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Fantasien fließen aus den Fingern in die Tasten

Wanja Belaga in Soßmar Fantasien fließen aus den Fingern in die Tasten

Mehrere lange Momente blickt er auf die Klaviatur des Hummerschen Kultursalon-Flügels, wie der unentschlossene Autor auf seine Tastatur und den quälend leeren Bildschirm.

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Pianist Wanja Belaga.

Quelle: rb

Hohenhameln-Soßmar. Dann aber beginnen seine musikalischen Fantasien aus seinen Fingern auf die Tasten zu fließen: Wanja Belaga improvisiert. Und ähnlich wie beispielsweise Komponist Arnold Schönberg einst seine revolutionären „atonalen Reihen“ („alle Töne sind gleichberechtigt“) einbrachte, schöpft auch Belaga jenseits des üblichen Dur-Moll-tonalen Systems aus einem, sagen wir amorphen Universum von Klängen.

Er kreiert Tonfolgen, auf die sich das meist unvorbereitete Publikum (Belaga: „Ich nehme an, Sie sind vorgewarnt!“) zunächst mehr oder weniger mühsam einlassen muss. Keine Kadenzen, keine Harmonien, schon gar keine fassbaren Melodien: Belaga orientiert sich an selbst gestellten Themen, an Hauptgedanken, um die seine Improvisationen kreisen.

Das ist musikalisch hoch anspruchsvoll und hochgradig gefährlich zugleich. Es zeugt von immensem schöpferischem Mut, den Belaga frei und verblüffend ehrlich vor dem Publikum entwickelt.

„Wenn mir nichts mehr einfällt, gehen wir eben nach Hause“, spottet er anfangs über sich selbst. Denn er greift auf nichts weiter zurück als auf seine Intuition, musikalische Eingebungen ohne Netz und Noten. Wobei: Sein freitonales Sicherheitsnetz webt er sich praktisch selbst, nutzt es allerdings wie ein klangliches Trampolin, das ihn bei jeder Akkordbrechung, jedem Arpeggio zu weiteren Klangkaskaden katapultiert. Apropos katapultiert: Wie traumwandlerisch schwebt Belaga über diese extrem hohe Hemmschwelle, die aufgeschriebene Musik und deren Interpretation von dem trennt, was Belaga hier pianistisch bis zur Perfektion gelingt: Der Mut, sich „freizuspielen“, sich vor dem Publikum zu entäußern und eben jene persönliche Stimmung in Klangvorstellungen zu präsentieren.

Das klingt von einem, wie Belaga nicht einfach nur schräg oder schrill, sondern wie eine Wanderung durch einen musikalischen Regenwald voller Gefahren, Hindernisse und atemberaubenden Schönheiten.

Wer sich davon losreißt und die Augen öffnet, entdeckt Belaga wie im Zwiegespräch mit Hummers Flügel, wie er mit ihm zu singen scheint, zu kosen oder zu streiten.

Wie, als wollte er seinem Publikum seine pianistische Professionalität auch anhand von Noten präsentieren, gibt es „zur geistigen Entspannung“ Stücke aus Bachs („Er ist ein Gott für mich“) Clavierübungen. Dass er dabei sogar einmal stockt, macht ihn umso sympathischer, hebt ihn das doch von dieser unmenschlichen Musikmaschinen- Perfektion ab.

Das alles erreicht das Publikum ungeschmälert – wohl noch nie wurde sowohl in der Pause als auch nach Konzertschluss so angeregt über Musik im Allgemeinen und im Besonderen diskutiert. Sagen wir es mit dem österreichischen Dirigenten und Komponisten Gustav Mahler: „Das Beste in der Musik steht nicht in den Noten“.

Ulrich Jaschek

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