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Ilsede Unterwegs mit der „Kehrhexe“ und viel Liebe zum Beruf
Kreis Peine Ilsede Unterwegs mit der „Kehrhexe“ und viel Liebe zum Beruf
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22:15 16.05.2014
Nachwuchsschornsteinfegerin Jennifer Misch ist in diesen Tagen in Groß Ilsede unterwegs. Quelle: im
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Erst kürzlich hat die 21-Jährige aus Königslutter ihre dreijährige Ausbildung in Wolfsburg beendet und im Februar ihren Dienst beim Lahstedter Bezirksschornsteinfeger Edmund Barleben begonnen. Ihr Berufswunsch stand bereits mit zehn Jahren fest, erzählt sie, während sie an einer Haustür klingelt.

Alles habe sie bei ihrer ersten Begegnung mit einem Schornsteinfeger fasziniert: die Tracht, die Arbeit, die Freundlichkeit. Letztere kommt ihr ebenfalls entgegen, als die Hausherrin ihr öffnet. Abwechslungsreich sei ihr Beruf, der sie mit vielen Menschen in Kontakt bringe, bestätigt die Frau in Schwarz schlicht. Ein Männerberuf. „Da darf man eben auch nicht zu zimperlich sein“.

Derzeit ist die Schornsteinfegerin mit vorgeschriebenen Messungen an Heizungsanlagen in Groß Ilsede beschäftigt. Die Liebe zum Beruf ist groß: Ab 5.20 Uhr ist sie täglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Königslutter zum hiesigen Einsatzort unterwegs. Den Weg zu den bis zu 20 Kunden, die täglich in Groß Ilsede auf sie warten, bewältigt sie ganz klassisch: zu Fuß. Ihre „wunderbare Arbeit“, bringe sie mit so vielen unterschiedlichen Menschen zusammen, deren Interesse für ihre Tätigkeit sie mit „wissbegierig bis desinteressiert“ beschreibt.

Ihr Werkzeug trägt die Feuerungsexpertin einerseits im Koffer mit sich - als auch an der vorgeschriebenen schwarzen Schutzkleidung, deren Spezialtextil sie vor giftigen Stoffen schützt. Auffällig an ihr ist nicht nur der typische Kehrbesen, die sogenannte „Kehrhexe“, sondern auch die karge Tagesverpflegung. „Ich frühstücke sehr opulent“, sagt die Schornsteinfegerin und lacht. Tagesmahlzeiten bergen für sie die Gefahr von Trägheit und Müdigkeit. Getränke würden ihr zuweilen freundliche Kunden reichen.

„Alles in Ordnung“, beurteilt sie die Messergebnisse und lächelt die Hausherrin an.

Komplizierte Aufgaben gibt es für die dezent geschminkte Feuerstellen-Fachfrau schon aus emanzipatorischen Gründen nicht: Während ein Mann zugeben dürfe, „etwas nicht zu können“, habe diese Aussage von einer Frau einen „ganz anderen Stellenwert“, fügt sie hinzu und klingt fast ein bisschen trotzig.

Zum Abschied gibt’s einen festen Druck der schornsteinfegerinnenschwarzen Hand mit Fingernägeln in Pink. Ein doppelter Glücksfall.

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