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Ilsede Aus der Tiefschlafphase an die Feuerfront
Kreis Peine Ilsede Aus der Tiefschlafphase an die Feuerfront
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23:00 18.09.2014
Büchler, Ilsede, Feuerwehr Geschichte für Ulli Jaschek Quelle: rb

Etwa eine Minute zuvor war über den Notruf 112 der Einsatzleitstelle in Braunschweig ein Feuer in Groß Ilsede gemeldet worden. Bereits kurz danach schlagen bei den freiwilligen Einsatzkräften die digitalen Funkmeldeempfänger auf den Nachtschränken Alarm.

„Hose, Socken, T-Shirt, Schuhe und los“, zählt Marco Welzel (40), stellvertretender Ortsbrandmeister, auf. Sekunden später sitzt er bereits im Auto auf dem Weg zum Feuerwehr-Gerätehaus an der Dorfstraße. Dort herrscht bereits routinierte Betriebsamkeit vor den Spinden, die Kameraden und Kameradinnen streifen sich bereits die Einsatzkleidung über.

Vier Minuten nach dem Alarm übermittelt Welzel der Einsatzleitstelle die Einsatzstärke und das Ausrücken zum Brandort. Die Blaulichter der drei Einsatzfahrzeuge zucken, die in festgelegter Reihenfolge mit Martinshorn zum Brandort ausrücken.

Ein Alarmstichwort und unterschiedliche Alarm-Töne auf dem Funkmeldeempfänger haben die Helferinnen und Helfer bereits auf diesen Einsatz vorbereitet: „Feuer klein“. Das entpuppt sich als Brand eines Papier-Containers, pikanterweise direkt an einer Hauswand.

„Klar wird bei der Alarmierung auch meine Frau, manchmal die ganze Familie wach“, sagt Welzel, grinst und beschreibt die Schlafzimmer-Routine: „Meine Frau schaltet den Alarm aus, während ich schon fast angezogen bin.“

Gemurrt werde über die mutmaßliche Brandstiftung weder daheim noch während des Einsatzes, erzählt der Brandbekämpfungs-Experte. Die Feuerwehr sei eben kein Sportverein, präzisiert er, „da wird im Einsatz nicht diskutiert“.

In diesem Fall: Container löschen und Hauswand kühlen. Ein Glücksfall, dass die Groß Ilseder Wehr aus den Spendenerlösen ihres Fördervereins kürzlich eine Wärmebildkamera anschaffen konnte.

Nach gut einer Stunde kehren die Feuerwehrleute in das Domizil an der Dorfstraße zurück. Beendet ist der Einsatz allerdings erst, wenn persönliche Ausrüstung und Fahrzeuge wieder einsatzbereit sind. Um 5.30 Uhr kuschelt sich der Ortsbrandmeister wieder in sein Bett. Um 5.40 meldet sein digitaler Funkmeldeempfänger erneut: „Feuer klein“. Die Sirene heult - und: siehe oben.

„Klar ist man dann auch mal grantig“, gibt Welzel zu, wenn er auch froh sei, wenn kein Gebäudebrand angezeigt wird oder womöglich Menschen in Gefahr sind. „Wenn im Dorf ein Haus brennt, trifft man zwangsläufig Bekannte und Freunde und ist natürlich besonders angespannt“, sagt er. Die Arbeitgeber des freiwilligen Feuerwehrpersonals hätten übrigens Verständnis für das Engagement ihrer Mitarbeiter, sodass es tagsüber zu keinen Problemen bei der Freistellung komme.

Manchmal seien familiäre Freistellungen schwieriger. Bei der Erstkommunionfeier seiner Tochter musste man vor drei Jahren wegen eines Alarms zwei Stunden ohne den Papa auskommen. Denn wenn es brennt, muss es schnell gehen. Von jetzt auf gleich. Oft ohne zu wissen, wie schlimm es wirklich wird.

uj