Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 2 ° Schneeregen

Navigation:
„Viele haben meine Sucht nicht bemerkt“

„Viele haben meine Sucht nicht bemerkt“

Marco Zöllner ist erst 41 Jahre alt – und hat schon mehr als 20 Jahre Alkoholsucht hinter sich. Als Teenager fing er an, sich regelmäßig zu betrinken. Seit drei Jahren ist der Hohenhamelner trocken – und jetzt gründet er eine Selbsthilfegruppe.

Voriger Artikel
Tankstellen-Räuber zückt Pistole
Nächster Artikel
Völkerverständigung unter Stedumern

Alkohol-Abhängigkeit: Von dieser Sucht loszukommen – das ist nicht leicht.

Quelle: archiv

Hohenhameln . „In der Schule war ich ein Außenseiter, ich wurde gemobbt und herumgeschubst“, sagt Marco Zöllner. Mit 14 rutschte er in eine Clique, fand dort Freunde – und machte Bekanntschaft mit Bier und Sangria. „Hätte mich damals jemand auf mein Trinkverhalten angesprochen, er wäre auf taube Ohren gestoßen“, sagt Zöllner. Doch niemand sprach ihn an. „Meine Eltern haben die Fahne nie gerochen“, sagt er. „Die haben damals selbst getrunken.“ Inzwischen sind die Eltern trocken – und wissen auch von der Sucht des Sohns. Gestanden hat er sie allerdings erst vor drei Jahren, nachdem er selbst mit dem Trinken aufgehört hatte.

„Viele haben gar nicht gemerkt, dass ich Alkoholiker bin“, sagt Zöllner. Vor Partys habe er oft mit zwei Litern Bier vorgetankt. „Meine Freunde dachten dann, ich vertrage kaum etwas.“ Auch der Chef merkte nichts – sonst wäre der gelernte Restaurantfachmann längst seinen Job und seinen Führerschein los. Oft stieg er mit Restalkohol in den Lastwagen, mit dem er am frühen Morgen Brötchen auslieferte. Seine Ex-Frau versuchte er zu täuschen, indem er Wodka trank statt Bier. „Davon bekommt man nicht so eine Fahne“, sagt Zöllner.

Die Ehe ging dennoch in die Brüche – und für Zöllner war das der Auslöser, endlich Schluss zu machen mit dem Alkohol. Dabei konnte er sich ein Leben ohne Rausch lange nicht vorstellen. „Ich dachte mir: Wie sollen dann bloß die Partys werden?“ Doch auch heute legt Zöllner gelegentlich als DJ bei Hochzeiten und Geburtstagen auf: „Und ich finde, nüchtern geht das sogar besser.“

Von einem Tag auf den anderen schaffte er mit 38 Jahren den Ausstieg. „Ich habe schon vorher oft ans Aufhören gedacht, aber es nie ernsthaft versucht“, sagt er. Am 7. Januar 2007 sei er dann zu seinem Hausarzt gefahren und habe ihm das Alkoholproblem gestanden. „Ich musste es einfach jemandem sagen“, erzählt Zöllner. „Dann habe ich einfach aufgehört und hatte nicht einmal Entzugserscheinungen.“ In die Klinik wollte er damals nicht. Heute sagt er: „Das war gefährlich. Man ist ja auch körperlich abhängig. Ich hätte epileptische Anfälle bekommen können.“
Ab April leitet Marco Zöllner eine Selbsthilfegruppe, um anderen Süchtigen zu helfen. „Ich habe nicht viel geschafft in meinem Leben“, sagt er. „Aber ich bin abstinent, und darauf bin ich stolz.“

Susann Reichert

Stichwort

Sucht-Selbsthilfegruppe Hohenhameln

Auch wenn Marco Zöllner mit seiner eigenen Lebensgeschichte sehr offen umgeht – er versichert: Was in der Selbsthilfegruppe erzählt wird, dringt nicht nach außen. Die Gruppe solle dazu dienen, sich Probleme von der Seele zu reden und sich auszutauschen, sagt er. Den Namen „Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe“ nimmt er wörtlich, denn aus der Gruppe sollen Freundschaften entstehen. „Viele Süchtige verlieren ihr Umfeld, wenn sie aufhören“, sagt Zöllner – bei ihm selbst sei das nicht anders gewesen. Neben Alkoholikern und deren Angehörigen seien auch Menschen willkommen, die spielsüchtig sind oder Probleme mit Drogen haben. „Die Süchte ähneln einander sehr“, sagt Zöllner. „Jeder ist willkommen, egal welches Suchtproblem er hat.“ Der trockene Alkoholiker will seine guten Erfahrungen weitergeben – doch er versteht auch Menschen, denen der Ausstieg schwerer fällt. Denn auch Zöllner hat noch ein Suchtproblem: Bis heute hat er es nicht geschafft, mit dem Rauchen aufzuhören. Am Mittwoch, 7. April, trifft sich die Gruppe offiziell zum ersten Mal im Jugendraum des evangelischen Gemeindehauses Hohenhameln. Dort kommt sie jede Woche von 18 bis 20 Uhr zusammen. Zöllner ist unter der Telefonnummer 05128/4493 und per E-Mail an fks-hohenhameln@freenet.de zu erreichen.

sur

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Hohenhameln
7a85f416-d829-11e7-9deb-d9e101ec633c
Erster Schnee im Peiner Land

In der Nacht vom Samstag auf Sonntag hatte sich eine dicke Schneedecke über das Peiner Land gelegt. Hier gibt es die besten Schnappschüsse...

Veranstaltungen

Welche Veranstaltungen und Termine gibt es im Peiner Land? In unserer Datenbank finden Sie alle Infos. mehr