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Ehrenamtliche retten Bierbergens Bücherei

Bierbergen Ehrenamtliche retten Bierbergens Bücherei

Bierbergen. Die Bücherei in Bierbergen hat zu wenig Kundschaft - in Zeiten knapper Kassen droht ihr deshalb die Schließung. Doch die Dorfbewohner kämpfen um ihre Bücherei: Acht Frauen wollen sie ab Herbst ehrenamtlich führen und damit Personalkosten sparen.

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Sie führen bald die Bücherei in Bierbergen (von links): Claudia Reuter, Regina Pannicke, Petra Knop, Angela Lege, Anke Waßmann, Dörthe Bankes, Melanie Gras und Anke Kraska.

Quelle: sur

Ortsbürgermeister Jürgen Pagel schwärmt oft von der „heimeligen Atmosphäre“ in der Bierberger Bücherei. Wer wissen will, was er damit meint, muss selbst dagewesen sein: Die Bücherei ist so klein wie ein Wohnzimmer, an jeder freien Wand drängen sich Regale.

Laut Pagel ist zwischen diesen Bücherwänden quasi eine ganze Generation von Kindern aufgewachsen. „Unsere Ex-Bibliothekarin Christa Meinecke war die Mutter der Nation“, sagt er. 29 Jahre lang leitete sie die Bücherei, 2008 ging sie in Altersteilzeit.

Dann wechselten das Personal und die Öffnungszeiten – und die Besucher blieben weg (PAZ berichtete). Obwohl der Ortsrat kräftig Werbung machte, schien die Bücherei nicht zu retten: „In den vergangenen vier Monaten hatten wir nur 210 Entleihungen, das sagt alles“, meint Katarina Wilms. Sie leitet das Kreis-medienzentrum Peine und ist bisher auch für die Bierberger Bücherei verantwortlich. Auch wenn das Personal vom Landkreis kommt: Die Kosten trägt die Gemeinde Hohenhameln. 4000 Euro gibt sie pro Jahr für Personal aus, 1400 Euro für neue Bücher. Kein Problem, solange die Nachfrage da war. Doch in Zeiten knapper Kassen lässt sich schwer begründen, wieso Geld für etwas ausgegeben wird, das anscheinend niemand mehr braucht.

Doch die Bierberger lassen ihre Bücherei nicht sterben: Acht Frauen aus dem Dorf wollen sie ab September ehrenamtlich leiten. Wilms will sie einarbeiten und der Ortsrat hat Unterstützung versprochen – Pagel will sich zum Beispiel bei der Gemeinde dafür einsetzen, dass die Bücherei noch renoviert wird. Neuer Bodenbelag müsste her und frische Farbe für die Wand.

Unter den acht Frauen ist übrigens keine einzige Bibliothekarin – statt dessen eine Floristin, eine Altenpflegerin, eine Ingenieurin. „Aber wir leiten alle ein kleines Familienunternehmen“, sagt Angela Lege mit einem Augenzwinkern. Da kann die Leitung einer Bücherei ja nicht so schwer sein.

sur

Öffnungszeiten ändern sich

Bessere Öffnungszeiten sollen wieder Kunden in die Bücherei im Bierberger Mehrzweckgebäude locken. Bisher hat sie mittwochs von 14.30 bis 17 Uhr geöffnet, ab September soll sie dienstags von 16 bis 18 Uhr öffnen. „Zu dieser Zeit ist hier nebenan Kinderturnen“, sagt Angela Lege. Danach könnten sich die Jungen und Mädchen noch Bücher mitnehmen, und Eltern, die auf ihre Kinder warten, könnten sich schmökernd die Zeit vertreiben. Und die Frauen haben noch mehr Ideen – etwa einen „Bücher-Bringdienst“. sur

Kommentar

Geniale Lösung

Von Susann Reichert

Ein genial-einfaches Konzept haben sich die Bierberger da ausgedacht. Von dieser Lösung profitieren alle: Die Bücherei muss nicht schließen, die Öffnungszeiten werden flexibler, und die Gemeinde spart richtig viel Geld. Zwar sollen die Frauen eine angemessene Aufwandsentschädigung bekommen. Doch selbst wenn das – einmal ins Blaue geraten – zehn Euro pro Stunde sein sollten: Die Bücherei öffnet nur zwei Stunden pro Woche, aufs Jahr gerechnet sind das rund 1000 Euro. Ein Viertel von dem, was die Gemeinde derzeit fürs Personal ausgibt.

Toll, dass sich genug Ehrenamtliche gefunden haben, um die Bücherei zu erhalten. Ihr Engagement ist ein Paradebeispiel dafür, wie in Zeiten knapper Kassen die Gemeinschaft funktionieren kann: Was den Bürgern wichtig ist, nehmen sie selbst in die Hand.

s.reichert@paz-online.de

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