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Schatzsuche im „Gasthaus Kummer“

Ölsburg Schatzsuche im „Gasthaus Kummer“

Eine lange Tradition in Schutt und Asche: Das alte „Gasthaus Kummer“ in der Ölsburger Schäferstraße ist dem Erdboden gleich gemacht. Doch kurz vor dem Abriss machte PAZ-Redakteur Simon Polreich mit dem Hobby-Archäologen und Schatzsucher Siegfried Skarupke noch ein paar tolle Funde zwischen Keller und Dachboden. Ein Erfahrungsbericht.

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Bilder vergangener Zeit: Siegfried Skarupke und Simon Polreich waren im inzwischen abgerissenen Gasthaus unterwegs (oben), fanden dabei sogar jahrzehntealte Nacktbildchen. – Auf Schatzsuche in dem Wohnbereich (Bilder unten) des Kriegsgefangenen „Johann“ und dabei fündig geworden (v.l.): Siegfried Skarupke präsentiert eine Packung Hannoveraner Zigaretten der Marke „Orplid grün“, wahrscheinlich aus den 1920er Jahren, sowie alten Festschmuck, 100 Jahre alte Bierflaschen und eine Sammlung von Kyffhäuser-Liederbüchern

Quelle: im

Ölsburg. Muffig und staubig ist die Luft im ehemaligen Gasthaus Kummer, der Boden übersäht mit Schuttresten. An einkehren, Geselligkeit bei Speis’ und Trank ist beim besten Willen nicht zu denken. Eher daran, an die frische Luft zu flüchten, denn es ist düster und unheimlich im „Kummer“: Durch die braunen Buntglasscheiben fällt schummeriges Tageslicht auf Möbelschrott und Spinnenweben.

Genau das also, was Siegfried Skarupke liebt. Der Ölsburger Schatzsucher hat sich eine Stirnlampe aufgesetzt und ist in einer dunklen Luke verschwunden – sie führt unter ein Podest am Ende des Saals. „Das ist die ehemalige Bühne“, sagt er beim Abstieg. Kurz darauf kommt er mit ein paar leeren Flaschen zum Vorschein. „Sie tragen das Siegel ‚W. Welge Oelsburg‘“, stellt er fest. Bügelflaschen der gleichen Art entdeckte Skarupke bereits 2010 in einem versiegelten Raum der Gaststätte. Der ehemalige Besitzer Welge hatte sie sich vor mehr als 100 Jahren anfertigen lassen (PAZ berichtete).

Nächste Station der Schatzsuche: Der Dachboden. Dort soll – das weiß Skarupke von Christa Kummer, der letzten Betreiberin des Gasthauses – zeitweise ein Kriegsgefangener gelebt haben. „Johann hieß der“, so Skarupke, der auch schon einmal einen Blick in das Dachgeschoss geworfen hat.

Es geht nach draußen: Über eine Holzleiter steigen wir aufs Dach und von dort auf den Boden, denn eine Treppe gibt es schon lange nicht mehr – der Dachboden wurde jahrzehntelang nicht betreten.

„Johann war Pole“, erzählt Skarupke während des Aufstiegs. „Er kam im Ersten Weltkrieg hierher und wurde zu landwirtschaftlichen Arbeiten eingespannt. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg verließ er Ölsburg wieder – offensichtlich recht plötzlich, denn er hat alles stehen und liegen lassen.“

In der Tat: In „Johanns Reich“, das sich über dem nördlichen Teil des Saals erstreckt, finden wir zahlreiche historische Hinterlassenschaften: Etwa 20, teils halb zerfallene Kyffhäuser-Liederbücher. Darin: Texte und Noten zu „In der Heimat“, „Von Liebeslust und Leid“, „Fröhliches Handwerk“, aber auch Nazi-Lieder von NSDAP-Dichter Horst Wessel. In einer anderen Ecke steht ein alter Ofen, daneben ein verstaubter leerer Kleiderschrank.

„Das war offensichtlich die Wohnstube von Johann“, meint Skarupke. Auf dem Boden finden wir Überreste eines englischen Carepakets. Wenige Schritte weiter liegt ein angefaulte Strohmatratze, daneben zerfledderte ausgeblichene Nacktbildchen – gezeichnet im Stile der 1940er oder 1950er Jahre.

„Keine wirklichen Schätze, aber ein paar interessante Kleinigkeiten“, sagt Skarupke nach einer halben Stunde auf dem Dachboden schmunzelnd. Und dann zeigt er noch ein Kleinod, dass er bereits bei seinem ersten Besuch entdeckt hat: Eine fast volle Packung Zigaretten der Hannoveraner Firma „Continental“, Marke „Orplid grün“ – aus dem Jahr 1929, schätzt er, denn der Preis ist gekennzeichnet mit „700 Pfennig das Stück“.

Diese und viele weitere „Erinnerungsstücke“ hat der Ölsburger Schatzsucher dem Kreismuseum Peine, Stederdorfer Straße 17, zur Verfügung gestellt. Auch im Rathaus Ilsede in der Eichstraße sind Fundsachen ausgestellt.

sip

Die Geschichte des Gasthauses geht bis 1870 zurück: Damals wurde aus einem Brinksitzerhaus das Gasthaus Carl Bosse. Es folgten Wilhelm Welge (1865 bis 1941), Bruno Kummer und weitere Nachbesitzer, bevor es vor etwa sieben Jahren geschlossen wurde. Der aktuelle Besitzer Andreas Vetter aus Ölsburg hat das Gasthaus abreißen lassen. Er will aus dem erworbenen Grundstück zwei Bauplätze für Einfamilienhäuser machen und diese zum Verkauf anbieten.

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