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Werkstatt statt Trennungsschmerz

Ilsede Werkstatt statt Trennungsschmerz

Mutiges Unternehmen: Renate und Glen Plew aus Klein Ilsede haben lange Zeit vergeblich nach einem Arbeitsplatz für ihren behinderten Sohn Tadeus gesucht. Nun wollen sie mit Freunden und Pädagogen eine eigene Werkstatt für behinderte Menschen gründen.

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Sie wollen eine eigene Werkstatt (von links): Vereinsmitglieder Tadeus Plew, Susanne Herbst, Glen Plew, Ursula Schäfer, Anja Tänzer, Renate Plew.

Quelle: Christian Bierwagen

Ilsede-Klein Ilsede. „Zusammengeführt hat uns Tadeus“, erklärt Renate Plew. Tadeus ist der 19 Jahre alte Sohn der Klein Ilsederin. Er ist geistig behindert, leidet an Epilepsie. Mit „uns“ meint Plew eine Gruppe von Freunden, Ärzten, Sonderschullehrern und Pädagogen, die mit der Familie Plew ein gemeinsames Ziel verfolgen: Sie wollen bis 2011 eine Einrichtung mit Werkstatt und Wohnraum für geistig behinderte Menschen gründen – am liebsten in Ilsede. Dafür haben sie den Verein Acanthus gegründet.

„Nachdem unser Sohn die Sonderschule abgeschlossen hatte, haben wir für ihn keinen Arbeitsplatz in einer Werkstatt gefunden“, blickt Renate Plew zurück. Entweder seien die Einrichtungen überfüllt oder so weit weg gewesen, dass der Sohn die Trennung von den Eltern nicht verkraftet hätte.

Bedarf an Werkstattplätzen

Schließlich reifte der Entschluss: „Wenn es keinen Platz für ihn gibt, dann Gründen wir selbst eine Einrichtung.“ Mit dem Gedanken hatten sie schon lange gespielt, zumal ihnen bekannt sei, dass akuter Mangel an Arbeitsplätzen für junge Erwachsene wie Tadeus besteht: „In den vergangenen 15 Jahren hat sich der Bedarf verdoppelt.“

Im April 2009 hat Familie Plew gemeinsam mit Mitstreitern den Verein Acanthus gegründet, der die geplante Einrichtung vorantreiben soll. Mit dabei sind unter anderem Tadeus’ ehemalige Lehrerin Sylvie Dudek, sein Musikpädagoge Artur Asryan sowie die befreundeten Ehepaare Tänzer und Herbst.

Ihr Plan ist, Menschen mit Behinderungen einen musikalisch, künstlerisch und handwerklich gestalteten Arbeitsraum anzubieten. „Geplant sind etwa 40 Arbeitsplätze für Erwachsene mit Behinderung und Wohnplätze“, erklärt Plew. Standort soll Ilsede sein, zumindest der Landkreis Peine, damit Freizeitangebote in der Stadt genutzt werden können. Einige Immobilien haben sich die Arcanthus-Mitglieder bereits angesehen, aber noch nichts passendes gefunden.

Schwerpunkt soll auf der musikalischen Förderung, liegen, erklärt Plew: „Wir haben damit gute Erfahrungen gemacht: Tadeus hat durch den Unterricht bei Artur Asryan enorme Fortschritte gemacht.“

Zurzeit ermitteln die Vereinsmitglieder den Bedarf. „Wir haben schon 82 Unterschriften von interessierten Eltern“, freuen sich die Acanthus-Mitglieder. „Wir peilen die 100 an, dann melden wir uns beim Sozialamt an.“ Sollte die Einrichtung genehmigt werden, werden zwei Drittel der Kosten aus öffentlicher Hand gefördert – zum Teil allerdings als Darlehen. Das übrige Drittel muss die Einrichtung selbst tragen – aus Spenden und Erträgen.

Bauchschmerzen haben die künftigen Werkstatt-Gründer nicht: „Ich kenne andere Werkstattgründer persönlich, die gute Erfahrungen gemacht haben“, sagt Plew optimistisch. Außerdem spreche das große Interesse schon jetzt für das Projekt.

Der Acanthus-Verein sucht Sponsoren und Unterstützer. Weitere Infos und Kontakt gibt es über die E-Mail-Adresse acanthus-ev@web.de.

Simon Polreich

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