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Hausbesuch beim Landwirtschafts-Minister

Hohenhameln Hausbesuch beim Landwirtschafts-Minister

Seit drei Wochen ist der Hohenhamelner Gert Lindemann niedersächsischer Landwirtschafts-Minister. Mit der PAZ sprach er über sein neues Amt und darüber, wie er sich nach einer 70-Stunden-Woche erholt.

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Hat nie wirklich Feierabend: Minister Gert Lindemann schaut an seinem Computer zu Hause nach neuen E-Mails. Im Arbeitszimmer hängen etliche Jagdtrophäen aus früheren Jahren – momentan hat der Hohenhamelner kaum Zeit für sein Hobby.

Quelle: cb

Hohenhameln . Es ist nicht leicht, bei Gert Lindemann einen Termin zu bekommen. Am Montag war er bei Ilse Aigner in Berlin, gestern hatte er einen Termin in Stade, heute muss er nach Göttingen. Seit der Hohenhamelner Minister ist, muss er viele Hände schütteln. „Dabei bin ich eigentlich nicht der Typ, der permanent in der Öffentlichkeit stehen will“, sagt Lindemann.

Deshalb hat er auch nicht sofort Ja gesagt, als Landeschef David McAllister ihm das Ministeramt anbot. „Ich habe erst in Ruhe mit meiner Familie beraten“, sagt Lindemann. Der 63-jährige Jurist hatte seine politische Karriere bereits vor einem Jahr an den Nagel gehängt. Als Ruheständler saß der CDU-Mann bei der Volksbank und bei Nordzucker im Aufsichtsrat. Er engagierte sich für das kirchliche Seniorenheim in Hohenhameln und hoffte, wieder mehr Zeit für seine Enkeltöchter zu haben und für sein Hobby, die Jagd.

Inzwischen arbeitet Lindemann wieder zwölf Stunden am Tag, sechs Tage die Woche – und findet das völlig normal. Überstunden habe er schon immer gemacht, sagt er, ob am Anfang seiner Karriere als Richter oder zuletzt als Staatssekretär unter Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner in Berlin. Lindemann sieht’s positiv: „Immerhin komme ich jetzt abends nach Hause, auch wenn es spät ist.“

Eigentlich hätte es sich der 63-Jährige im Ruhestand gemütlich machen können. Lindemann war lange genug im Staatsdienst und ist an der Pensions-Obergrenze angekommen. „Ich hatte aber das Gefühl, dass ich als Minister noch etwas erreichen kann“, sagt Lindemann. Unter anderem will er dafür sorgen, „dass die Landwirtschaft in der Mitte der Gesellschaft steht.“ Das Klischee des Subventionsempfängers, Tierquälers und Luftverpesters schmeckt ihm nicht – vielleicht auch deshalb, weil seine Frau Käthe auf einem Bauernhof in Hohenhameln aufgewachsen ist.

Mehr Akzeptanz wünscht sich Lindemann auch für die Hähnchenmast. Man könne Bauern nicht verbieten, „sich mit moderner Nutztierhaltung ein zweites Standbein zu schaffen“. Zudem lohnten sich solche Betriebe finanziell erst ab 30 000 oder 40 000 Tieren, glaubt Lindemann. Von Tierquälerei will er nichts hören: „Sie können auch 500 Hennen halten und quälen. Das ist keine Frage der Anzahl der Tiere, sondern der Art der Haltung.“ Ausschlaggebend seien genug Licht und eine ordentliche Belüftung der Ställe.

Als eine seiner ersten Amtshandlungen hat Lindemann eine 40-Punkte-Liste zum Tierschutz erarbeitet. Unter anderem soll es verboten werden, Hühnern die Schnäbel zu kürzen und Ferkel ohne Betäubung zu kastrieren. Mit Bundesministerin Aigner sei er sich darin einig. „Ich bin sowieso amüsiert über die Vorstellung, wir lägen im Dauer-Clinch“, sagt er.

Für einen Clinch wirkt Lindemann ohnehin viwel zu besonnen. Wer mit ihm spricht, hat schnell das Gefühl, ihn bringe nichts aus der Ruhe. Für die Ankündigung, dass Hähnchenmast-Gegner eine Mahnwache vor seinem Haus planen, hat Lindemann nur ein müdes Lächeln übrig.

Wenn er sich doch einmal vom Politiker-Dasein erholen muss, verbringt der Hohenhamelner gern Zeit im eigenen Wald – oft zusammen mit seinem Dackel Fiete. „Mich so zu regenerieren, ist mir wichtig“, sagt er. Privat sei er sehr in Hohenhameln verwurzelt. Immerhin lebt er seit 1975 im Dorf und war lange Ortsbürgermeister.

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