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Hohenhameln Feuerwehr übte Chemie-Unfall am Kraftwerk
Kreis Peine Hohenhameln Feuerwehr übte Chemie-Unfall am Kraftwerk
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21:45 28.06.2012
Von Susann Reichert
Lagebesprechung: Francesco Schweer (Mitte) unterhält sich mit Feuerwehr-Kameraden. Quelle: cb

„Das ist kein Brandeinsatz und keine Türöffnung für eine hilflose Person - das ist eine ganz andere Liga!“, betont Feuerwehr-Pressesprecher Francesco Schweer. „Der Aufwand an Personal ist viel, viel höher.“ Falls etwas schief geht, müssen genug Reservetrupps bereitstehen - um im schlimmsten Fall die Retter zu retten.

Die Ortsfeuerwehr Mehrum ist als erste vor Ort und ruft sofort Verstärkung. Bald rasen Feuerwehrautos aus Stedum und Hohenhameln aufs Gelände. Doch noch immer reicht das Personal nicht: Die Feuerwehrleute könnten schon Schläuche verlegen und mit reichlich Wasser den Ammoniak verdünnen, der laut Übungsszenario aus einem defekten Rohr strömt und die Luft verpestet. Aber die Vermissten suchen, das können sie nicht. Viel zu gefährlich wäre es, den Raum ohne Schutzkleidung zu betreten, die jeden Zentimeter Haut bedeckt und vor dem giftigen Gas schützt.

„Wir brauchen hier dringend weitere Kräfte“, fleht ein Feuerwehrmann über Funk. Zäh vergehen die Minuten. Endlich sind die Spezialisten da: Die Feuerwehrleute vom Gefahrgutzug West. In ihren dicken, weißen Chemieschutzanzügen sehen sie ein bisschen aus wie Astronauten, sie tragen Gummistiefel und Sauerstoff-Flaschen auf dem Rücken. Das Gehen muss anstrengend sein, denn sie bewegen sich träge wie Raumfahrer auf dem Mond. Aber bald haben sie die „Verletzten“ gefunden, tragen zwei Dummies ins Freie und spülen unter der Dekontaminations-Dusche gründlich den Ammoniak von Haut und Schutzanzügen.

Doch damit ist längst nicht alles ausgestanden. Im Ölpumpenhaus gab es eine Verpuffung, dicker Qualm dringt nach draußen. Zwei Arbeiter werden vermisst, die gerade den Schweröl-Tank gereinigt haben. Und noch eine schlechte Nachricht: Die Hydranten auf dem Kraftwerksgelände funktionieren nicht mehr. Die Feuerwehrleute benötigten so viel Wasser, dass das Netz zusammengebrochen ist. Schläuche zum Mittellandkanal müssen her - und zwar schnell.

Völlig zufrieden ist Schweer mit dem Verlauf der Übung nicht. Alles hätte schneller gehen und besser organisiert werden können. „Was schlecht gelaufen ist, wird alles notiert und später durchgesprochen“, sagt er. Denn genau dafür sei eine Übung da - um zu erkennen, was im Ernstfall alles schiefgehen kann.

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