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Nach 27 Jahren: Meissner schließt seine Kiefer-Katen zu

Soßmar Nach 27 Jahren: Meissner schließt seine Kiefer-Katen zu

Ein Mann nimmt Abschied von seinem Lebenswerk: Henning Meissner schließt zum Jahresende seine drei Möbelgeschäfte Kiefer-Kate in Soßmar, Baddeckenstedt und Gelsenkirchen. „Alters- und Gesundheitsgründe“, sagt der 64-Jährige. Eine Erfolgsgeschichte in Massivholz geht zu Ende. Aber auch 30 Mitarbeiter verlieren ihren Job.

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Henning Meissner, Chef der Kiefer-Kate mit drei Niederlassungen in Soßmar, Gelsenkirchen und Baddeckenstedt, blickt zufrieden auf sein Lebenswerk zurück. Zum Jahresende schließt er seine Einrichtungshäuser, in Soßmar war er 27 Jahre lang mit Massivholz-Möbeln und Wohnzubehör am Markt.

Quelle: cb

Hohenhameln-Soßmar . „Kiefer für Möbel? Kiefer ist Bauholz, aber nichts für Möbel!“ Die Branche spottete, als Henning Meißner am 2. Oktober 1982 seine Kiefer-Kate in Soßmar eröffnet. Überhaupt: Ein Möbelhaus in Soßmar? „Drei Monate hat mir die Konkurrenz gegeben“, erzählt der erfolgreiche Geschäftsmann in seinem hellen Büro unterm Dach des Oberg‘schen Hofes, den er zur ersten Kiefer-Kate umbaute. „Drei Monate – fast 30 Jahre sind es geworden.“

Bis zu 1500 Kunden aus dem Peiner Land und aus einem Umkreis von etwa 80 Kilometern strömten Tag für Tag nach Soßmar, um sich die Kiefer-Kate anzuschauen und massive Möbel sowie Wohn-Zubehör zu kaufen. Die Verkehrssituation beschäftigte Ausschüsse und den Hohenhamelner Gemeinderat, die Konkurrenz eilte voller Neugier per Hubschrauber herbei und landete auf dem Sportplatz, erzählt der 64-Jährige. Die Standorte Gelsenkirchen und Baddeckenstedt folgen 1995 und 1996. „Mit unserem Konzept, massive Möbel in Kiefer anzubieten, trafen wir den Nerv der Zeit“, sagt er. „Wir haben nie etwas verschenkt, aber auch nicht mehr Geld genommen, als wir unbedingt brauchten.“ Als die Konkurrenten ebenfalls auf Kiefer gingen, wechselte Meissner zum Kolonial-Stil. Er gehörte zu den ersten in Deutschland, die später Möbel aus dem Holz des Kautschuk-Baumes ins Programm nahmen. „Wir waren immer schneller als die anderen“, sagt der selbstbewusste Geschäftsmann mit dem eisgrauen Vollbart. „Gut – ein bisschen Glück hatten wir auch.“

Die Zahlen stimmten: Allein 1994 machte die Kiefer-Kate einen Jahresumsatz von 24 Millionen Euro. Über aktuelle Bilanzen spricht er nicht. Nur so viel: „Alle drei Geschäfte werden profitabel geführt.“ Auf 1100 Quadratmetern baute Meissner sein Geschäft in dem früheren Bauernhof um, kaufte eine zweite Hofanlage als Lager. Auf 2000 Quadratmetern richtet er eine Freiluft-Gartenmöbel-Ausstellung ein. Bis zu 90 Mitarbeiter beschäftigte Meissner in Spitzenzeiten.

Henning Meissner strahlt eine tiefe Zufriedenheit mit sich und der Welt aus, er scheint in sich zu ruhen, hat den Rückzug aus dem Geschäft vor zwei Jahren der Belegschaft angekündigt und sich um Nachfolger bemüht. Vergeblich. „Es waren zwei ernsthafte Interessenten da“, erzählt er ganz offen, „aber die Banken haben gesagt, für Möbel gibt es keine Kredite. Also werde ich die drei Geschäfte schließen. Leicht fällt mir das nicht, aber ich muss auf meinen Arzt hören.“ Sein Herz verträgt keinen Stress mehr.

Meissner ist seit 1999 in dritter Ehe verheiratet mit seiner Frau Anke, einer Holländerin, wie er aus der Möbelbranche. Gemeinsam haben sie fünf Kinder und acht Enkel. „Anke hat mir gezeigt, was Familie bedeutet“, sagt der 64-Jährige.
Im Ruhestand wird er sich weiter um den Vereinigten Möbel-Einkaufsverband kümmern, dem 200 Möbelhäuser in Deutschland angehören. „Und um meine Pferde“, sagt Meissner.

Michael Schröder

Hintergrund

„Das Wasser stand mir oft bis zum Hals“

Henning Meissner, Chef der Kiefer-Katen in Soßmar, Baddeckenstedt und Gelsenkirchen, hat den Beruf des Möbelkaufmanns im Hildesheimer Geschäft Fels gelernt. Nach zwei Jahren Bundeswehrzeit stieg er als Handelsvertreter für Möbel ins Geschäft seines Vaters ein. Als Henning Meissner 24 Jahre alt war, starb sein Vater am Herzinfarkt, der Junior musste die Initiative ergreifen. „Ich war mit der Aktentasche bei den Kunden unterwegs“, blickt Meissner zurück.

1972 zieht er in die Räume der ehemaligen Hohenhamelner Zuckerfabrik, „Meissner kommt“ stand auf seinen Lastwagen und war Programm. „Wir haben schon früh Just-in-time geliefert“, sagt er, „die Ware musste schnell umgeschlagen und zum vereinbarten Zeitpunkt beim Kunden sein.“ Leicht war das nicht: „Noch als Handelsvertreter habe ich zwei Jahre lang kaum geschlafen“, sagt er, „das Wasser stand mir oft bis zum Hals.“ Aber er musste weitermachen, alles stand auf dem Spiel – und das Durchhalten hatte Erfolg.

Zehn Jahre später setzte er alles auf eine Karte, investierte 50000 Mark und nahm 100000 auf. „Es war ein hohes Risiko“, sagt er, „aber den angepeilten Jahresumsatz von 300000 Mark hatten wir schon nach drei Monaten erzielt.“ Die Kiefer-Kate machte Schlagzeilen. Neben Soßmar eröffnete Meissner eine Kiefer-Kate in Gelsenkirchen, die seine Schwester leitet und eine in Baddeckenstedt. „Nach Möbel-Kraft in Bad Segeberg waren wir, was den Quadratmeter-Umsatz betraf, die Nummer zwei in Deutschland“, sagt er.

Noch erfolgreicher war Meissner allerdings mit dem seinerzeit marktführenden „Innatura“-Verbund, dem bis zu 70 Möbelhändler angeschlossen waren. Meissner und ein Partner entwickelten selbst Möbel und vertrieben sie, kauften in Dänemark ein, gestalteten Prospekte, wurden bekannt von Flensburg bis Freilassing. „Von 1984 bis 2000, das waren goldene Zeiten“, sagt der Geschäftsmann. „Wir haben bis zu 130 Millionen Mark pro Jahr umgesetzt.“

90 Angestellte, viele in Teilzeit, arbeiteten in Spitzenzeiten für Meissner, jetzt sind es an den drei Standorten und im „Kie-Ka-Lager“, das den zentralen Einkauf erledigt, noch etwa 30 Mitarbeiter. Meissner garantiert bis Jahresende Sonderzahlungen zum Lohn und Prämien für jeden freien Tag, der gearbeitet wird. „Ich gehe hier sauber raus“, sagt er.

de

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