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Hohenhameln „Notfalls wandern wir aus“
Kreis Peine Hohenhameln „Notfalls wandern wir aus“
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15:30 12.04.2010
Fritz Köhler hat an seinem Haus in Mehrum ein Plakat der Bürgerinitiative Hämelerwald angebracht. Direkt gegenüber wohnt einer der Landwirte, die die Hähnchenmastanlage bauen wollen. Quelle: sur
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Hohenhameln-Mehrum. Leicht fiele der Weggang nicht: „Es ist traumhaft hier“, sagt Anika Kujack. „Man schaut aus dem Fenster auf einen Fischteich und wird von Enten geweckt.“

Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist die Nähe zum Kraftwerk, der Durchgangsverkehr, die Gewerbegebiete – und die Nähe zur Autobahn, die Mitglieder der Bürgerinitiative aber auch zu schätzen wissen. „Wir leben hier überhaupt nicht gesund, schon jetzt“, sagt Kujack.

Heinz Müller* würde aus gesundheitlichen Gründen gehen: Er hatte Leukämie und bekam vor zwei Jahren eine Knochenmark-Transplantation. „Mein Immunsystem ist geschwächt, ich muss jetzt besonders aufpassen“, sagt er. Paradox: Wegen der sauberen Landluft waren er und seine Frau vor 15 Jahren von Hannover nach Hämelerwald gezogen.

Wegziehen würde auch Fritz Köhler. Er wohnt in Mehrum direkt gegenüber von einem der Landwirte, die die Anlage bauen wollen. An sein Haus hat er ein Plakat der Bürgerinitiative gehängt: „Wir wehren uns!“, steht darauf. Ein Nachbarschaftsstreit sei aber noch nicht entbrannt, sagt Köhler: „Herr Löhr weiß, dass ich nicht ihn persönlich angreife.“

Doch wohin umziehen? „Es weiß ja keiner, wo noch überall solche Dinger gebaut werden“, sagt Kujack. Manthey kann davon ein Lied singen: Vor zwölf Jahren ist sie aus dem Oldenburger Land weggezogen. Ihre Tochter, damals drei Jahre alt, hatte asthma-bronchiale Anfälle – und die Kinderärztin vermutete einen Zusammenhang zu den vielen Hähnchenmastanlagen in der Region.

Kujack kann sich vorstellen, Deutschland ganz den Rücken zu kehren. „Notfalls wandern wir nach Schweden aus“ sagt sie. „Dort gibt es mehr Natur und das Land ist nicht so dicht besiedelt.“ Sie und ihr Mann haben dort ein Ferienhaus, und auch Jobangebote aus Schweden erhalten sie gelegentlich. Doch freiwillig will niemand gehen. „Wir sind noch guter Dinge, dass wir die Anlage verhindert kriegen“, sagt Kujack. Notfalls greift Plan B.

* Name von der Redaktion geändert

Susann Reichert

Es ist ein ehrgeiziger Plan, der Geduld brauchen wird: Die SPD-Fraktion im Hohenhamelner Gemeinderat hat vorgeschlagen, Mehrum mit einer Umgehungsstraße zu entlasten. Die Straße soll nördlich von Sehnde beginnen, an Rethmar, Evern, Dolgen und Mehrum vorbeiführen und dann in die Landesstraße münden, die Equord mit Hämelerwald verbindet.

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