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Himmelsstürmer mit Leinenzwang

Drachenfest in Ilsede Himmelsstürmer mit Leinenzwang

Windstärke eins reichte den Drachenfliegern des dritten Drachenfests auf dem Hochofenplateau der Ilseder Hütte, um Flugobjekte jeder Größe steigen zu lassen. So wie der meterlange rot-schwarz gefärbte Gecko – um ihn zu bändigen waren drei Männer nötig.

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Ein Mann reicht, um den Gecko festzuhalten – in die Luft gebracht wurde er von Dreien.

Quelle: im

Kreis Peine. Ein paar Meter weiter hatte Matthias Grimm aus Münstedt seinen acht Quadratmeter großen Drachen hochgezogen. In der Leine des großen Standdrachens, der bei Windstärke sechs 45 Kilo zieht, hing eine wenige Gramm schwere Fotokamera: Grimm betreibt „kite aerial photography“, also Drachen-Luft-Fotografie. Der Zugdrachen ist Marke Eigenbau, die Idee dazu stammt aus Braunschweig. Ralf Beutnagel hatte dazu ein Exemplar entwickelt, das möglichst wenig taumelt. Nur so sind scharfe Aufnahmen möglich. „Bei dem, was man selber baut, weiß man, das es taugt“, erklärt Beutnagel seine Bastelleidenschaft.

Aber auch wer nicht so professionelle Himmelsstürmer sein eigen nennt, war in Groß Ilsede willkommen: „Egal, ob die Leute ihren Drachen im Supermarkt gekauft haben oder ihn selber genäht haben. Hauptsache, der Himmel ist bunt“, sagte Michael Grabsch, Geschäftsführer des Planungsverbandes, der das Fest zum dritten Mal gemeinsam mit dem Peiner Drachenclub „Colors in the Sky“ organisiert hatte.

Kinder, die ohne Drachen gekommen waren, konnten sich vor Ort einen bauen: Anmalen, ausschneiden, Stäbe und Schnur ankleben und schon ging‘s raus auf die Wiese für die ersten Flugversuche. „Wir haben 110 Bastelsets vorbereitet, das sind zehn mehr als in den letzten Jahren“, sagt Sabine Lange vom Drachenclub Peine. Beim letzten Mal war der Ansturm so groß gewesen, das einige Kinder nicht hatten mitbasteln können.

Außerdem bemalten die jungen Besucher viereckige Segel für eine „Hamburger Kette“, die noch vor Ort zusammengenäht und in die Luft gelassen wurde. Die nebeneinander angebrachten Diamantdrachen bildeten einen bunten Bogen, der bei den nächsten Festen fortgesetzt werden soll.

Am Nachmittag ging es dann kämpferisch zu: Zehn Besucher traten mit Rokkakus gegeneinander an (siehe Hintergrund). Das bunte Treiben auf dem Hochofenplateau zog Hunderte Besucher an.

Drachenfest Meerdorf

Klein, aber ansehnlich war die bunte Drachenschar, die trotz Dauerregens über dem Meerdorfer Sportplatz schwebte. Etwa 100 Besucher kamen im Laufe des Tages, um selbst einen Drachen steigen zu lassen, den Herbstmarkt zu besuchen oder die bunten Flugobjekte am Himmel zu bestaunen. Viele nahmen dafür auch weitere Strecken in Kauf – wie der Freundeskreis der Meerdorfer „Freekiter“ Susanne Franz-Biehs und Hans-Joachim, kurz Hanjo, Biehs. Sie hatten zwei Anhänger voller Drachen mitgebracht, etwa 250 Stück, alle selbstgenäht. „Wahre Drachenfreunde lassen sich von schlechtem Wetter nicht abschrecken“, lautete ihr Kommentar. Mit dabei war auch Andreas Möhring, der mit seinem Multiflair-Drachen eigens aus Flensburg anreiste.

„Der Multiflair macht bei wenig Wind recht viel Zug und wird gern zum Liften von Dingen genommen“, erklärte er, „zum Beispiel von verunglückten Drachen.“ Denn ebenso wie Schiffe können auch Drachen, die per Gesetz als Luftfahrzeuge gelten, in Not geraten, in einem Baum hängen bleiben oder über unwegsamem Gelände abstürzen. Dann kommt Möhrings 3 mal 2 Meter großer, majestätischer „Lifter zur Rettung havarierter Drachen“, zum Einsatz. „Er ist ein reines Arbeitstier“, sagte Möhring lachend.

Viel Spaß hatte Hanna mit ihrem „Sterni“. Der blaue Drache mit den gelben Himmelskörpern hüpfte in der Luft, schlug Kapriolen und trudelte wieder zu Boden. Gemeinsam mit ihrer Mutter Bettina Ullmann ließ ihn die Fünfjährige begeistert immer wieder steigen.
Wegen des schlechten Wetters musste die geplante Drachenbonbonfähre ausfallen, doch auch sonst gab es für die Besucher viel zu entdecken. Außer einem Stand mit Getränken, Bratwurst und Waffeln gab es eine Tombola, einen kleinen Herbstmarkt, auf dem Windspiele, Drachen, Edelsteine und Schmuck feilgeboten wurden sowie ein Bastelangebot des Kindergartens Meerdorf. Bunte Fähnchen für den Garten konnten nach Herzenslust bemalt werden. Liska hatte sich eine gelbe Fahne ausgesucht und mit den Namen aller Familienmitglieder verziert. „Die kommt in mein Zimmer“, sagte die Sechsjährige stolz.

Organisiert wurde das Drachenfest zum fünften Mal vom Förderverein „Hand in Hand“ der Grundschule Meerdorf. „Es sind etwa ein Drittel der Besucher, die wir sonst haben. Vermutlich können wir die Kosten decken, aber viel wird nicht übrig bleiben“, zog die Vorsitzende Susanne Rak Bilanz. Mit dem Erlös des Festes soll ein Projekt an der Grundschule gefördert werden.

Hintergrund Rokkaku-Kampf

Der Rokkaku ist ein sechseckiger Kampfdrache mit einer Leine, der aus Japan stammt. Von dort kommt auch die Tradition, mit den Flugobjekten gegeneinander zu kämpfen.

Während ursprüglich angeblich Streitigkeiten zwischen zwei Dörfern ausgetragen wurden, geht es heute nur noch um den Spaß.
Ziel des Rokkakukampfes ist es, mit geschickten Manövern so in die gegnerischen Drachen hineinzufliegen, dass diese abstürzen, der eigene jedoch am Himmel bleibt. Wer seinen Himmelsstürmer am längsten in der Luft hält, siegt. Dabei gilt: Gekämpft wird nur in der Luft. Treten, beißen oder andere Übergriffe am Boden sind tabu.

Von Mirja Weber und Wiebke Schwarze

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