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Biotope aus Schlamm und Schilf

Soßmar Biotope aus Schlamm und Schilf

Eingedeichte Flächen aus wogendem Schilf, an den Rändern schwarze Plastikfolie: Was aussieht wie zugewucherte Gartenteiche, ist die neue Klärschlamm-Vererdungsanlage von Soßmar.

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Vererdungsanlage Soßmar: Hans-Hermann Baas vom Wasserverband Peine (links) und Hohenhamelns Bürgermeister Lutz Erwig (rechts) öffnen das erste Zulaufventil.

Quelle: im

Hohenhameln-Soßmar . Bürgermeister Lutz Erwig und Hans-Hermann Baas, Vorsteher des Wasserverbandes Peine, drehen zusammen am Rad des Zulaufventils. Aus dem Rohr ertönt ein kurzes Gurgeln, dann schießt schwarzer Sud in das darunter liegende Schilfmeer.

Skeptisch riecht Erwig an seinen Fingern und verzieht das Gesicht. Der Geruch der Klärschlamm-Vererdungsanlage ist nicht angenehm. Dafür bietet sie die Lösung für ein dringendes Problem: „Seit zehn Jahren diskutieren wir schon darüber, was wir mit unserem Klärschlamm eigentlich machen sollen“, fasst Baas in seiner Rede zusammen.

Dieses Problem ist nun gelöst. Zumindest vorläufig. Die Vererdungsanlage Soßmar verfügt über drei Becken mit einer Nutzfläche von je 2100 Quadratmetern. Sie nimmt fast den gesamten Klärschlamm der Gemeinde Hohenhameln auf, und zusätzlich noch den von fünf Orten der Gemeinde Harsum.

Die Funktionsweise ist einfach: Über Rohre wird der Schlamm aus der benachbarten Kläranlage in die Schilfbecken gepumpt. Dort entziehen ihm die Pflanzen Feuchtigkeit. Zusätzlich kann Wasser im Boden versickern und wird über ein Drainage-System abgeleitet. Übrig bleiben pro Jahr 210 Tonnen Klärschlammerde.

Nach etwa acht Jahren ist ein Becken gefüllt, dann wird der Schlamm abgebaggert und die Prozedur beginnt von vorn. In der Zwischenzeit bilden die Schilfflächen Lebensraum für Vögel und andere Tiere: „Das werden hier drei richtige Mini-Biotope“, sagt Sandra Ramdohr vom Wasserverband.

Der Vorteil der Vererdung: Beim anfänglichen Nassschlamm liegt der Wasseranteil bei 98 Prozent. Durch die Trocknung reduziert sich gleichzeitig das Volumen, und zwar um etwa neun Zehntel.

Da sich die Entsorgungskosten für Klärschlamm nach dem Volumen berechnen, wird auf diese Weise Geld gesparen. Außerdem entfallen neun von zehn Lastwagenfahrten für den Abtransport.

Der Nachteil: Die Vererdungs-Methode braucht Platz. Etwa 10000 Quadratmeter Fläche wurden in Soßmar eingeplant. Auf dieser errichtete die Firma Eko-Plant dann die neue Anlage, die eine geplante Nutzungszeit von 25 Jahren hat. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 875000 Euro.

Nach dem Urteil von Henning Schaare, Technischer Leiter des Wasserverbandes, handelt es sich um sinnvoll investiertes Geld: „Mit dieser Methode haben wir bereits gute Erfolge bei Anlagen in Uetzen, Hänigsen und Baddeckenstedt. Die Behandlung von Klärschlamm ist heutzutage einfach zwingend notwendig.“

Außerdem sei die gewonnene Klärschlammerde ein vielseitiges Produkt. Neben der klassischen Verbrennung arbeite man an einer zunehmenden Verwendung in der Landwirtschaft: „Die Preise für Dünger steigen und durch das enthaltene Phosphor ist unser Schlamm ein ernstzunehmender Ersatz“, erklärt Schaare.

André Ziegenmeyer

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