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Hohenhameln Wie Uroma sich amüsierte
Kreis Peine Hohenhameln Wie Uroma sich amüsierte
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22:30 24.05.2013
Helmut Ruthemann sammelt Grammophone - und stellt sie in einem privaten Museum in Groß Lobke aus. Quelle: sz

260 Grammophone - anfangs auch Sprechmaschinen genannt - sowie einen Phonographen und eine Spieluhr aus dem Zeitraum von 1890 bis 1940 hat Helmut Ruthemann in dem kleinen Fachwerkhaus im Algermissener Ortsteil Groß Lobke zusammengetragen. Der 70-jährige gebürtige Hildesheimer hat sie 40 Jahre lang gesammelt und macht sie in seinem nicht alltäglichen Museum seit zehn Jahren der Allgemeinheit zugänglich. „In dieser Zeit habe ich 10000 Besucher hindurchgeführt“, erklärt der Sammler stolz. „Das ist mein Lebenstraum, und meine Frau hat mich von Anfang an dabei unterstützt.“

Die Jahrhundertwende und die mondänen zwanziger, dreißiger und vierziger Jahre werden wieder lebendig in den allesamt funktionstüchtigen Geräten aus Deutschland, England und vor allem Amerika. Da gibt es musikalische Lampen wie die mit rosarotem Stoff und Fransen bezogene „Capitol Phonolamp“, die eher an einen beleuchteten Frisiertisch erinnert, das Koffergrammophon zum Aufklappen von 1928 für 26 oder 28 Reichsmark und das „Arbeiter-Grammophon“ in einer Pappschachtel, das schon für 10 bis 15 Reichsmark zu haben war. Zum Vergleich: Der Arbeitslohn eines Maurers betrug damals 33 Pfennig. Im Museum sind herrliche Trichtergrammophone zu sehen und die dazugehörigen Schelllackplatten, die größte davon mit einem Durchmesser von 50 Zentimetern. Die „Peter-Pan-Clock“, ein Weck-Grammophon von 1926, ist zu sehen und zu hören, und im Kinderzimmer steht ein Kinder-Grammophon für den Nachwuchs der Reichen, auf dem ein Paar schwarzer Tänzer zappelt.

„Die Faszination für diese Geräte hat mich gepackt, als bei einer privaten Party mal der Strom ausfiel und der Gastgeber das alte Grammophon von der Oma hereinholte“, erzählt Ruthemann. Dem Reiz und dem erstaunlichen Klang der Unterhaltungsgeräte können sich die älteren Besucherinnen nicht entziehen, wenn die alten Weisen erklingen und der Museumschef Anekdoten dazu erzählt. „Jüngere Besucher wollen oft wissen, wo die Batterie oder der Akku versteckt sind“, schmunzelt Ruthemann. Nur eines wurmt ihn: Dass die Deutschen so gewissenhaft das Swing-Tanz-Verbot der Nazis befolgten. „Swingplatten aus jener Zeit sind kaum aufzutreiben.“

sz

INFO

Museum feiert Ende Juni Jubiläum

Anfahrt: Groß Lobke und das Grammophon-Museum sind von Hohenhameln aus nicht schwer zu erreichen: Die Strecke ist nur fünf bis sechs Kilometer lang – und eignet sich damit hervorragend für einen Fahrrad-Ausflug. Der Weg führt entweder über Clauen und dann an der Landesstraße 411 entlang nach Groß Lobke oder zunächst durch Harber und dann stracks durch die Feldmark Richtung Westen.

Öffnungszeiten: Von April bis September ist das Grammophon-Museum jeden Sonntag von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Gruppen können es nach vorheriger Anmeldung auch unter der Woche besuchen.

Angebot: Wo es in Groß Lobke etwas zu essen und zu trinken gibt, kann am besten Museumschef Helmut Ruthemann sagen – ansonsten kann für den Rad-Ausflug auch ein Picknickkorb gepackt werden. Am Sonntag, 30. Juni, soll ab 10 Uhr das zehnjährige Bestehen gefeiert werden – mit irischer Folk-Musik, Kaffee, Kuchen und Gegrilltem.

Kontakt: Das Grammophon-Museum befindet sich im Algermissener Ortsteil Groß Lobke am Rottenweg 8. Ansprechpartner ist Helmut Ruthemann: Zu erreichen ist er unter Telefon 05126/1069 oder per E-Mail an ruthemann@web.de.

sz