deutsch-Lehrgang ausgeschlossene Heve versucht, von Tochter und Ehemann ein paar deutsche Sprachbrocken zu erhaschen und anzuwenden.

Trotzdem geht der offenbar als recht aufregend empfundene Besuch von der Zeitung nicht ohne die Caritas-Kulturdolmetscherin Cihan Aslan.

Überhaupt: die Mama! Die Flucht habe sie gezeichnet sagt sie, sie sei traumatisiert, leide unter entmutigenden Panik-Attacken und gestörtem Schlaf. Die Angst sei oft unerträglich, übersetzt Aslan und in beinahe jedem Satz fällt der Begriff „Bulgaria“. Von Heve verwendet, klingt er wie ein Synonym für „Hölle“.

Weil sie in Bulgarien vor mehr als einem Jahr erstmals das Gebiet der EU betraten, mussten sie nach den EU-Richtlinien dort Asyl beantragen. Und als hätte die Familie es gestern erlebt, erzählt sie von unvorstellbaren Zuständen in unbeheizten Zeltstädten, besonders im Winter, von Inhaftierung, Gewalt und einem Leben als Obdachlose, dem sie durch eine weitere Flucht nach Deutschland - zumindest vorläufig - entkamen.

Hier sind sie nun „geduldet“, jeweils für drei Monate, dann hätten sie für eine Verlängerung wieder bei der zuständigen Behörde in Peine anzutreten. Zwei Abschiebeverfügungen seien inzwischen angefochten. Dabei, bei der Bewältigung unsäglicher Schreibtischarbeit und anderen täglichen Verrichtungen des Alltages steht der syrischen Familie zeitweilig eine hilfreiche Seniorin zur Seite.

Ob sich die Eltern in Kenntnis ihrer Erlebnisse den Strapazen der Flucht noch einmal aussetzen würden? „Wir wären sonst ganz sicher schon tot“, übersetzt die Dolmetscherin, während Heves Lächeln einfriert und sie fast unhörbar hinzufügt: „Dann wäre uns viel erspart geblieben, aber wir tun das alles, damit die Kinder leben!“ Und als Aslan ihr schließlich die Frage nach „Heimweh“ übersetzt, muss sie Heves ebenso jähen wie heftigen Tränenfluss nicht kommentieren.

Große Freude und Erleichterung erfüllt die Eltern allerdings, dass die Kinder „so wunderbar“ im Kindergarten integriert seien und sich als Muslime auch auf Weihnachten und Geschenke freuen, sagt Heve. Übersetzt bedeutet ihr Name übrigens „Hoffnung“.

uj

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