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Ilsede Eine gebürtige Groß Ilsederin im Bundestag
Kreis Peine Ilsede Eine gebürtige Groß Ilsederin im Bundestag
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22:00 10.11.2017
Anna Christmann.  Quelle: STEFAN KAMINSKI
Groß Ilsede

 „Auch auf dem Dorf gab es früher schlechte Luft“, sagt Anna Christmann. Die 34-Jährige ist in Groß Ilsede aufgewachsen, ihre Eltern betreiben heute ein IT-Unternehmen auf dem ehemaligen Hüttengelände. „Früher lagen oft graue Staubschichten auf den Autos, wenn die Kokerei wieder Hochbetrieb hatte. Einer der Gründe, warum ich mich früh für grüne Politik begeistert habe.“

Als Schülersprecherin am Gymnasium Groß Ilsede setzte sie sich für Belange ihrer Mitschüler ein und arbeitete an der Schülerzeitung mit. Dass sie bei einer Bildungsfahrt mit dem Peiner SPD-Bundestagsabgeordneten Hubertus Heil nach Berlin ihren künftigen Arbeitsplatz kennenlernen würde, ahnte Christmann damals nicht. Während des Studiums in Heidelberg trat sie 2003 der Partei Bündnis 90/die Grünen bei und arbeitete für eine grüne Landtagsabgeordnete. Zunächst studierte sie Mathematik, schwenkte nach dem Vordiplom aber auf Politikwissenschaften um.

Eine Zeit lang lebte sie in Zürich und in Kalifornien, um ihre Promotion zu schreiben. Das Thema: Die Grenzen direkter Demokratie.

Der Volksentscheid ist eine Idee, die sie von dort mitgebracht hat. „Ich halte ihn für ein sehr sinnvolles Instrument“, sagt Christmann. „Bürgern Vertrauen zu schenken, macht Demokratie aus.“ Der Volksentscheid habe aber auch Grenzen, wie etwa in der Schweiz beim Minarett-Entscheid zutage getreten. „Da müssen ein starkes Grundgesetz und Bundesverfassungsgericht Grenzen setzen“, so die 34-Jährige. Beides sei in Deutschland gegeben. „Wir sollten uns mehr zutrauen und die bundesweite Volksinitiative einführen.“

Als Winfried Kretschmar in Baden-Württemberg erster grüner Ministerpräsident wurde, ging Christmann nach Stuttgart. Sie arbeitete im Wissenschaftsministerium. Auch wenn sie in Deutschlands heimlicher Autohauptstadt lebt: Ein Auto hat sie nicht. „Ich hatte nur in meiner Zeit in Kalifornien ein Auto“, sagt sie und lacht. „Dort ist es schwierig, sich ohne zu bewegen.“ In Stuttgart dagegen komme man gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln und Fahrrad aus.

Und so pendelt sie zwischen Bundestagssitzungen in Berlin und ihrer Wahlheimat Stuttgart, wo sie mit Mann und Tochter (5) lebt.

„Es klappt ganz gut“, sagt sie über ihren persönlichen Lebensalltag in der Balance zwischen Familie und Beruf. Ihr Mann arbeite reduziert. „Es wird immer noch erwartet, dass Frauen auf Teilzeit gehen“, sagt sie. Männer müssten sich häufig rechtfertigen, wenn sie nicht Vollzeit arbeiten wollten. Auch das sei in Zürich anders. „Da muss sich hier noch mehr verändern“, ist Christmann überzeugt.

In Groß Ilsede hat sich schon viel geändert: „Die Luft ist mittlerweile gut – die Kokerei gibt es schon lange nicht mehr“, sagt Christmann. „Höchste Zeit auch für saubere Luft in unseren Städten – allen voran in meiner neuen Heimat Stuttgart.“

Von Mirja Polreich

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