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Ilsede St. Bernward: "Tangomesse" begeisterte
Kreis Peine Ilsede St. Bernward: "Tangomesse" begeisterte
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00:16 10.05.2013
Vor rund 170 Zuschauern gab die Cantorei Edemissen die „Tangomesse“ des Argentiniers Martin Palmeri. Quelle: rb
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Der Cantorei gelang es unter der souveränen Leitung von Michael Schwenke, die Zuhörer in ihren Bann zu schlagen. Dabei ist die „Tangomesse“ oder, wie sie richtig heißt, die „Misa a Buenos Aires“ des Argentiniers Martin Palmeri kein einfaches Stück.

Wer beim Stichwort „Tango“ an eingängige Unterhaltungsmusik gedacht hatte, musste schnell umdenken. Palmeri verbindet in seiner lateinisch gesungenen Messe den „Tango Nuevo“, wie ihn Astor Piazolla aus dem argentinischen Tango entwickelt hat, mit der Technik barocken Kontrapunkts. Es entsteht eine reizvolle Mischung aus lateinamerikanischen Rhythmen und Bach’schen Fugen - eine Herausforderung für Chor und Instrumentalisten gleichermaßen. Die Wehmut des Tangos, aber auch seine verborgene Hoffnung, das lateinamerikanische Temperament und jazzige Anklänge verbindet Palmeri mit der langen Tradition lateinischer Messen.

Trotz eines Verhältnisses von 30 Frauen zu 10 Männern schaffte es Schwenke aus dem Chor einen recht homogenen Klangkörper zu formen, dessen hohe Singkultur vor allem in den leiseren Passagen der Messe begeisterte. So etwa in der anrührenden Bitte „Dona nobis pacem“, „Gib uns Frieden“.

Die Spannung, die im Tango liegt, wurde schon im „Kyrie“, im „Herr, erbarme dich“, spürbar. Und sie übertrug sich auch ins „Gloria“, das „Ehre sei Gott in der Höhe.“ Eindrucksvoll das „Credo“, das „Glaubensbekenntnis“, und das in einem reinen Moll-Klang endende „Sanctus“, das dreifache „Heilig“.

Auf die „Misa“ eingestimmt wurden die Zuhörer durch drei Stücke von Astor Piazolla, in denen der Charakter des „Tango Nuevo“ deutlich wurde. Hier wird eindrucksvoll hörbar, dass Piazolla sich intensiv mit der seinerzeit „modernen“ Musik etwa von Ravel oder Strawinsky befasst hat. Makellos umgesetzt wurden die drei Stücke von den Instrumentalisten Vitali Moskalenko (Bandoneon), Walter Köster (Piano) und Julian Mardari (Kontrabass) - als Rhythmus-Gruppe sozusagen.

Auf dieser „Basis“ zeigten Sabine Rau und Antje Vetter (beide Violine), Anna-Sophie Becker (Viola) und Beate Wolff (Violoncello), dass sie sich als „DASKwartett“ seit Jahren mit Tango und Jazz befassen.

Zwei der drei Piazolla-Stücke waren Vertonungen des „Ave Maria“ beziehungsweise eines Gedichts von Horacio Ferrer. In diesen beiden Stücken konnte die junge Mezzosopranistin Ana-Josefina Nickelé ihr großes Talent beweisen. Selbst zur „Hälfte“ Lateinamerikanerin (ihre Mutter stammt aus Chile) fand sie leichten Zugang zu den Texten wie zur herausfordernden Rhythmik Piazollas.

Langanhaltender Applaus forderte am Ende nach Zugaben. „DASKwartett“ spielte den „Final Tango“, eine Eigenkomposition. Mit einer Wiederholung des „Sanctus“ endete das Konzert.

rd

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