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Edemissen Über Warschau in den Westen
Kreis Peine Edemissen Über Warschau in den Westen
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12:00 06.10.2009
Kurz nach ihrer Ankunft in Westdeutschland ließen die Herrmanns ein Familienfoto machen. Quelle: privat
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Edemissen-Wipshausen. „Wir dachten, es ist ein Abschied ohne Wiedersehen“, erinnert sich Josef Herrmann an den Tag, als er als 29-Jähriger mit seiner 24-jährigen Frau und den beiden kleinen Söhnen ihren Wohnort Ost-Berlin in Richtung Polen verließ, um der DDR für immer den Rücken zu kehren.

„Wir hatten einen Reiseantrag nach Polen gestellt mit der Absicht, in die Deutsche Botschaft in Warschau zu gelangen und von dort aus in den Westen auszureisen. Vorsichtshalber haben wir uns nicht für den Weg über die damalige

Tschechoslowakei entschieden. Wir hatten – zu Recht, wie sich herausstellte – die Befürchtung, dass dieser Weg versperrt ist, bevor wir dort sind“, sagt Herrmann. Und auch für die Ausreise über Polen drängte die Zeit, denn es sei zu befürchten gewesen, dass nach dem 7. Oktober, dem Tag der Republik, die Bedingungen wieder verschärft werden würden.
Eigene Eltern ahnten nichts

Niemand wusste von den Ausreiseplänen, nicht einmal die eigenen Eltern ahnten, dass die jungen Eheleute sich mit dem Gedanken trugen, die DDR zu verlassen. „Nur mein Bruder war eingeweiht. Bei ihm haben wir auch alles deponiert, was wir später brauchen würden und nicht mitnehmen wollten, Zeugnisse zum Beispiel“, sagt der 49-Jährige.

Die Angst, entdeckt zu werden, war so groß, dass er keine Unterlagen mitnehmen wollte, die man nicht für einen gewöhnlichen Urlaub benötigt. „Wie sollten wir auch erklären, warum wir unsere Arbeitszeugnisse oder auch Alben mit Familienfotos dabei haben, wenn wir gefilzt worden wären?“

Auch in anderer Hinsicht waren die Herrmanns extrem vorsichtig. „Unseren Nachbarn konnten wir nicht trauen. Deshalb haben wir dort erzählt, dass meine Frau mit den Kindern zu ihren Eltern fährt. Sie ist auch allein vor der Tür gestartet, ich habe mich von ihnen verabschiedet. Dann bin ich zu Fuß einige Straßen weiter gegangen, wo meine Frau mich abgeholt hat“, erklärt Herrmann die Strategie, die aufgegangen ist.

Die Ausreise selbst war weit weniger spektakulär, als es die Fernseh-Bilder aus Prag, wo Kinder über den Botschafts-Zaun gehoben wurden und wo der westdeutsche Außenminister Hans-Dietrich Genscher seine unvollendete historische Rede gehalten hat, vermuten lassen. Herrmann sagt: „Wir konnten einfach aufs Gelände gelangen und schon nach einer Nacht in die Bundesrepublik ausreisen.“

Zunächst ging es in eine Notunterkunft, aber die Hilfe und Unterstützung seien groß gewesen. Bald konnte die Familie in eine eigene Wohnung ziehen und auch die Söhne Markus, damals vier Jahre alt, und Patrick, ein Baby von 18 Monaten, kamen wieder zur Ruhe. Die Eheleute fanden bald Arbeit in ihren Berufen als Busfahrer und Krankenschwester und haben sich nach einigen Jahren in Wipshausen ein Haus gekauft.

„Wir haben im Leben nicht gedacht, dass die Grenze so bald ganz geöffnet sein würde. Wenn wir das geahnt hätten, wären wir nicht ausgereist“, betont Herrmann. Aber natürlich war die Freude riesig, als sie schon nach wenigen Wochen ihre Eltern wiedersehen konnten.

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wos

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