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Hohenhameln Sucht: „Wer Hilfe braucht, dem helfen wir“
Kreis Peine Hohenhameln Sucht: „Wer Hilfe braucht, dem helfen wir“
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23:00 01.08.2013
Bei allen Suchterkrankungen bietet der Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe Hohenhameln Hilfe zur Selbsthilfe. Ansprechpartner und Gruppenbegleiter sind Marco Zöllner (r.) und Michael Halbroth. Quelle: js
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Zöllner ist trockener Alkoholiker und weiß, wie sich ein Süchtiger fühlt. „Uns ist Offenheit sehr wichtig. Man muss mit der Erkrankung ‚Sucht‘ umgehen, auch wenn der erste Schritt zur Hilfe sehr schwer ist – nämlich sich die eigene Abhängigkeit einzugestehen.“ Das sei der Grundstein für eine erfolgreiche Teilnahme am Gruppenleben des Freundeskreises – egal, ob der Gruppenteilnehme alkoholabhängig sei, Drogen nehme oder eine Spielsucht habe.

Einmal wöchentlich, jeden Mittwoch ab 18.30 Uhr, treffen sich die Mitglieder im evangelischen Gemeindehaus in Hohenhameln. „In kleiner Gruppengröße bietet sich dann eine Atmosphäre, in der man sich öffnen kann. Es geht um Sorgen des Alltags. Wir haben alle ähnliche Dinge erlebt, wir wissen, was Sucht bedeutet. Wenn uns etwas erzählt wird, dann verstehen wir das, dann können wir mitfühlen und wir können miteinander an Problemen arbeiten. Wir stehen alle auf Augenhöhe und sind ehrlich zueinander“, erläutert Zöllner.

Auch neben den wöchentlichen Treffen gibt es die Möglichkeit, beim Freundeskreis an Aktivitäten teilzunehmen. Der stellvertretende Gruppenbegleiter Michael Halbroth schildert: „Es können private Kontakte geknüpft werden – wenn das Mitglied daran Interesse hat. Wir veranstalten auch gemeinsame Grill- oder Spieleabende und ähnliche Freizeitaktivitäten.“

Diese Gemeinschafts-Erlebnisse seien oft wichtig für Suchterkrankte, weiß Zöllner aus eigener Erfahrung: „Als ich aufgehört habe zu trinken, hatte ich keinerlei soziale Kontakte mehr.“ Im Freundeskreis, den er 2010 gründete nachdem er mit dem Trinken aufgehört hatte, knüpfte der Mehrumer neue Kontakte mit Menschen, die seine Erkrankung verstehen und die Ängste und Sorgen, die damit verbunden sind.

Auch Angehörigen von Suchtkranken bietet die Gruppe eine Plattform. Zöllner: „Ein Angehöriger leidet genauso wie der Betroffene unter der Krankheit und verspürt oft eine Art Ohnmacht.“ In persönlichen Gesprächen können Angehörige mehr darüber erfahren, wie sie Suchterkrankte auf dem Weg zur Abstinenz unterstützen können. Zöllner unterstreicht: „Wir sind da, wenn jemand Hilfe braucht – egal ob Abhängiger oder seine Angehörigen.“

js

Info - Der Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe: Der Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe Hohenhameln gehört zum gleichnamigen Bundesverband. Die Gruppe wurde vor drei Jahren von Marco Zöllner gegründet, der selbst alkoholabhängig war. Zum festen Stamm bei den Treffen gehören derzeit sieben Mitglieder. „Eine kleine Gruppengröße ist wichtig, denn bei den Treffen soll ja jeder angemessen zu Wort kommen“, unterstreicht Zöllner. Hilfe suchen könne bei der Gruppe jeder Abhängige, egal welche Süchte ihn umtreiben: „Aber vorher muss man selbst erkennen, dass man süchtig ist und Hilfe möchte – dann können wir auch helfen“, betont der stellvertretende Gruppenbegleiter Michael Halbroth. Zöllner unterstreicht die Wichtigkeit der Selbsterkenntnis: „Wir wollen ja niemanden bekehren oder belehren. Sondern wir wollen uns eben selber helfen.“

  • Kontakt zur Gruppe gibt es telefonisch bei Marco Zöllner unter 05128/3333668 oder 0170/2951492 sowie bei Michael Halbroth, Telefon 0171/4418452. Außerdem ist der Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe Hohenhameln per E-Mail erreichbar unter fks.hohenhameln@web.de. Der Landesverband Niedersachsen ist im Internet erreichbar unter www.freundeskreise-niedersachsen.de.
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