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Edemissen Der Konfirmationsanzug wurde mit Eiern bezahlt
Kreis Peine Edemissen Der Konfirmationsanzug wurde mit Eiern bezahlt
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00:19 30.11.2018
Rudolf Nordmeyer (mit Pastorin Frauke Lange) war in Wipshausen der einzige „Kronjuwelenkonfirmand“. Quelle: Fotos: Nicole Bullert
Wipshausen

Ein seltenes Jubiläum feierte Rudolf Nordmeyer aus Wipshausen: Die Kronjuwelenkonfirmation. 75 Jahre nach seinem großen Tag im Jahr 1943 ließ er sich noch einmal segnen.

„Die Kirchengemeinde Wipshausen hatte Jubiläumskonfirmanden verschiedener Jahrgänge in die Sebastian-Kirche eingeladen. Leider war ich die einzige Person, die an diesem Tag die Kronjuwelenkonfirmation feiern konnte“, sagt Nordmeyer, der sich noch gut an seine Konfirmandenzeit mitten im Krieg erinnern kann. Fotos hat er aus der Zeit leider nicht.

Pünktlich zu sein, lohnte sich

„Mein Vorkonfirmanden-Unterricht begann 1941 und fand normalerweise in der Kirche statt. In der kalten Jahreszeit wurde allerdings in das kleine Büro des damaligen Pastors Müller im Pfarrhaus ausgewichen“, weiß der 89-Jährige zu berichten. Pünktlich zu sein lohnte sich für die etwa zehn Jugendlichen aus Wipshausen und Rietze, denn wer zuerst kam, durfte auf einem alten, ächzenden Sofa Platz nehmen.

Interessanter als der Unterricht, für den viel auswendig gelernt werden musste, sei die Kuckucksuhr gewesen. „Wir haben immer gespannt darauf gewartet, dass der Kuckuck rief“, blickt Nordmeyer zurück und schmunzelt. Pastor Müller sei ein sehr großer Mann mit Bart und wunderbarer Bass-Stimme gewesen. „Meine Mutter sagte immer: Wenn der Pastor laut singt, zittern die Kirchenfenster!“

Die Mutter habe den Pastor nicht sehr geschätzt. Vor allem der Sonntagsgottesdienst, der mehr als zwei Stunden dauerte, sei ihr zu langweilig gewesen. Damit war sie offenbar nicht allein: „Ein älterer Bauer war für seine Schnarchkonzerte bekannt. Wir Konfirmanden mussten ihn öfter wecken“, sagt Nordmeyer.

Einen Anzug gab es gegen „Kleiderpunkte“ und Lebensmittel

Die Konfirmation wurde wegen des Krieges nur klein in der Familie gefeiert, die Vorfreude sei angesichts der Luftangriffe sehr getrübt gewesen. In Braunschweig wurden mit angesparten „Kleiderpunkten“ und einem Dutzend Eier ein Anzug, ein Hemd und eine Krawatte für den Konfirmanden gekauft. Bei der Feier gab es nur ein einfaches Essen und eine Flasche Rotwein, die für alle reichen musste. Nachmittags wurde mit Ziegenmilch gebackener Plattenkuchen und eine große Schale warme „Arme Ritter“ gereicht.

Aufregend war die Prüfung der Konfirmanden vor versammelter Gemeinde. „Es war für uns eine schwere Stunde. Wir haben uns geschämt, wenn etwas daneben ging“, erinnert sich Nordmeyer. Zur Konfirmation bekam er unter anderem eine defekte Armbanduhr, die er sich später gegen eine Büchse Wurst reparieren ließ.

Mit der Konfirmation am 30. März 1943 endete die Schulzeit. Am 1. April begann Nordmeyer eine Tischlerlehre. Am ersten Arbeitstag musste er wegen der Knappheit an Eisenwaren gebrauchte Nägel gerade klopfen. „Aber das ist eine andere Geschichte“, sagt er.

Der „Turm-Jäger“

Für das Läuten und für die Kirchenuhr war damals der Stellmacher Adolf Jäger, der vor der Kirche in einem alten Fachwerkhaus seine Werkstatt hatte, zuständig. Wegen dieser Aufgabe sei er im Dorf unter dem Spitznamen „Turm-Jäger“ bekannt gewesen. „Gern sind wir Konfirmanden mit auf den Turm gestiegen, um zu sehen, wie die beiden Glocken mit der Hand geläutet wurden. Es gab zwei Techniken: Die große Glocke wurde mit einem Strick in Schwingung gesetzt. Bei der kleineren Glocke wurde nur der Klöppel von Jägers Sohn gegen den Glockenrand gezogen“, weiß Nordmeyer zu berichten.

Von Kerstin Wosnitza

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