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Iranerin ist in Adenstedt ein „Griechenmädchen“

Gelungene Integration Iranerin ist in Adenstedt ein „Griechenmädchen“

Die Iranerin Mehrnoosh ist seit Februar Mitglied bei den Adenstedter „Griechenmädchen“, der weiblichen Junggesellschaft. Nach Deutschland kam die 23-Jährige im Dezember 2015 als Flüchtling. Nun hat sie den festen Willen, sich in Deutschland zu integrieren, und wird mit offenen Armen aufgenommen.

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Mehrnoosh (l.) gehört bei Heike Pittel schon fast mit zur Familie. Kleines Foto: Die 23-Jährige als Adenstedter „Griechenmädchen“.
 

Quelle: Thorsten Pifan / Privat

Adenstedt. Mehrnoosh (23) freut sich schon riesig auf das Schützenfest in Adenstedt. Denn zum ersten Mal feiert die Iranerin das Fest in dem Dorf als „Griechenmädchen“. So nennen sich die jungen Frauen aus Adenstedt, die sich 1978 in einem Verein zusammenschlossen. Seit Februar ist Mehrnoosh, die erst im Dezember 2015 als Flüchtling nach Deutschland kam, mitten drin.

Über die Gründe ihrer Flucht möchte sie öffentlich nicht sprechen. Inzwischen hat sie sich taufen lassen, bei Pastor Burkhard Kugelann in der Adenstedter St.-Briccius-Kirche. Betreut wird sie vom Verein „Ilsede hilft“, dem Mehrnoosh sehr dankbar ist, insbesondere der Familie von Heike Pittel. Mit deren Tochter Josephine kam sie auch zu den „Griechenmädchen“ im Ort.

Tanzen auf Tischen und Stühlen

„Ein bisschen Angst hatte ich schon vor der Aufnahme-Prozedur“, sagte Mehrnoosh. Am Ende war es aber gar nicht schlimm, verrät sie. Ihren ersten Einsatz im Kostüm, das einem antiken griechischen Gewand nachempfunden ist, hatte Mehrnoosh schon – beim Schützenfest in Oedelum, inklusive Tanzen auf Stühlen und Tischen. So ausgelassen hat die junge Frau zum ersten Mal in ihrem Leben gefeiert.

Dass Mehrnoosh bei den „Griechenmädchen“ dabei ist, hat aber auch einen durchaus ernsten Hintergrund: „Ich will mich integrieren und nicht zuhause sitzen und sagen, dass ich eine Ausländerin bin und bei den hiesigen Gebräuchen und Sitten nicht mitmache“, sagte sie im Gespräch mit der PAZ. Im Iran lebte Mehrnoosh in der Hauptstadt Teheran und hatte einen großen Freundes- und Bekanntenkreis. Deshalb fühlt sie sich in der Gemeinschaft auch wohl, wenn die Adenstedter „Griechenmädchen“ sich treffen oder unterwegs sind.

Vorbereitung auf das Studium in Hildesheim

Manchmal ist es allerdings auch schwer, auf dem Land zu leben. Mehrnoosh bereitet sich zurzeit auf ein Studium in Hildesheim vor und muss dafür zunächst mit der Bahn von Peine aus nach Hannover fahren, um dann nach Hildesheim zu kommen. Dafür ist sie fast drei Stunden täglich unterwegs. Im Iran hatte sie zwar einen Führerschein, aber sie muss die Prüfung hier wiederholen. Das ist ihr nächstes großes Ziel.

PAZ-Info: Die Adenstedter „Griechenmädchen“

Die Adenstedter „Griechenmädchen“ gründeten sich 1978 und wollten der Junggesellschaft seinerzeit etwas entgegen setzen. Bei der Namenssuche kamen sie schnell auf die „Griechenmädchen“, denn Adenstedt wird im Volksmund oft Griechenland genannt. Der Hintergrund: Die Adenstedter waren schon vor langer Zeit dafür bekannt und berüchtigt, mit ihrem Eisenerz so schlau zu handeln, wie die alten Griechen. Besonders bei Fastnacht und Schützenfesten sind die „Griechenmädchen“ mit dabei. Sie schießen sogar eine eigene Königin aus, die dann keine Scheibe, sondern eine Vase gewinnt.

Integration in Deutschland

Mehrnoosh (23) kam im Dezember 2015 nach Deutschland. Aufgewachsen ist sie in Teheran, der Hauptstadt des Iran. Dort begann sie sogar schon ein Studium. Über die Gründe ihrer Flucht möchte sie nicht in aller Öffentlichkeit reden. Zuerst strandete die junge Frau in einem Flüchtlingsheim in Braunschweig und kam schließlich nach Adenstedt.

Dort kam sie schnell in Kontakt mit dem Team vom Verein „Ilsede hilft“ und lernte auch Heike Pittel kennen, die sich dort sehr engagiert. Der Verein organisierte die Wohnungseinrichtung, die Helfer kümmerten sich aber auch um die Integration. „Ohne Heike hätte ich den Deutsch-Kurs nie geschafft“, sagt Mehrnoosh. Im Iran hat die junge Frau Industrie-Design studiert. Hier in Deutschland will sie das Studium fortsetzen. Dafür braucht sie aber noch Papiere aus ihrer Heimat, für die sie rund 600 Euro Gebühren zahlen muss. „Wir sind gerade dabei, das Geld zu organisieren“, sagte Pittel.

Seit rund sechs Monaten ist Mehrnoosh in festen Händen. Ihr Freund ist Deutscher und lebt in Brandenburg, er besucht sie, so oft er kann. Das große Ziel von Mehrnoosh ist es, demnächst in Deutschland wieder mit dem Studium zu beginnen – vielleicht klappt es ja sogar schon zum Beginn des kommenden Wintersemesters.

von Thorsten Pifan

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