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„Mach doch Deinen Mist allein!“

Arbeitsgericht „Mach doch Deinen Mist allein!“

Betriebliche Ausbildungsverhältnisse unterliegen besonderen Kündigungsschutz-Regeln. Manchmal kommt es aber eben doch zur Trennung von Lehrling und Unternehmen – so gestern vor der 6. Kammer des Arbeitsgerichts Braunschweig.

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Braunschweig. Dort einigten sich die Hanisch Metall- und Treppenbau GmbH und einer ihrer Azubis darauf, das auch atmosphärisch mächtig angeschlagene Verhältnis durch eine Auflösung des Vertrags zu beenden.

Eigentlich wollte der junge Mann in der Hohenhamelner Firma den Beruf des Konstruktionsmechanikers erlernen. Der Versuch währte nur fünf Monate und drei Abmahnungen lang. Dann kam die fristlose Kündigung.

Die sei aus guten Gründen erfolgt, betonte der vom Arbeitgeber beauftragte Rechtsanwalt Klaus Saemann gestern beim Gütetermin im Gerichtssaal. So habe der Azubi alle Leistungsziele verfehlt, und das nicht nur im Betrieb: „Die Berufsschule hat mitgeteilt, dass er in allen Fächern glatt auf einer Sechs steht. Er kann nicht einmal die Grundrechen-Arten anwenden.“ Mehrfach habe die Hanisch GmbH dem Lehrling Unterstützung wie Nachhilfe angeboten. Der Kläger habe das allerdings nicht wahrgenommen.

Das hätte vielleicht noch nicht für die Kündigung ausgereicht. Das Verhalten des Auszubildenden sei jedoch ebenfalls kritikwürdig, erklärte Saemann. Unentschuldigtes Fehlen sei dabei noch die harmloseste Variante. Der Lehrling habe seinen Ausbilder übel beschimpft und ihm im Beisein von Kunden gesagt: „Mach doch Deinen Mist allein.“

„Diese Äußerungen bestreitet mein Mandant“, erklärte hingegen Sahin Kilic, der Anwalt des Klägers. Und das mit den ungenügenden Leistungen sei ja wohl kein Grund für eine Entlassung. „Jedes Unternehmen ist verpflichtet, seine Lehrlinge zum Abschluss zu führen. Falls er für diese Tätigkeit nicht geeignet ist, hätte man das schon während der Probe-Arbeitszeit feststellen müssen und ihn gar nicht erst beschäftigen dürfen“, sagte Kilic.

Dennoch schienen sich die Beteiligten einig zu sein, dass eine Weiterbeschäftigung angesichts der verhärteten Fronten nicht sinnvoll wäre. „Vielleicht ist das ja auch nur nicht der richtige Beruf für ihn“, gab Richter Lutz Bertram zu bedenken und regte eine einvernehmliche Lösung an. „Dies ist ja schließlich ein Gütetermin“, meinte er.

Nach ausführlichen Beratungen auf dem Gerichtsflur kam es dann doch noch zum Kompromiss. Die Hanisch GmbH wandelt die fristlose Kündigung in eine Vertragsaufhebung zum 30. April an. Sie zahlt dem jungen Mann bis zu diesem Tag die Ausbildungsvergütung weiter, und sie wird ihm ein Zeugnis ausstellen. Darüber, wie das aussehen wird, lässt sich nur spekulieren.

jkr

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