Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Ilsede "Biosprit ist biblisch gesprochen eine Sünde"
Kreis Peine Ilsede "Biosprit ist biblisch gesprochen eine Sünde"
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:09 24.08.2012
Der Solschener Theologe Eckehard Fröhmelt kritisiert den Biosprit E 10. Quelle: Oliver Berg

„Biosprit darf keine unkritische Zukunft haben. Es ist biblisch gesprochen eindeutig Sünde, wenn Menschen hungern müssen, nur weil andere damit ihren Autotank füllen“, sagt der evangelische Pastor in Ruhe, Eckehard Fröhmelt, aus Solschen. In den Vereinigten Staaten würden schon 40 Prozent des Maises in den Tank kommen, weil sich damit mehr Geld verdienen lasse als mit der Nahrungsmittel-Produktion. „Reines Profitdenken muss national und international geächtet werden. Zurzeit steht es leider zu oft im Vordergrund“, sagt der Geistliche. „Es ist biblisch auch Sünde, wenn mit dem Hunger von Menschen an Börsen mit dem Auf und Ab von Getreidepreisen spekuliert wird.“

In diesem Zusammenhang kritisiert der Solschener auch die Aussagen des katholischen Pfarrers Thomas Blumenberg aus Peine. Dieser hatte in Bezug auf den Biokraftstoff E 10 kürzlich in der PAZ erklärt, dass er diesen Kraftstoff nicht kategorisch ablehne. Sei die Ernte-Situation so gut, dass am Ende Getreide vernichtet werde, wäre es fahrlässig, dieses nicht zur Herstellung von Kraftstoff zu verwenden.

„Auf dieser Erde wird es nie mehr Lebensmittelüberschüsse geben, sie gibt es nur aus dem Blickwinkel der Satten. Biosprit dient einzig und allein der energetischen unersättlichen Gefräßigkeit der wohlhabenden Länder, anderswo in der Welt bedeutet dies Landraub und Hunger“, kritisiert Fröhmelt, der dazu aufruft, endlich die „regionale Brille“ abzunehmen. „Die Welt ist inzwischen ein globales Dorf, die hungernde Familie in Burkina Faso ist mein ferner Nächster, der meine Hilfe braucht.“

Die Kirche dürfe sich nicht mit einem „Sowohl als auch“ absichern, sondern müsse sich in die erste Reihe der Kritiker stellen. Zu lange habe die Kirche meist auf Seiten der Mächtigen gestanden, wie es heute eben vor allem Konzerne und Banken sind. Damit müsse auch im Hinblick auf den Biosprit endlich Schluss sein. „Ich bin kein Linker, nur ein dem biblischen Glauben verpflichteter Theologe. Aber bei der Frage um Biosprit geht es letztendlich um Sein oder Nichtsein von vielen Millionen Menschenschicksalen“, sagt der Solschener. „Leere Teller für die einen und voller Tank für die anderen, ist christlich gesprochen Sünde. Hier ist Kirche eindeutig gefordert.“

mu